„Ich steh’ einfach auf Holz“ Krumm & Nobel aus der Dümmer-Region holt alles aus Altholz heraus

Von Magnus Horn | 31.05.2022, 05:00 Uhr

Ob alte Balken, Weinpresse oder Schiffsanleger: Nico Meyer von krumm & nobel in Marl am Dümmer fertigt aus Altholz Designmöbelstücke. Im Interview spricht er über die Anfänge des Unternehmens und was die Arbeit mit Holz so besonders macht.

Wie bist du auf die Idee gekommen, aus altem Holz neue Möbel zu bauen?  

NICO MEYER: Ich glaube, das war 2017, da war ich bei einem Kumpel und der hatte ganz viel Holz herumliegen. So alte Fachwerkbalken. Er wollte sie eigentlich wegschmeißen, aber ich habe darin keinen Müll gesehen. Er hat mir die Balken dann geschenkt und ich habe angefangen, was daraus zu bauen. Unter anderem ein Bett, das auch heute noch bei mir steht.

Vorher hattest du also eigentlich wenig mit Holz zu tun?

MEYER: So viel nicht. Ich habe immer mal handwerklich gearbeitet, mein Vater ist Handwerker. Aber ich komme eigentlich aus der Werbung. In diesem Bereich habe ich zehn Jahre gearbeitet, auch bei vielen Start-ups wie Flixbus oder About You, und war viel in der Welt unterwegs.

Und jetzt am Dümmer.

MEYER: Genau, Hunteburg ist meine Heimat und ich bin eher durch einen Zufall zurückgekommen. Ich habe gemerkt, dass das nicht mehr der Beruf ist, für den ich brenne und war schon immer auf der Suche nach etwas, das ich selber machen kann, mit dem ich mein eigenes Unternehmen aufbauen kann.

Wie kam es dann letztlich zur Gründung von krumm & nobel?

MEYER: Ich habe nicht nur mein Bett, sondern immer mal wieder weitere kleine Sachen gebaut und diese haben den Leuten immer ganz gut gefallen, sodass ich meine Tätigkeit 2019 im Nebenerwerb angemeldet habe. Das wurde dann immer besser und größer und im Oktober letzten Jahres habe ich dann entschieden, nur noch das zu machen.

Bist du damit ganz alleine?

MEYER: Ich bin Einzelunternehmer, aber das kann man natürlich nicht alles alleine stemmen. Da bin ich meiner Familie und vielen Freunden dankbar, die tatkräftig unterstützen. Und dann arbeite ich vor allem mit Externen zusammen. Mit Jonas Knostmann zum Beispiel im Prinzip von Anfang an. Der macht eigentlich alles, was digital und online ist. Und dann habe ich mir so eine Art Mentor gesucht im Bereich Tischlern und bin bei einem auch mal drei, vier Monate mitgelaufen. Der hat mir viele Sachen gezeigt, einfach so, damit ich dieses Holzthema auch verstehe. Also wenn wir Aufträge bekommen, dann baut er mir die Sachen. Ich designe das, ich besorge das Holz, ich mache die Pläne usw., aber die Tischlerarbeit, die übernimmt er, weil er das einfach besser kann.

Du sprichst von Altholz – was kommt da in Frage und woher kommt es?

MEYER: Da gibt’s verschiedene Wege. Wir sind hier in Hunteburg, das ist ein Dorf. Hier sind viele Bauernhäuser, viele Fachwerkhäuser, die in keinem guten Zustand sind. Am Anfang habe ich die Leute einfach abgeklappert und gefragt, ob sie Holz haben. So bekam ich meinen ersten Balken, dann den zweiten und so wurden es immer mehr. Die alten Bauernhäuser haben alle auf den Dachböden alte Sargbretter liegen. Das sind richtig fette Eichenbohlen, die man sich früher weggelegt hat, um später daraus seinen Sarg bauen zu lassen. Das wurde dann irgendwann nicht mehr so praktiziert, aber jedes Bauernhaus hat noch diese Bohlen auf dem Dachboden. Wunderschönes Holz. Ich bin auch mal nach Wangerooge gefahren, habe dort Holz liegen sehen und die vom Hafen gefragt, was sie mit dem Holz machen. Dort bekomme ich jetzt auch regelmäßig etwas.

Also wird man altes Holz bei dir auf jeden Fall los?  

MEYER: Dadurch, dass ich jetzt ein wenig bekannter bin, rufen die Leute auch an oder schreiben mir. „Wir bauen ein Fachwerkhaus neu auf, willst du das Holz haben?“ Das ist super Holz für uns und wir sind sehr dankbar, wenn wir sowas bekommen können.

Wonach entscheidest du, welches Holz du verwenden kannst? Hast du Ausschlusskriterien?

MEYER: Das ist oft gar nicht so leicht zu entscheiden, weil das Holz oft schon eine Patina hat. Ganz oft ist das Holz ja in keinem guten Zustand, sondern liegt schon seit 30 Jahren auf einem Haufen. Dann muss man sich das angucken. Das Gewicht ist schonmal ausschlaggebend: ob das Holz noch kernig ist. Dann macht man das ein bisschen sauber und hobelt mal an einer Stelle, um zu schauen, wie es darunter wohl aussieht. Und dann habe ich mittlerweile einfach viel Erfahrung und versuche, in dem Holz schon etwas zu sehen. Wie sind die Äste gewachsen? Wie ist die Maserung?

Gibt es Holz, das du bevorzugst? 

