Landwirtschaft in Delmenhorst Landwirt sieht sich Landschaftsschutz ausgeliefert

Meine Nachrichten

Um das Thema Bremen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Heinrich-Karl Albers, Frauke Wöhling, hinten Bernhard Wolff, Michael Adam und Hilmer Schwarting (von links) begutachten die Bestimmungen für das Landschaftsschutzgebiet Graft-Wiekhorn. Foto: Kai HasseHeinrich-Karl Albers, Frauke Wöhling, hinten Bernhard Wolff, Michael Adam und Hilmer Schwarting (von links) begutachten die Bestimmungen für das Landschaftsschutzgebiet Graft-Wiekhorn. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Die Ausweitung eines landwirtschaftlichen Betriebes wird schwieriger. Durch die Neuauflage eines Landschaftsschutzgebietes in Graft und Wiekhorn bei Delmenhorst braucht es künftig Sondergenehmigungen. Die Politik will helfen.

Das Landschaftsschutzgebiet Wiekhorn-Graftanlagen schränkt Landwirte ein. Das meint Hilmer Schwarting, Vorsitzender des Landvolkes Delmenhorst im Süden des Stadtgebietes. Er selbst steht dafür als Beispiel. Er würde gern seinen Hof um eine Güllehalle erweitern. Aber das kann er nicht mehr, ohne vorher eine Sondergenehmigung einzuholen. Nun hat er sein Problem Politikern der CDU geschildert. Sie wollen ihm helfen.

Flächen nicht groß genug

Schwarting, einer der wenigen Betriebe, die in dem Schutzgebiet liegen, will seinen Betrieb baulich erweitern. Das Schutzgebiet, dessen Status als Landschaftsschutzgebiet nun vom Stadtrat neu aufgesetzt werden soll, würde das theoretisch zunächst verhindern. Das Schutzgebiet erstreckt sich auf die gesamte Graft, einige Wiesen zwischen Schlutter und Brendel südlich der Autobahn, und einen lang gestreckten Arm westlich entlang des Schlutterwegs bis hin zum Holzkamper Damm. Darin liegt der Hof von Schwarting. Das Landschaftsschutzgebiet spart den Bereich seines Hofes samt einiger Randflächen aus. Aber die Randflächen sind nicht groß genug, dass er ein Güllesilo errichten könnte. „Andererseits wird uns Landwirten vorgeschrieben, wie viel Lagerraum wir vorhalten müssen“, sagt er. Und er brauche mehr Lagerraum sowie den Weg dorthin und den Platz für die Fahrzeuge.

Wohl und Wehe der Politik überlassen

„Eine Betriebserweiterung wäre möglich“, sagt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreisverbandes Oldenburg des Niedersächsischen Landvolkes. Er stöbert vor Ort zusammen mit Schwarting sowie den Christdemokraten Frauke Wöhler, Michael Adam und Heinrich-Karl Albers, die Schwarting eingeladen hat, die Unterlagen. „Aber Herr Schwarting müsste erst einen Antrag stellen – ist also dem Wohl und Wehe der politischen Ausschüsse überlassen.“ Als Landwirt sitze man dann „im Mauseloch und hat das Gefühl, man kommt nicht weiter“. Schwarting sagt es so: „Das sind Flächen im privaten Eigentum. Aber unterm Strich müssen wir erst fragen, was wir auf unseren eigenen Grundstücken machen dürfen.“

Hand in Hand mit der Politik

Auch Albers arbeitet sich durch die Papiere der Verordnungen für Landschaftsschutzgebiete. Ja, es sei erlaubt, Betriebe baulich zu erweitern, auch wenn ein neuer Bau dann in das Landschaftsschutzgebiet hineinragt. Aber dafür braucht es die Sondergenehmigung, und somit die Beratung in der Politik. „Mach eine Zeichnung. Dann kommst Du zu mir. Wir beantragen das. Das machen wir Hand in Hand“, sagt er, selbst etwas konsterniert über die Einschränkung, die das seit Jahren bestehende Landschaftsschutzgebiet nun bereitet. „Ich bin nicht ganz beruhigt“, sagt Schwarting, der letztlich eine politische Willensbildung über seinen Besitz herrschen sieht. „Wir nehmen die andere große Partei im Rat mit“, sagt Albers, „die werden sich dem nicht verschließen.“ Die zweite große Partei im Rat ist die SPD. Schwarting bleibt unruhig. Das könne jetzt klappen. Aber in zehn Jahren?


Die Verordnung für das Landschaftsschutzgebiet Wiekhorn-Graftanlagen wird derzeit erneuert. Die bisherigen Bestimmungen beinhalteten noch nicht die Naturschutz-Bestimmungen für Flora-Fauna-Habitat-Gebiete. Das Gewässersystem der Delme ist aber Teil des FFH-Gebietes „Delmetal zwischen Harpstedt und Delmenhorst“. Nach einem Ratsbeschluss aus 2017 werden nun die entsprechenden schärferen Bestimmungen eingerichtet. Der Rat entscheidet über die konkreten Veränderungen am 18. September.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN