Premiere von „De Nervbüdel“ in Delmenhorst Auftragsmörder mit motorischen Störungen

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Delmenhorst. Lässt sich ein eiskalter Auftragskiller tatsächlich von einem liebeskranken Tollpatsch abhalten, sein Ziel zu eliminieren? Die Antwort auf diese Frage lieferte am Samstagabend im Kleinen Haus das Niederdeutsche Theater Delmenhorst (NTD) in seinem neuen Stück „De Nervbüdel“. Und sie lautet: Ja. Aber das „Wie“ ist das eigentlich Schöne an der ganzen Geschichte.

Ein Kronzeuge soll bei einem aufsehenerregenden Prozess aussagen. Klare Sache, dass die Unterwelt was dagegen hat. Ihr Mann Ralf (Torsten Wieting) soll den Zeugen aus dem Leben schießen. Dafür quartiert er sich in einem Hotel ein – in ein Zimmer mit bestem Blick auf den Justizpalast, in dem die Verhandlung stattfindet. Ralfs Handgriffe, als er sich das Schießeisen zusammenbaut, sind souverän. Der Mann weiß, was er tut. Doch jegliche Souveränität bröselt dahin, als er Bekanntschaft mit seinem wehleidigen Zimmernachbarn Hans-Dieter Spitzek (Andreas Giehoff) macht. Spitzek will in der Stadt eigentlich seine Frau Lisa besuchen, die ihn für einen anderen verlassen hat. Doch die lässt ihn links liegen und nicht für ein Treffen erweichen. Schnell legt sich der Verzweifelte selbst die Schlinge um den Hals. Den so Suizidgefährdeten findet schließlich der Hotelpage Willi (Franz Pache), der wiederum Killer Ralf um Hilfe bittet. Dieser will Spitzek nun Mitgefühl zuteilwerden lassen, daran scheint es ihm ja zu mangeln – und schließlich soll der Page ja nicht die „Bullen“ rufen, die wiederum das Tagwerk des Killers vereiteln könnten.

Auftragsmörder wird in Liebesdrama verwickelt

Die Begegnung hat Folgen. Denn auch gestellte menschliche Wärme reicht Spitzek aus, um sich einmal gründlich auszuheulen. Er lässt seinen neuen „Freund“ nicht mehr los und schnell ist Killer Ralf heillos in Spitzeks Liebesdrama verwickelt – und kommt auch nicht mehr davon los. „Was hast du denn Wichtigeres zu tun als ein Menschenleben zu retten?“, fragt Spitzek durch die Tür, als Auftragsmörder Ralf mal wieder im Nebenzimmer sein Gewehr auf sein Ziel anlegt – und es doch wieder unterm Bett verstaut (der übrigens häufigste Handgriff in diesem Stück), um sich um den nervigen Nachbarn zu kümmern, damit dieser nicht etwas Dummes tut und so die Polizei anlockt.

Stück mit viel Klamauk

Regisseur Markus Weise inszeniert das plattdeutsche Stück mit viel Klamauk – und das ist im besten Sinne positiv gemeint. Die 300 Premierenbesucher sind an mehreren Stellen nicht mehr zu halten. Beispielsweise, als Spitzek sich mit dem Neuen seiner Frau im Hotelbett prügelt und Ralf es parallel dazu mit einem Polizisten zu tun bekommt. Als beide ihren jeweiligen Kontrahenten ausknocken und erschöpft über ihn zusammensacken, tritt zufällig Page Willi in das jeweilige Zimmer. Vier Männer beim Techtelmechtel? So viel Schlüpfrigkeit gefällt.

Killer mit motorischen Störungen

Mit vielen Lachern quittiert das Publikum auch die Szenen, in denen Killer Ralf mit motorischen und sprachlichen Störungen zu kämpfen hat. Denn dieser hat zwischenzeitlich eher unbeabsichtigt Medikamente gespritzt bekommen. Bei allen Verwirrungen ist besonders Markus Flügger zu bewundern. Dieser spielt den Neuen von Spitzeks Frau Lisa, Dr. Edgar Wolf. Mal wird er gezerrt, mal angeschrien, mal umhergestoßen – diese Rolle ist wahrlich nicht zu beneiden. Herrlich ist auch, wie Andreas Giehoff den selbstmordgefährdeten, besserwisserischen und am Ende doch irgendwie wieder lebensfreudigen Oberquerulanten Spitzek mimt.

Weitere Termine im Kleinen Haus sind am 27. Januar, 1., 2. 3., 9., 16., 17., und 23. Februar jeweils ab 20 Uhr sowie am 28. Januar und 11. Februar ab 15.30 Uhr. Vorbestellungen sind bei der Konzert- und Theaterdirektion unter (04221) 16565 möglich.


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