Zwischennutzung für Lloydhof? Bremer Politik streitet über City Center

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Nicht viel los im Lloydhof – und laut der Bremer Wirtschaftsförderung standen auch für das Projekt City Center die potenziellen Mieter nicht gerade Schlange. Foto: Martin KowalewskiNicht viel los im Lloydhof – und laut der Bremer Wirtschaftsförderung standen auch für das Projekt City Center die potenziellen Mieter nicht gerade Schlange. Foto: Martin Kowalewski

Bremen. In einer Sondersitzung der Wirtschaftsdeputation und der Baudeputation wurde gestern zur Zukunft des Ansgari-Quartiers beraten. Die CDU will einen neuen Anlauf in Sachen City-Center.

Dem Lloydhof steht eine Phase der Zwischennutzung bevor. Nach Meinung der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und des rot-grünen Senats macht ein Neustart unter den gegebenen Umständen keinen Sinn. Andreas Heyer, hauptamtlicher Geschäftsführer der WFB, referierte noch einmal die von dem abgesprungenen Investor Sonae Sierra genannten Gründe für das Scheitern. Durch die entdeckten Leitungen reduzierte sich die zu vermietende Fläche. Es habe zudem kaum Mietanfragen gegeben. Das Marktumfeld in Bremen sei zu kritisch.

Heyer betonte, der Markt sei nicht zuletzt wegen des Online-Handels im Umbruch. Die laufenden Kosten für den Betrieb des Lloydhofs als auch die sechsstelligen Kosten des Verfahrens seien durch Mieteinnahmen gedeckt.

Gar nicht zufrieden mit der Einschätzung und der geplanten Zwischennutzung waren die Vertreter der CDU. Heiko Strohmann verwies auf Berichte des Handelsblattes und auch auf Studien, die zeigen würden, dass insbesondere sehr große Einkaufszentren Erfolg haben und in zahlreichen deutschen Städten entstehen würden. „Es ist nicht einzusehen, dass das überall klappt, nur in Bremen nicht“, so Strohmann. „Es ist auch nicht so, dass nur in Bremen die fortschrittlichen Internet-Kunden wohnen und anderswo die Hinterwäldler, die noch in Einkaufszentren gehen.“

Der Christdemokrat Thomas Röwekamp warf dem Senat vor, bei der Umsetzung des Projektes auf ganzer Linie gescheitert zu sein. „Das Projekt war zu diesem Preis zum Scheitern verurteilt. Wir haben immer gewarnt: Plant das nicht zu klein, kauft die Immobilie nicht zu teuer. Leider hatten wir recht.“

Kritik an der Sichtweise der CDU kam von den Regierungsparteien und der Linken. „Einfach darauf setzen, dass ein Einkaufszentrum funktioniert, wenn es ordentlich groß ist, klappt auch nicht immer“, sagte Maike Schäfervon den Grünen. „Unter einem CDU-Wirtschaftssenator wurde in Vegesack das Haven Höövt auf den Weg gebracht. Das ist heute insolvent.“

Der Linke Klaus Rainer Rupp betonte, dass auch seine Partei das Projekt stoppen wollte. „Die Konzepte verlangten einen Zuwachs an Kaufkraft, den die Reallöhne nicht hergeben konnten. Man hätte massiv Kaufkraft aus dem Umland abziehen müssen“, so Rupp. „Man muss jetzt analysieren, warum das Projekt in Bremen nicht funktioniert, statt in alle Welt zu gucken.“

Abgelehnt wurde ein Antrag der CDU zur zukünftigen Entwicklung des Ansgari-Quartiers. In diesem wurde vorgeschlagen, das Parkhaus Mitte zu einem Einkaufszentrum umzuwidmen und dafür Parkplätze im Lloydhof einzurichten. Die Straßen um das jetzige Parkhaus sollten zudem zu Fußgängerzonen werden, sodass ein Rundlauf entsteht. Lediglich die Vertreter der CDU votierten dafür. Die FDP enthielt sich.


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