KAB-Empfang in St. Christophorus Becerra warnt vor Antisemitismus auch in Delmenhorst



Delmenhorst. Dass Feindseligkeiten gegen Juden auch in Delmenhorst zunehmen, hat der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde beim Neujahrsempfang der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in St. Christophorus betont. Rund 50 Gäste hörten zu.

Vor einer neuen Welle des Antisemitismus hat der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst Pedro Benjamin Becerra am Sonntag im Pfarrhaus der katholischen St. Christophorus-Gemeinde gewarnt – und klargestellt, dass es auch in Delmenhorst Feindseligkeiten gegenüber Juden gibt. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) St. Christophorus hatte Becerra als Festredner zu ihrem Neujahrsempfang eingeladen. Anschließend dankte ihm KAB-Präses Thomas Fohrmann vor rund 50 Gästen für „nachdenkliche, aber wichtige Worte“.

Antisemitische Vorfälle in Delmenhorster Schulen

Während es 2013 noch 1275 antisemitische Straftaten in Deutschland gegeben habe, seien es 2017 schon im ersten Halbjahr 681 angezeigte Delikte gegen Juden gewesen, berichtet Becerra. „93 Prozent davon werden von Rechtsextremisten begangen“, warnte das Oberhaupt der 176 Mitglieder starken jüdischen Gemeinde in Delmenhorst. Für Beispiele vor Ort müsse man nicht bis zur Schändung von 18 Gräbern auf dem jüdischen Friedhof an der Syker Straße im Juni 2012 zurückgehen, bedauerte der Festredner. „Es gibt antisemitische Vorfälle in Schulen, auf Tische gemalte Hakenkreuze“, sagte Becerra, „manche Kinder haben Angst, in der Schule offen zu sagen, dass sie Juden sind.“

Aufforderung an muslimische Vereine

Obwohl die Straftäter oft Rechtsextreme seien und beispielsweise die AfD in anderen Bundesländern offen antisemitische Slogans in ihren Reihen dulde, forderte Becerra auch die Verantwortlichen von muslimischen Vereinen auf, Verantwortung zu übernehmen und sich klar gegen Antisemitismus zu positionieren. „Schlimm ist, dass der Islamische Weg mitten unter uns in Delmenhorst gegen Israel und die Juden agitiert“, sagte Becerra und verwies auf einen Anti-Israel-Stand in der Fußgängerzone und antisemitische Äußerungen im Internet. Zum Glück beobachte der Verfassungsschutz die Gruppierung.

Einladung zu neuen Begegnungen

Um Antisemitismus vorzubeugen, wolle die jüdische Gemeinde aufklären und sich als moderne, aktive und offene Gemeinde zeigen, erklärte Becerra. Er dankte für die Chance, beim Neujahrsempfang im katholischen Pfarrhaus zu referieren, und lud umgekehrt zu Begegnungen in der Synagoge und öffentlichen Bibliothek an der Louisenstraße ein. „Solche neuen Begegnungen sind immer gut“, pflichtete ihm Pastoralreferent Thomas Fohrmann bei, „zumal Gottgläubige insgesamt immer mehr zur Minderheit werden“. Und er lud die rund 50 Gäste des KAB-Empfangs gleich zu einer weiteren Begegnung ein, mit dem neuen Küster von St. Christophorus Lutz Piernikarczyk.


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