Rückgang um 17 Prozent Ausbildungsstellen in Delmenhorst gehen deutlich zurück

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Weniger Stellen, weniger Auszubildende: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Ausbildungsstellen um 17 Prozent geschmolzen. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber. Als Grund nennen die Kammern den demografischen Wandel – und den Trend zum Abitur. Die IHK fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik. Symbolfoto: Sven Hoppe/dpaWeniger Stellen, weniger Auszubildende: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Ausbildungsstellen um 17 Prozent geschmolzen. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber. Als Grund nennen die Kammern den demografischen Wandel – und den Trend zum Abitur. Die IHK fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik. Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa

Delmenhorst. Weniger Stellen, weniger Auszubildende: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Ausbildungsstellen um 17 Prozent geschmolzen. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber. Als Grund nennen die Kammern den demografischen Wandel – und den Trend zum Abitur. Die IHK fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik.

Zehntausende Ausbildungsstellen und Bewerber sind in den vergangenen Jahren weggebrochen: Mit dieser Nachricht erregte die Bertelsmann-Stiftung in den vergangenen Tagen Aufmerksamkeit, als sie ihre Studie „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ veröffentlichte. 80.000 Ausbildungsstellen, hieß es darin, sind zwischen 2007 und 2016 bundesweit verloren gegangen, zudem gab es 155.000 weniger Bewerber auf Ausbildungsplätze. Eine Entwicklung, die auch auf Delmenhorst zutrifft.

Bewerberzahlen in Delmenhorst um 15 Prozent eingebrochen

Nach Angaben der Agentur für Arbeit ist die Zahl der Bewerber für Ausbildungsstellen in Delmenhorst zwischen den Jahren 2008/09 und 2016/17 um 15 Prozent zurückgegangen. Wurden vor zehn Jahren 1022 Bewerber notiert, waren es im vergangenen Ausbildungsjahr nur noch 873. Im Landkreis Oldenburg ist der Rückgang weniger drastisch: Hier beträgt er rund zehn Prozent (von 1073 auf 970).

Landkreis trotzt bundesweitem Trend mit beeindruckender Zahl

Was den bundesweiten Rückgang an Stellen angeht, teilt Delmenhorst und sein Umfeld diesen Trend nur teilweise: Fast 400 Stellen wurden vor zehn Jahren in Delmenhorst gemeldet, im vergangenen Ausbildungsjahr waren es 333. Das entspricht einem Minus von 17 Prozent. Im Landkreis hingegen wuchs die Zahl der zu besetzenden Stellen von 504 auf 706 an – ein satter Anstieg um 40 Prozent.

(Weiterlesen: Ein Fünftel aller Flüchtlinge bricht vorzeitig Ausbildung ab)

Azubis aus Delmenhorst werden häufig zu Pendlern

Dass in Delmenhorst viel weniger Stellen angeboten werden, als es potenzielle Bewerber gibt, ordnet Claudia Zimmermann, Sprecherin der Agentur für Arbeit, so ein: „Eine hohe Zahl derer, die eine Ausbildungsstelle suchen, werden in Delmenhorst nicht fündig – entweder weil die verfügbaren Stellen nicht ihren Wünschen entsprechen oder sie für sie nicht geeignet sind – und pendeln darum ins Umland.“ Für diese Sichtweise spricht, dass entgegen dem Bundestrend im betrachteten Zeitraum die Ausbildungsstellen nicht nur im Landkreis, sondern auch in der Stadt Oldenburg (+178 auf 1525), in Bremen (+ 347 auf 3935) und im Landkreis Diepholz (+ 421 auf 1436) zugenommen haben. Delmenhorst ist in der gesamten Metropolregion eine der Kommunen, in der weniger Ausbildungen angeboten wurden. Den Zahlen ist auch zu entnehmen, dass es Firmen in vielen Kommunen in der Metropolregion zunehmend schwerer fällt, offene Stellen zu besetzen.

Chancen für Hauptschüler werden besser

Der Bertelsmann-Studie zufolge haben es Hauptschüler oder junge Menschen ohne Schulabschluss besonders schwer, eine Ausbildung zu erhalten: Nur 49 Prozent fanden 2015 bundesweit eine Ausbildung. Hierüber geben die Zahlen der Agentur keine Auskunft. Allerdings zeigen sie, dass in den vergangenen Jahren in der Metropolregion immer mehr Hauptschüler beworben haben (+1451 auf 6208). Zimmermann: „Das zeigt für uns, dass die Chancen für Hauptschüler heute deutlich besser sind als noch vor einigen Jahren.“ Die Ausnahme: Delmenhorst und Landkreis Oldenburg.

Delmenhorster Handwerk hält den Nachwuchs

Blickt man alleinig auf das Handwerk, das seit Langem um Bewerber buhlt, fällt auf, dass es ihm wenig anders geht, als anderen Bereichen: Um 14 Prozent sind die neuabgeschlossenen Lehrverträge laut Handwerkskammer in Oldenburg (HWK) in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen, das gilt für den Bezirk der örtlichen Kreishandwerkerschaft (318 Verträge 2017) sowie für den Kammerbezirk (2793). Auffällig ist: In Delmenhorst gelingt dem Handwerk deutlich besser, den Nachwuchs zu halten. 158 Ausbildungsverträge wurden 2007 abgeschlossen, zuletzt waren es 160. Im Landkreis hingegen sind im Zehnjahresvergleich deutlich sinkende Zahlen zu verzeichnen ( -80 auf 285).

Gesellschaftliche Alterung und Trend zum Abitur erschweren Suche nach Azubis

Die generelle Tendenz, dass es immer weniger Bewerber und Stellen gibt, begründet Agentursprecherin Zimmermann mit dem demografischen Wandel – und einem gestiegenen Interesse an höheren Schulabschlüssen. Das sieht die Handwerkskammer auch so: „Viele Jugendliche oder Eltern meinen Studieren zu ,müssen‘, um im Beruf erfolgreich zu sein“, sagt Wolfgang Jöhnk, Bereichsleiter Berufliche Bildung. Zudem sei das Image des Ausbildungsberufs ein wichtiges Entscheidungskriterium: „Hier haben zahlreiche Handwerksberufe allgemein Darstellungsprobleme.“ Jöhnk nennt zudem unzureichende schulische wie Qualifikationen der Bewerber als Hemmnis.

IHK: Fachkräftemangel wird sich verschärfen

Die Folge des Bewerber- und Stellenschwunds liegen für Heiner Paffenholz, Fachkräfteberater von der Industrie- und Handelskammer(IHK), auf der Hand: Der Fachkräftemangel wird sich noch verstärken – auch angesichts zu erwartender geburtenschwacher Jahrgänge bei gleichzeitiger Verrentungswelle. Die Kammern fordert darum, zunehmend auf Betriebe einzuwirken, damit sie sich wieder mehr für die Ausbildung einzusetzen. IHK-Berater Paffenholz hält gegebenenfalls Änderungen der in der Bildungspolitik für angebracht: „Abitur und ein Studium als allein glücklich machendes Bildungsziel zu propagieren, erscheint nicht mehr zeitgemäß.“


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