Neue Eigenheime oder Naturschutz Delmenhorst streitet um geplante Neubaugebiete

Es geht um mehr als hundert Bauplätze und Wohnungen, aber auch um Natur- und Bürgerinteressen: Der Rat steht vor Entscheidungen zu den strittigen Baugebieten Heidkamp und Langenwisch. Symbolfoto: Colourbox.deEs geht um mehr als hundert Bauplätze und Wohnungen, aber auch um Natur- und Bürgerinteressen: Der Rat steht vor Entscheidungen zu den strittigen Baugebieten Heidkamp und Langenwisch. Symbolfoto: Colourbox.de

Delmenhorst. Es geht um mehr als hundert Bauplätze und Wohnungen, aber auch um Natur- und Bürgerinteressen: Der Rat steht vor Entscheidungen zu den strittigen Baugebieten Heidkamp und Langenwisch.

Die Stadt will in den Ortsteilen Stickgras und Bungerhof zwei jeweils knapp zwölf Hektar große, allerdings heftig umstrittene Neubaugebiete vorantreiben: Während für eine Fläche an der Langenwischstraße nach jahrelanger Kontroverse ein endgültiger positiver Beschluss erfolgen könnte, geht es bei einem Gelände am Heidkamp/Stedinger Straße erst um einen ersten Schritt für einen Bebauungsplan. In beiden Fällen gehen vor allem Naturschützer und teilweise auch direkte Anwohner und Eigentümer auf die Barrikaden gegen die potenziellen Bauflächen.

Hier soll ein großes Neubaugebiet im Delmenhorster Stadtteil Bungerhof entstehen: Fläche in Höhe der Grundschule an der Stedinger Straße (rechts) zwischen Hermann-Allmers-Weg und Heidkamp. Die Pfeile zeigen die möglichen Wohnstraßen an. Grafik: Stadt Delmenhorst

Stadtrand hat hohe Bedeutung

Die Stadt hält dagegen: Der Entwicklung neuer Baugebiete am Stadtrand komme „eine hohe Bedeutung zu“. Dem statistisch belegten Fortzug Delmenhorster Bürger in den Landkreis Oldenburg könne mit gezielten Stadtentwicklungsmaßnahmen begegnet werden. Die Bereitstellung „ attraktiver und hochwertiger Wohngebiete für die Zielgruppe Einkommensstärkerer und Familien ist unabdingbar, um dem Wettbewerb mit den Nachbargemeinden standhalten zu können.“ Die Stadt verweist auch auf eine Warteliste mit rund 400 interessierten Käufern von städtischen Baugrundstücken.

Innerhalb Siedlungsflächen

Auch dem Hauptargument der Baulandgegner in Stickgras und Bungerhof, die geplanten Eigenheimgebiete lägen im Außenbereich und müssten als wertvolle Natur- und Biotopflächen erhalten bleiben, widerspricht die Stadt: Beide Plangebiete befinden sich danach innerhalb eines besiedelten Bereiches, in dem alle notwendigen Infrastruktureinrichtungen vorhanden seien. Die nähere Umgebung sei vorwiegend durch Wohnbebauung geprägt. In unmittelbarer Nähe lägen die Grundschulen Bungerhof beziehungsweise Stickgras sowie der evangelische Kindergarten St. Martin beziehungsweise die Kita Langenwisch. Auch die Verkehrsanbindung sei jeweils „sehr günstig“ urteilt die Verwaltung. In Bungerhof sei über die Stedinger Straße die Innenstadt sowohl mit dem Auto als auch mit dem Bus optimal zu erreichen. Ebenso bestehe eine optimale Verkehrsanbindung in Richtung Güterverkehrszentrum Bremen. In Stickgras gelte das gleiche in Richtung B75 und A1.

Nabu und Initiativen fordern Schutz der Flächen

Der Naturschutzbund fordert Rat und Verwaltung auf, keine Freiflächen in Stadtrandlage zu bebauen und Pflanzen, Tiere, Klima, Landwirtschaft und Naherholung zu schützen. In Langenwisch müsse zudem eine Fachaufsichtsbeschwerde wegen der drohenden Zerstörung einer geschützten Moorfläche abgewartet werden. Die Bürgerinitiativen „Am Heidkamp“, „Menkens Moor“, „Neuenbrücker Weg“ und „Schilfweg“ haben unterdessen nach ihren Angaben rund 900 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die gegen eine Bebauung in Langenwisch und am Heidkamp protestieren. Die Listen sollen dem Planungsausschuss in dessen Sitzung am 16. Januar (17 Uhr öffentlich im Rathaus) übergeben werden.


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