Hospizdienst sucht Helfer Begleiten bei letzten Abenteuern der Delmenhorster

Von Kai Hasse

Der Hospizdienst-Verein Delmenhorst sucht weitere Mitglieder. Symbolfoto: dpaDer Hospizdienst-Verein Delmenhorst sucht weitere Mitglieder. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Die Fälle der Hospizbegleitung haben sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Die Zahl der Begleiter hingegen ist gleich geblieben. Ein neuer Kurs für angehende Begleiter startet. Was die Begleitung bedeutet: Ein Helfer und Freund sein für Jemanden während der emotional turbulentesten Zeit seines Lebens – seinem Lebensende.

Die Hospizbegleitung Delmenhorst braucht Helfer. Denn immer öfter werden sie zu den ambulanten Begleitungen gebeten, und gleichzeitig wächst ihre Zahl nicht. Vor zwei Jahren hatten die Hospizbegleiter um Karin Stelljes, Vorsitzende des Hospizdienst-Vereins, 22 Begleitungen. Im Jahr 2017 waren es 42 Begleitungen. Die Zahl der Begleiter ist derweil bei rund 25 geblieben. Karin Stelljes braucht Verstärkung. Das ist nicht leicht, denn manche schrecken vor der Aufgabe zurück, auch weil sie fälschlicherweise glauben, es gehe viel um körperliche Pflege. Die Hospizarbeit ist hingegen die des Begleiters – und sie sei sehr bereichernd, meint Stelljes. Sie hat viel zugehört, Hände gehalten, oder – was am Schwierigsten ist – mit Sterbenden geschwiegen. Aber man schweigt nicht immer. Die Zeit des Sterbens sei oft die Zeit der intimen Gedanken: die letzten Geschichten eines Menschen, seine letzten Wünsche, seine letzten Abschiede, und manchmal auch späte Wiedervereinigungen.

Letzte Besorgungen der Sterbenden

Wie einmal bei Martina Meinken, Koordinatorin des Hospizdienst-Vereins: Ein Mann hatte seine letzten Wochen vor sich. Sie fragte, ob er vielleicht seinen Sohn nochmals wiedertreffen wolle, den er lange nicht gesehen hatte. Er wollte nicht. Aber dann, kurz bevor er starb, hatte er plötzlich doch einen Termin mit dem Sohn für das letzte Wiedersehen. Oder ein Fall, den Stelljes erzählt: Eine alte Dame hatte einen letzten Wunsch. Sie wollte noch einmal schön einkaufen gehen. Man ging nach Herzenslust shoppen. Die Dame kaufte sich Sachen für ihre Küche – obwohl sie sie nicht mehr nutzen würde. Aber das war egal. Stelljes: „Es war ein schöner Nachmittag.“ Und das zählt.

Neuer Blick auf das Leben

Am Ende des Lebens wird manches ausgesprochen, was Jahrzehntelang wie eine Eisenkugel an der Seele des Sterbenden hing. Sachen, die man nicht mit ins Grab nehmen will. „Die Menschen erzählen manchmal Dinge, die vielleicht nicht einmal die Familie weiß“, sagt Stelljes. Das ist okay, die Hospizbegleiter haben Schweigepflicht. „Ich werde oft gefragt: Warum tust Du Dir das an?“ Stelljes muss nicht lange grübeln: „Man bekommt einen ganz anderen Blick auf das Leben.“ Aber der Satz ärgert sie – „der ist so alt, so ausgelutscht, das kann man auch so schnell dahinsagen.“ Aber es sei der einzige Satz, der stimmt.

„Was man wiederbekommt, ist mit Geld nicht aufzuwiegen“, sagt Meinken. Neben viel Dankbarkeit erfahre man unmittelbar, dass das, was man getan hat, gut war. Dass man für eine Weile für einen Menschen ein wichtiger Begleiter war bei einem großen Abenteuer: dem Lebensende.

Info-Abend am 25. Januar

Ein Info-Abend über den Kurs zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung findet am Donnerstag, 25. Januar, statt. Beginn ist um 18.30 Uhr in der Mühlenstraße 112. Der Kurs, der von März und November an Wochenenden und Donnerstagabenden stattfindet, umfasst insgesamt 100 Stunden. Kursbeginn ist am 16. und 17. März.


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