Keine Haftbefehle erlassen Nach Straftaten in Delmenhorst weiter auf freiem Fuß

Die Staatsanwaltschaft muss in jedem Fall sehr genau abwägen, ob ein Haftbefehl angemessen und durchsetzbar sein könnte. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaDie Staatsanwaltschaft muss in jedem Fall sehr genau abwägen, ob ein Haftbefehl angemessen und durchsetzbar sein könnte. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Delmenhorst. Sowohl der 18-Jährige, der am Samstagabend einen Supermarkt an der Konrad-Adenauer-Allee überfallen hat, als auch der 19-Jährige, der am Samstag gegen 0.40 Uhr einen Mann mit einem Messer schwer am Bein verletzt hat, sind wieder auf freiem Fuß.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat in beiden Fällen davon abgesehen, einen Untersuchungshaftbefehl zu beantragen, wie deren Pressesprecher Torben Tölle auf Nachfrage mitteilte.

Keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr

Dass die mutmaßlichen Täter nicht in Gewahrsam bleiben mussten, hat bei etlichen Nutzern des dk-Facebook-Auftritts bereits Unverständnis ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft stellt indes betont sachlich fest: „Beide Tatverdächtige waren weder einschlägig vorgeahndet, noch konnten jeweils Anhaltspunkte für eine Flucht- oder Verdunklungsgefahr angenommen werden.“ Es liegt demnach etwa ein fester Wohnsitz vor. In beiden Fällen hätten verschiedene Dezernenten festgelegt, dass die erforderlichen Haftgründe nicht vorlagen.

Gesetz spricht von Heranwachsenden

„Zudem handelte es sich bei beiden Tatverdächtigen um Heranwachsende“, so Tölle. „Das heißt, sie waren zum Zeitpunkt der ihnen jeweils zur Last gelegten Straftaten noch keine 21 Jahre alt.“ Für die beiden jungen Männer werde im Zuge einer späteren Hauptverhandlung mutmaßlich Jugendstrafrecht angewendet. „Auch dies war im Rahmen der Überlegungen im Hinblick auf die Beantragung eines Haftbefehls zu berücksichtigen“, so der Staatsanwalt.

Hohes Strafmaß für erwachsene Täter

Für eine gefährliche Körperverletzung sieht das Gesetz im Fall der Verurteilung eines Erwachsenen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Eine räuberische Erpressung in einem besonders schweren Fall, wie der Überfall des Supermarktes, wird bei einem Erwachsenen mit einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet, wobei hier laut Tölle zu berücksichtigen wäre, dass die Tat im Versuchsstadium stecken geblieben ist.

Jugendstrafrecht verfolgt Erziehungsgedanken

Aufgrund des Alters der beiden Tatverdächtigen könnte eine Jugendstrafe ausgesprochen werden, bei der der Erziehungsgedanke zugrunde liegt. Eine konkrete Strafandrohung für den Fall einer Verurteilung auf dieser Basis gibt das Gesetz laut Tölle nicht her.


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