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Schüsse, Schreie, Explosionen Riesige Anti-Terror-Übung am Bremer Hauptbahnhof

Von dpa

An einer großen Anti-Terror-Übung am Bremer Hauptbahnhof waren in der Nacht zu Freitag rund 1200 Einsatzkräfte beteiligt. Foto: dpaAn einer großen Anti-Terror-Übung am Bremer Hauptbahnhof waren in der Nacht zu Freitag rund 1200 Einsatzkräfte beteiligt. Foto: dpa 

Bremen. Explosionen, immer wieder Salven aus Maschinenpistolen, Schreie und Panik. So könnte das Szenario eines Terroranschlags aussehen, für den die Polizei in der Nacht auf diesen Freitag im Bremer Hauptbahnhof probte. Ein Ernstfall, den niemand erleben will.

Um 22 Uhr knallt es unmittelbar vor dem Bahnhof in Bremen. Drei schwer bewaffnete Maskierte schießen wahllos auf Passanten in der Halle. Es gibt Verletzte und Tote. Die Polizei erschießt einen der Attentäter, einen nimmt sie fest. Nach Minuten ist der Horror vorbei. Als "Alptraumlage" bezeichnete Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) das Szenario der Großübung, an der in der Nacht zum Freitag insgesamt 1200 Beamte der Bundespolizei und der Bremer Landespolizei teilnahmen. "Wir haben alle die Hoffnung, dass wir das nie in echt erleben."

Motto: "Stoppt das Töten, rettet Leben!"

Für die Aktion, die bis Freitag gegen 4 Uhr in der Früh dauerte, wurden Teile des Bahnhofs mit hohen Sichtschutzzäunen abgesperrt. Auf dem sogenannten Campus der Großaktion war die Bundeswehr im Schminkzelt im Einsatz. Dort wurden Polizeischüler zu Verletzten präpariert. "Einmal eine Kopfwunde", sagte einer der Soldaten und verpasste dem jungen Statisten per Knetmasse und roter Schminke eine klaffende Wunde an der Stirn, die heftig blutete. Auch offene Knochenbrüche und Schusswunden waren im Angebot. Es wurde viel gelacht, der Ton war robust. Doch später war die Situation mehr als ernst. "Stoppt das Töten, rettet Leben!" - lautete das Einsatzmotto.

Polizisten führen einen fiktiven Attentäter nach dem gespielten Anschlag ab. Foto: dpa

"Ziel solcher Übungen ist es, die Kollegen bestmöglich vorzubereiten und die Einsatzkonzepte so zu optimieren, dass im Falle eines Anschlages Schlimmeres verhindert werden kann", sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover, Martin Kuhlmann. Zehn solcher Übungen gab es bundesweit schon, unter anderem in Hannover, Berlin und Stuttgart.

"Wir leben in einer Welt, in der wir die Augen nicht verschließen dürfen"Ulrich Mäurer (SPD), Innensenator Bremen

Immer ging es darum, die Konzepte der unterschiedlichen Einsatzebenen und -beteiligten wie Bundespolizei, Länderpolizei, Feuerwehr, Spezialeinheiten auf Praxistauglichkeit abzuklopfen; und das unter möglichst realen Bedingungen. "Wir leben in einer Welt, in der wir die Augen nicht verschließen dürfen", betonte Mäurer, der auf Anschläge in Brüssel, London, Madrid und vielen anderen Orten verwies.

Gespieltes Chaos nach dem fiktiven Anschlag im Bremer Hauptbahnhof. Foto: dpa

Terroristen hätten in vielen Städten eine "Blutspur der Verwüstung" hinterlassen. Für Bremen gebe es keine konkrete Anschlagsgefahr, sagte der Senator. Aber sicher könne man nie sein. Die Großübung sah insgesamt vier Durchläufe á 45 beziehungsweise 60 Minuten vor. Der Bahnverkehr wurde nicht beeinträchtigt, obwohl auch einige Gleisanlagen für die Übung gesperrt wurden.

Damit Fahrgäste nach dem Halt in Bremen nicht vor Schreck wieder in den Zug stiegen und weiterfuhren, gab es nicht nur im Bahnhof, sondern auch im Zug Durchsagen, die auf die laufende Polizeiübung aufmerksam machten. "Es besteht keinerlei Gefahr", lautete der zentrale Satz der Durchsagen. Vor den Bahnhofshotels saßen derweil Gäste und Touristen entspannt und plaudernd draußen an Tischen. Sie bekamen wenig von der Aktion mit. Im Ernstfall wäre das anders.


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