Einigung mit Investoren naht Delmenhorster Linoleumwerk vor der Rettung

Aufatmen an der Ludwig-Kaufmann-Straße: DLW-Werk mit seinen 270 Arbeitsplätzen. Foto: Melanie HohmannAufatmen an der Ludwig-Kaufmann-Straße: DLW-Werk mit seinen 270 Arbeitsplätzen. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Das insolvenzbedrohte Linoleumwerk DLW in Delmenhorst steht womöglich noch im Januar vor der Rettung – mitsamt seiner 270 Arbeitsplätze. Laut einer Mitteilung steht eine endgültige Einigung mit einem Investor kurz bevor.

Das insolvenzbedrohte Linoleumwerk DLW in Delmenhorst steht womöglich noch im Januar vor der Rettung – mitsamt seiner 270 Arbeitsplätze. Laut einer Mitteilung von Donnerstagabend, 11. Januar 2018, steht eine endgültige Einigung mit einem Investor kurz bevor.

Der Wortlaut der Pressemitteilung: Nachdem das zuständige Amtsgericht zum 1. Januar das Hauptverfahren der DLW Flooring als Verfahren in Eigenverwaltung eröffnet und damit das Sanierungsverfahren bestätigt hat, geht der bereits kurz nach Antragsstellung Mitte Oktober eingeleitete Investorenprozess in seine entscheidende Phase. Hier kann es nach jetzigem Stand gelingen, den Standort in Delmenhorst sowie alle dortigen 270 Arbeitsplätze sowie weitere Arbeitsplätze an anderen Standorten zu sichern. Entsprechende verbindliche Angebote liegen vor und werden derzeit mit den potenziellen Investoren verhandelt. Hier zeichnet sich bereits zeitnah eine finale Einigung mit einem namhaften strategischen Investor ab. Die endgültige Vertragsunterzeichnung wird noch im Januar erwartet. Zudem laufen noch Verhandlungen über den Verkauf von einzelnen Produktionsbereichen der DLW Flooring.

Bietigheim-Bissingen schließt

Für den Standort Bietigheim-Bissingen gibt es dagegen kein Angebot eines Investors, nachdem ein Interessent für diesen Standort abgesprungen ist. „Die Gespräche mit dem Interessenten waren bereits weit fortgeschritten“, sagt Hans-Norbert Topp, Vorsitzender der Geschäftsführung der DLW Flooring. Kurzfristig hatte der international tätige potenzielle Investor dann allerdings überraschend seinen Rückzug erklärt. „Wir haben für den Standort Bietigheim-Bissingen alles versucht. Ohne Investor aber ist die Standortschließung nicht zu vermeiden“, sagt Topp. Der Standort in Bietigheim-Bissingen hat durch fehlendes Investoreninteresse keine Perspektive mehr und schreibt seit Jahren hohe Verluste. Eine Fortführung des Geschäftsbetriebs ginge zu Lasten aller Gläubiger. „Das ist aus rechtlicher Sicht nicht zulässig“, erläutert der Geschäftsführer. Derzeit organisieren die Verantwortlichen eine Ausproduktion, um vorhandene Aufträge abzuarbeiten und Bestände zu verarbeiten.

190 Arbeitsplätze fallen weg

Da es somit keine Angebote für eine Gesamtlösung gibt und auch keine Angebote alleine für den Standort Bietigheim-Bissingen, muss dieser Standort geschlossen werden. 190 Beschäftigte in Bietigheim-Bissingen müssen aus insolvenzrechtlichen Gründen ab dem 15. Januar 2018 freigestellt werden. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben werden darüber hinaus kurzfristig Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich und Sozialplan geführt. Danach müssen die Kündigungen ausgesprochen werden. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben weiterhin beschäftigt und sorgen für eine geordnete Abwicklung der Arbeiten am Standort Bietigheim-Bissingen.

Grundvertrauen fehlt

Sanierungs-Geschäftsführer Hans-Norbert Topp, der vor knapp einem Jahr berufen wurde, gibt vor allem zwei Gründe für das mangelnde Interesse am Standort Bietigheim-Bissingen an. „Es fehlte knapp 3 Jahre nach der ersten Insolvenz das Grundvertrauen in das Unternehmen. Und: Die erst vor etwa einem Jahr eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zeigten zwar gute Erfolge, wie alle Seiten bestätigten, sie kamen aber zu spät. Die notwendigen Investitionen an diesem Standort waren den Investoren zu riskant.“ Das zeigte sich in den Gesprächen mit den meisten der mehr als 40 Interessenten, welche die Zahlen und Daten der DLW Flooring intensiv geprüft hatten. Für die Verantwortlichen der DLW Flooring geht es jetzt darum, im Interesse aller Gläubiger die vorhandenen Werte am Standort Bietigheim-Bissingen bestmöglich zu vermarkten. „Nur wenn wir kurzfristig möglichst viel Insolvenzmasse erzielen, können wir den Schaden der Gläubiger und damit auch den der Beschäftigten möglichst gering halten“, sagt Topp. „Obwohl die Beschäftigten alles getan haben, um eine erfolgreiche Sanierung möglich zu machen, gibt es leider ohne Investor für den Standort Bietigheim-Bissingen keine Perspektive. Ich bedanke mich bei der Belegschaft für ihren Einsatz und bin davon überzeugt, dass die Beschäftigten aufgrund ihrer guten Qualifikationen und ihrer hohen Motivation schnell neue Arbeitsplätze finden.“

Über die Sanierung

DLW Flooring befindet sich seit über einem Jahr in einem umfangreichen Sanierungsprozess. Der Prozess kam schnell voran und zeigte gute Erfolge, insbesondere in der Effizienz, in optimierten Produkten sowie im Vertrieb. Die Geschäftsführung hatte Mitte Oktober beim zuständigen Amtsgericht ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, da ein kurzfristig aufgetretener Liquiditätsengpass nicht ausgeglichen werden konnte. Die Verantwortlichen nutzen so die vom Gesetzgeber geschaffenen Möglichkeiten, den eingeschlagenen Sanierungsweg zu verstärken. Aufgrund des initiierten Verfahrens beauftragte das Unternehmen zudem für die Eigenverwaltung die renommierte bundesweit tätige und auf Sanierungen spezialisierte Sozietät Wellensiek. Dies vor allem, um den berechtigten Belangen der Gläubiger Rechnung zu tragen und ihnen mit dem Partner Patric Naumann einen erfahrenen Sanierungsexperten als Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. Das Amtsgericht stellte dem Unternehmen ergänzend mit Rechtsanwalt Dr. Tibor Braun aus Stuttgart zunächst einen vorläufigen Sachwalter und mit Verfahrenseröffnung zum 1. Januar 2018 einen Sachwalter zur Seite, mit dem die Geschäftsführung und Wellensiek eng zusammenarbeiten.


Die DLW Flooring GmbH hat ihren Stammsitz im süddeutschen Bietigheim-Bissingen. Das Unternehmen steht seit über 130 Jahren für hochwertige und innovative Bodenbeläge für Bauvorhaben zum Beispiel im Gesundheits- oder Bildungswesen, für den Ladenbau, Büros oder Hotels. Unter der Muttergesellschaft Armstrong ging das Unternehmen 2014 in die Insolvenz und wurde dann an den niederländischen Investor Fields verkauft. Mit etwa 730 Beschäftigten erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von rund 133 Millionen Euro. Während in dem Werk am Stammsitz vor allem PVC und Vinyl produziert wird, stellt DLW in Delmenhorst in erster Linie Linoleum her. Es ist das einzige Linoleum-Werk in Deutschland. Mehr Informationen: www.dlw.de

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