Duell zweier Platzhirsche „Der Mentor“ entlarvt im Kleinen Haus männliche Egomanie

Von Jasmin Johannsen

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Ein Hahnenkampf auf höchsten Niveau konnten die Besucher der Komödie „Der Mentor“ von Starautor Daniel Kehlmann am Montagabend im Kleinen Haus beobachten. Foto: Jasmin JohannsenEin Hahnenkampf auf höchsten Niveau konnten die Besucher der Komödie „Der Mentor“ von Starautor Daniel Kehlmann am Montagabend im Kleinen Haus beobachten. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Spitzzüngiger Schlagabtausch auf hohem Niveau: Die Komödie „Der Mentor“ von Starautor Daniel Kehlmann wusste im Kleinen Haus in Delmenhorst das Publikum zu überzeugen.

„Sie sind kein schlechter Kerl. Aber Sie sind einfach nicht talentiert!“ Gleich beim ersten Aufeinandertreffen wird deutlich, dass die Protagonisten in Daniel Kehlmanns „Der Mentor“ wenig harmonieren. Stattdessen lieferten sie sich am Montag im Kleinen Haus einen bitterbösen Schlagabtausch, der die rund 430 Zuschauer beeindruckte.

Erfahrener Schriftsteller soll helfen

Ein Mentoren-Programm führt die Schriftsteller Martin Wegner (Andreas Christ) und Benjamin Rubin (Achim Wolff) zusammen. Eine Woche lang müssen sie sich in der idyllischen Einöde beratschlagen. Von den unendlich wiederholten Weisheiten seines in die Jahre gekommenen Kollegen soll der junge Wegner profitieren und diese direkt in seinem zweiten Stück „Namenlos“ umsetzten. So plant es zumindest Erwin Wangenroth (Oliver Dupont) von der einladenden Kulturstiftung. Doch schnell ist klar, weshalb die Künstler zugesagt haben: Ein Honorar von 10.000 Euro winkt. An einem ernsthaften Austausch ist keiner von beiden interessiert.

„Alter Mann“ wirft mit Boshaftigkeiten um sich

„Der war vielleicht mal vor 100 Jahren relevant“, sagt Wegner über Rubin und verkündet damit eine, wenn auch überspitzte, Wahrheit. Denn es stellt sich heraus, dass dieser mit 24 Jahren sein einziges gutes Theaterstück schrieb. Ein Erfolg, so groß, dass er nie wieder daran anknüpfen konnte. Auf Rubins Hilfe könne er gut verzichten, findet Wegner. Aber auch der „alte Mann“ hält sich nicht zurück, wirft seinem widerwilligen Protegé Boshaftigkeiten an den Kopf und bezeichnet dessen Werk als Schwachsinn. Als sich dann auch noch Wegners Ehefrau Gina (Anja Gräfenstein) als große Bewunderin Rubins entpuppt, eskaliert die Situation vollends.

Die Selbstzweifel zweier Egomanen

„Sie können froh sein, dass Sie so alt sind. Sonst hätte ich sie schon längst verprügelt“, erklärt Wegner bald. Da jedoch beide zivilisierte Intellektuelle sind, wird der Kampf nur verbal ausgetragen. Das Stück lebt von diesen scharfzüngigen Dialogen, die bei allem Witz auch die Selbstzweifel zweier Egomanen offenbaren. Ein Hahnenkampf auf höchstem Niveau, bei dem immer die Frage mitschwingt: Wer bestimmt, was Talent ist?

Intelligentes Konversationsstück beeindruckt Publikum

Andreas Christ und Achim Wolff (der für den erkrankten Volker Lechtenbrink einsprang) mimten eindrucksvoll und energiegeladen die selbstverliebten Gegenspieler. Und auch Anja Gräfenstein und Oliver Dupont wussten durch ihr zurückhaltendes Spiel zu überzeugen. Für das intelligente Konversationsstück spendete das Publikum immer wieder Szenenapplaus und am Ende langen Beifall.


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