MEYER: Ich arbeite fast ausschließlich mit Altholz. Und hier in der Gegend gibt es ganz viel Eiche: Alteiche, Wildeiche. Eichenholz bearbeite ich ganz viel, das macht Spaß und ich finde das Holz superschön. Ich arbeite auch gerne mit Nussholz. Die Möglichkeit habe ich aber ganz selten. Altes Nussholz zu finden, ist nicht einfach. Besonders im Bereich von Hafenbecken werden viele Tropenhölzer wie Bangkirei und Bongossi benutzt. Diese würde ich mir im Handel nicht kaufen, weil ich auf Nachhaltigkeit achte und es mir darum geht, den Kreislauf zu verlängern. Aber altes Tropenholz ist auch ein super Holz, super massiv, super hart. Für die Maschinen ist das dann nicht so toll, aber aus so einem Hafenpoller lassen sich super Bänke machen. Und sonst? Ach, ich steh einfach auf jedes Holz.  

Und deine Kunden, stehen die auch auf Holz? Worin liegen die Vorteile so einen Tisch oder ein anderes Möbelstück zu kaufen?

MEYER: Also, dass ich meiner Leidenschaft nun im Vollerwerb nachgehe, zeigt, dass ich auf jeden Fall daran glaube, dass die Geschäftsidee funktioniert. Natürlich ist es mit der Pandemie nicht leicht, ein Unternehmen zu gründen. Das birgt alles Gefahren und Risiken. Und eine Gründung ist natürlich auch kapitalintensiv, weil man Maschinen braucht und so weiter. Aber es gibt auf jeden Fall genug Leute, die diese Handwerksarbeit schätzen. Darum geht’s ja im Prinzip. Ich stelle kein einfach industriell hergestelltes Möbelstück her, bei dem man nicht auf die Ressourcen achtet. Sondern ein Möbelstück aus dem natürlichen Rohstoff Holz, das in Handarbeit gefertigt und für die Kunden individuell hergestellt wird. Das ist nicht für jedermann etwas, aber es gibt da draußen viele Menschen, die das wertschätzen - und es werden immer mehr.

Ein Aufwand, der sich im Preis sicherlich niederschlägt.

MEYER: Wenn man einen Tisch aus einem bekannten Möbelhaus nimmt und den mit einem von meinen vergleicht, dann ist der Möbelhaustisch vermutlich günstiger. Aber wenn der dann nach drei, vier Jahren nicht mehr gefällt, tut man ihn weg und kauft sich einen neuen. Schaut man aber nach einem Eichentisch und vergleicht den mit meinen Tischen, dann ist der gar nicht so viel günstiger. Und dass, obwohl er meistens nur aus furniertem Holz besteht, eigentlich Spanholz, wo nur eine ganz dünne Schicht echtes Holz draufgemacht ist. Wenn man einen Eichentisch bei mir holt und, sagen wir mal 2000 Euro dafür ausgibt, dann hält der, wenn man gut damit umgeht, 100 Jahre. 

Du hast die Ressourcen angesprochen. Inwiefern ist dir Nachhaltigkeit sonst wichtig?

MEYER: Ja, genau. Aber erstmal: Ich bin kein Freund davon, alles auf Nachhaltigkeit auszurichten. Das machen alle Unternehmen aktuell und – ich komme aus dem Marketing – für mich ist das meistens Greenwashing. Deswegen will ich das nicht groß in den Vordergrund stellen. Nichtsdestotrotz finde ich das Holz wunderschön und der Nachhaltigkeitsgedanke ist mir schon wichtig. Alles, was wir machen, ist aus meiner Sicht wirklich maximal nachhaltig. Wir nehmen altes Holz, verarbeiten das in Handarbeit, das wird von einem kleinen Team gemacht, alles wird in einem Umkreis von 30 Kilometern hergestellt. Sprich, für kein Möbelstück muss bei uns ein Baum gefällt werden. Strom beziehen wir über Solarenergie. Auch den Stahl für die Fußgestelle beziehen wir aus Deutschland.

Gibt es Möbel auch fertig zu kaufen oder stellst du alles individuell her?

MEYER: Prinzipiell entsteht jedes Stück auf Kundenwunsch. Aber gerade bei Möbeln wie Tischen oder Schränken will man diese ja mal gesehen und angefasst haben. Das heißt, wir haben bei uns Mustertische mit verschiedenen Oberflächen, Tischplatten und Füßen. Diese kann man auch vor Ort kaufen. Aber meistens ist es eher so, dass die Leute sagen, dass ihnen diese oder jene Tischplatte gefällt, aber sie lieber andere Füße und eine andere Größe haben möchten. Und so würfeln sie sich die Sachen dann ein bisschen zusammen. Unsere Halle ist relativ groß und das ganze Holz steht dort an den Wänden. Da kann der Kunde auch einfach hingehen und sich selbst seine Tischplatte aussuchen und sagen: So will ich das haben.

Und gleichzeitig sehen sie dabei, welchen Ursprung das Holz dabei hat.

MEYER: Genau, teilweise ist es unfertig und teilweise fertig. Wir haben da auch Balken stehen, wo noch die Nägel dran sind, und die etwas dreckig sind. Dann haben wir Balken, die vier Meter lang sind und 20 x 40 cm in der Breite haben, mit Nägeln und ohne. Und auch Bohlen bis hin zu fertigen Tischplatten. Da sind auch Schilder dran, auf denen ein paar Hintergrundinfos zum Holz zu lesen sind. Daher auch der Name krumm & nobel. Möbel mit Geschichte halt.

Mehr Informationen:

krumm & nobel – Möbel mit Geschichte

Haßlinger Str. 113, 49448 Marl

Email: info@krummundnobel.de

Telefon: 0152 563 287 72

Website: https://krummundnobel.de/

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