Es werde grün Fassaden- und Dachbegrünung sorgt für ein Stück mehr Lebensqualität

Von Magnus Horn | 03.06.2022, 05:00 Uhr | Update am 03.06.2022

Fassaden und Dächer voll mit grünem Blattwerk sehen nicht nur schön aus. Sie tragen darüber hinaus zu Wohlbefinden und besserem Klima bei. 

Einfach mal rein in die Natur, raus aus der Stadt. Dort wo Autos herumfahren und Gebäude an Gebäude steht und die Wärme sich nur so staut, fällt es manchmal schwer, sich wohlzufühlen und zu entspannen. In der Natur ist es etwas ruhiger, ein wenig bunter. Der Wunsch vieler Menschen nach mehr Grün und nach mehr Natur ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – kilometerweite Spaziergänge während der Corona-Lockdowns haben sicherlich dazu beigetragen. In der Stadt, wo eben auch viele Menschen wohnen und arbeiten, ist das aber nicht immer möglich. Grüne Oasen wie Stadtparks sind daher liebgewonnene Rückzugsorte. Mit Bäumen gesäumte Straßen machen zudem gleich ein viel freundlicheres Klima – im doppelten Sinn. Wer noch etwas mehr Grün in seinem alltäglichen Leben haben möchte, der setzt auf Fassaden- oder Dachbegrünung, ein Trend, der eigentlich gar kein Trend ist.

Begrünung nimmt an Bedeutung zu

Denn betrachtet man so manche mit Efeu oder anderem Blattwerk geschmückte Altstadtvilla, dann lässt sich vermuten: Die sieht schon seit Jahrzehnten so aus. Geht man noch weiter zurück, so waren Weinreben an Klostermauern durchaus beliebt. Doch durch den immer mehr in den Mittelpunkt gerückten Klimawandel hat das Thema Begrünung, Naturschutz und Klima eine gefühlt neue Dynamik und Wichtigkeit erhalten. Und so machen sich Stadtplaner und Immobilienbesitzende Gedanken darüber, wie man mehr Grün und Natur in unmittelbare Nähe bekommt. Hierbei spielen eben genau diese Fassaden- und Dachbegrünungen eine wichtige Rolle.

Intensiv oder extensiv? Die Dachbegrünung

Bei der Dachbegrünung unterscheidet man zwei Formen: die intensive und die extensive Begrünung. Bei der intensiven Begrünung stellt man quasi einen ganzen Garten aufs Dach. Laut der Gründachinitiative Essen können hier je nach Aufbau und Größe Rasen, Sträucher oder auch Bäume wachsen. Klar, dass dadurch das Gewicht pro Quadratmeter hoch ist (320-1200 kg/qm). Die Dachkonstruktion muss also entsprechend dafür ausgerichtet sein und eine Baugenehmigung sei erforderlich, wenn sich Personen dort aufhalten wollten, erklären die Experten.

Die extensive Dachbegrünung ist deutlich häufiger zu sehen. Auf kleineren Vorsprüngen oder Garagendächern kommen diese gern mal vor. Sie sind ein wenig pflegeleichter, da hier die Pflanzenschicht etwas naturnaher und flacher ist, etwa durch Moose oder diverse Sukkulenten. Letztere beispielsweise speichern Wasser sehr gut und Moose benötigen nur wenig Substratdicke, erklärt der Naturschutzbund (NABU). Das Gewicht pro Quadratmeter liegt bei etwa 60 bis 180 kg.

Grüne Fassaden

Doch nicht nur auf dem Dach, sondern auch an Gebäudewänden sind Begrünungen möglich. Ganz außergewöhnliche Konstruktionen gibt es weltweit, wo Architekten sich diese Form der Fassadengestaltung zunutze machen. Das CaixaForum in Madrid etwa besticht durch eine Außenwand, an der 15000 Pflanzen prangen. In Mailand gibt es Zwillingshochhäuser, die als „Bosco Verticale“ (Vertikaler Wald) bezeichnet werden. Hier finden an den zahlreichen Balkonen hunderte Bäume und an die 20.000 Pflanzen Platz.

Doch auch weniger pompös sind Fassadenbegrünungen möglich. Der NABU unterscheidet zwischen einer bodengebundenen und einer indirekten Fassadenbegrünung. Erstgenannte werden vor der Wand gepflanzt und schlängeln sich weitestgehend selbstständig an der Fassade hoch. Dabei gebe es zum einen Selbstklimmer wie Efeu, die sich „mit Hilfe von Kletterwurzeln oder mit Haftscheiben“ emporziehen. Sie nutzen auch Unebenheiten der Wand. Diese sollte den Experten zufolge bei diesem Vorhaben intakt sein, da die Pflanzen sich auch in Ritzen und Fugen verziehen können und durch das Wachstum dann Schäden anrichten könnten. Anders als die Selbstklimmer benötigen Gerüstkletterpflanzen ein paar Rankhilfen, damit sie sich in die richtige Richtung entwickeln und nicht „versehentlich die Regenrinne erwürgen“, so der NABU.

Bei der indirekten Fassadenbegrünung wachsen passende Obstsorten möglichst nah an der Wand. Auch Pflanzen, die von oben nach unten die Wände zieren sowie vor der Wand angepflanzte Stauden, Gehölze und sogar Bäume – bei ausreichend Platz – stellen weitere Möglichkeiten dar, sagen die Expertinnen und Experten des NABU.  

Sowohl bei der Fassaden- als auch bei der Dachbegrünung müssen im Vorfeld einige Dinge beachtet werden. Statiker etwa können die zusätzliche Traglast durch den Bewuchs einschätzen. Zudem hängt auch die Form des Daches davon ab, was in welcher Form möglich ist. Ob beispielsweise zusätzliche Wurzelschutzbahnen aufgebracht werden müssen und wie Drainageelemente einzusetzen sind. Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner wissen, welche Pflanzen sich gut für die Dachbegrünung eignen. Ob eine Genehmigung notwendig ist oder ob es Fördergelder gibt, könne man beim örtlichen Bauamt erfragen, rät das Internetportal dachdirekt.

Vorteile für Umwelt und Haus

Zunächst einmal tragen Pflanzen zu einem besseren Klima bei. Die Sonneneinstrahlung wird von der Begrünung weniger stark reflektiert, sodass wiederum weniger Hitze an die Umgebung abgestrahlt wird. Durch die entstehende kühlere Luft und die vorhandene heiße Luft von den Straßen entsteht eine gewisse Luftbewegung, „ein laues Lüftchen“, so der NABU. Gerade in eng bebauten Gassen, wo sich die Luft staut, eine angenehme Abwechslung.

Für Bewohnerinnen und Bewohner können die Begrünungen zudem positive Effekte auf die Heiz- und Energiekosten haben. Die Fassaden erhalten eine natürliche weitere Isolierschicht, die die Wände im Sommer weniger stark erhitzt und im Winter deutlich weniger stark abkühlt. Und Pflanzen generell binden Schadstoffe. Großzügig angelegte Grünflächen, ob nun auf dem Dach, an der Häuserwand oder durch innerstädtische Parks, binden Stickstoffdioxyd, Feinstaub und Schwefeldioxyd.

Darüber hinaus, so der NABU, werde die Lärmbelastung am Gebäude um bis zu zehn Dezibel gesenkt – ein weiterer Faktor für mehr Lebensqualität in der Stadt. Auch diverse Tiere profitieren von den Begrünungen. Der NABU erklärt, dass zum einen Vögel Möglichkeiten zum Nisten finden und zum anderen einige Kletterpflanzen Bienen als Nektarquelle dienen. Auch Schmetterlinge finden hier Nahrung.

Nachhaltigkeit findet in vielen Bereichen statt. Das wird in Zukunft nicht weniger werden. Energieeffizienz, Klima, Artenschutz und Wohlbefinden werden die Menschen weiter beschäftigen. Bei der Planung von Gebäudesanierungen, -neubauten oder städtischer Infrastruktur sind potenzielle Maßnahmen zur Begrünung zumindest eine Überlegung wert.

Hier geht es zurück zur Themenwelt.

Noch keine Kommentare