"Herz Kraft Werke" 2019 in der ÖVB-Arena Sarah Connor begeistert Publikum bei Heimspiel in Bremen

Sarah Connor hat am Sonntagabend ihr Heimspiel-Konzert in der Bremer ÖVB-Arena gefeiert. Foto: Eyke SwarovskySarah Connor hat am Sonntagabend ihr Heimspiel-Konzert in der Bremer ÖVB-Arena gefeiert. Foto: Eyke Swarovsky
Eyke Swarovsky

Bremen. Wenn Sarah Connor in der Bremer ÖVB-Arena auftritt, dann ist das ein Heimspiel, ein Selbstläufer. Am Sonntagabend stand sie im Rahmen ihrer "Herz Kraft Werke"-Tour auf der Bremer Bühne und hielt das Versprechen, das sie zu Beginn des Abends machte.

"Das wird ein langer Abend", sagt die Delmenhorsterin zu Beginn des Abends. Und sie soll damit absolut recht behalten. Erst nach gut zweieinhalb Stunden entlässt sie ihr zufriedenes Publikum wieder aus der Halle, die mit 9500 Besuchern ausverkauft ist. 

Heimatgefühle in Bremen

Schon zum Start plaudert Connor entspannt mit dem Publikum im Innenraum und auf den Rängen. "Das ist Heimat hier, da verquatscht man sich schon mal", sagt die Sängerin, der man bei ihren Bremen-Konzerten wirklich abnimmt, dass echte Heimatgefühle bei ihr aufkommen. Das liegt nicht zuletzt auch an den zahlreichen Delmenhorstern im Zuschauerraum, auf die sie zwischendurch immer wieder kurz eingeht, sowie ihrer Familie und ihren Freunden auf dem Seitenrang. "Wenn ich hier spiele, ist der halbe Laden ja eh immer schon voll mit meiner Familie", sagt sie und erntet damit zahlreiche Lacher. 

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Einer der ersten Titel ist dann auch gleich "Kleinstadtsinfonie" von Connors neuem Album "Herz Kraft Werke". Man muss bei Gedichtinterpretationen in der Schule nicht extra gut aufgepasst haben, um zu verstehen, dass sie hier Delmenhorst besingt, ohne den Namen auch nur ein einziges Mal zu nennen. Das Publikum zeigt sich auch bei den neuen Titeln des erst Ende Mai erschienenen Albums sehr textsicher.

Extrem guter Sound in der ÖVB-Arena

Auffällig: Der Sound in der Halle ist an diesem Abend extrem gut ausbalanciert. Satte Bässe, klare Gitarren, dezente Streicher und eine überragend gut zu verstehende Sarah Connor. Neben der Protagonistin des Abends stehen und sitzen 20 weitere Personen mit auf der Bühne: die Band, drei Background-Sängerinnen, ein sechsköpfiger Gospelchor und ein Streicher-Sextett machen wirklich Eindruck, übertönen den kraft- und gefühlvollen Gesang Connors jedoch zu keinem Zeitpunkt. 

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Mit ihrem neuen Album ist die Ex-Delmenhorsterin und auch ihre Stimme noch einmal ein Stück reifer geworden. Sie positioniert sich, die Inhalte sind erwachsen und oft nachdenklich. Sie singt von AfD-Idioten und ihren Kindern, die bereits eine größere Vision haben. Sie singt in Bremen von Liebe zu ihrem Mann ("Keiner pisst in mein Revier") und ihren Kindern ("Unendlich) und gibt dem Publikum zu vielen Titeln auch gleich die Erklärung, wie sie entstanden sind. So habe sie die Geschichte von Ski-Olympiasieger Bode Miller, dessen zweijährige Tochter 2018 in einem Pool ertrunken ist, so sehr berührt und beschäftigt, dass daraus der Titel "Flugzeug aus Papier (Für Emmy)" entstanden ist. Als sie den Titel in der ÖVB-Arena ansetzt, muss sie kurz darauf abbrechen. Zu emotional ist die Situation für die Sängerin, die erst vor kurzem ihre Großmutter verloren hat, die sonst bei Bremen-Konzerten grundsätzlich im Publikum saß. "Ich brauche eure Unterstützung dafür", fordert sie das Publikum zum Mitsingen auf. 

Hier und da sieht man auch im Publikum Tränen über Wangen laufen, wenn Sarah Connor über diese schweren Themen oder auch ihre eigene Beerdigung singt. Sie scheint vielen aus der Seele zu singen. Sie trifft wunde Punkte und kitzelt sie da, wo sich das Wasser in den Augen sammelt. Ein Talent, das wahrlich nicht jeder Popstar besitzt. 

Ernste Titel im Fokus

Hatte die "Muttersprache"-Tour noch einen großen Fokus auf Action und Spektakel gesetzt, sind es diese ernsthaften Titel, die an diesem Sonntag im Zentrum stehen. Ihre alten Chart-Hits wie "Bounce", "From Zero to Hero" oder "Music is the key" verpackt der Popstar in ein Medley. "From Sarah with love" kommt in einem ganz neuen Gewand daher. Connor: "Das Lied habe ich an so vielen verrückten Orten auf dieser Welt gesungen, es ist mittlerweile auch erwachsen geworden."

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Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass ein Großteil des Publikum auf Connors aktuellen Hit "Vincent" wartet, in dem sie die Normalität der gleichgeschlechtlichen Liebe besingt. Nach ziemlich genau zwei Stunden setzen die ersten Töne des Songs ein und sehr viele der 9500 Menschen in der Halle rufen "Mama, ich kann nicht mehr denken. Ich glaub' ich hab' Fieber. Ich glaube ich will das nicht!" in Richtung Bühne. 

Vier Zugaben nach zwei Stunden Programm

Obwohl sie schon jetzt weit mehr abgeliefert hat, als heute auf Popkonzerten üblich, ist es damit noch nicht getan. Nachdem Connor und ihre Mitstreiter kurz die Bühne verlassen, hat das Publikum noch nicht genug und so schiebt sie noch drei Titel hinterher, bevor das rundum gelungene Heimspiel mit "Wie schön du bist" sein Ende nimmt. Ein Wechselbad der Gefühle, dass darin mündet, zufrieden und glücklich, aber keineswegs traurig nach Hause zu gehen. 

Foto: Eyke Swarovsky

Man kann von Sarah Connors Musik halten, was man will - vor der Leistung, die sie und ihre großartigen Mitmusiker auf der Bühne abliefern, muss man den Hut ziehen. Besser kann man es kaum machen. Chapeau, Sarah Connor!


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