Kalender der Reiseideen 2023 Zwölf kleine Fluchten aus dem Alltag

Von Roswitha Bruder-Pasewald | 04.01.2023, 06:00 Uhr

Neues Jahr, neue Reisen - und die müssen nicht immer auf die Kanaren oder in die Karibik führen. Zwölf Ideen für Kurzurlaube zwischen Nordsee und Alpenvorland, eine für jeden Monat des neuen Jahres.

Um neue Energie zu tanken, braucht es nicht immer einen langen Urlaub. Oft genügt ein Wochenendtrip oder ein Tagesausflug, um den Akku aufzuladen. Und dafür finden sich in Deutschland reichlich interessante Möglichkeiten. Hier sind zwölf Tipps, die von Januar bis Dezember Abwechslung in den Alltag bringen.

Januar: Zu Chagall nach Frankfurt

Er gilt als Poet unter den Künstlern der Moderne: Marc Chagall, der wegen seiner Leidenschaft für farbenfrohe und fantasievolle Bilder bekannt wurde. Die Frankfurter Kunsthalle Schirn widmet dem Maler jüdischer Herkunft nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder eine große Ausstellung in Deutschland. Sie beleuchtet eine bislang weniger bekannte Seite seines Schaffens: die 1930er- und 1940er-Jahre, in denen sich seine Farbpalette angesichts der Bedrohungen seiner Zeit verdunkelte. „Welt in Aufruhr“ ist die Ausstellung überschrieben, in der es um Chagalls Bildsprache in Sachen Vertreibung, Verfolgung und Emigration geht. Für die Präsentation holte die Kunsthalle bedeutende Leihgaben aus vielen deutschen und internationalen Museen nach Frankfurt. Zu sehen ist die Schau noch bis zum 19. Februar.
Infos: Welt in Aufruhr, geöffnet dienstags sowie freitags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr. An Wochentagen kosten die Tickets für Erwachsene 14 Euro, an Wochenenden 16 Euro. Tickets können online gebucht werden. Online-Führung zu den Highlights der Ausstellung, sonntags, 17 Uhr.  Kunsthalle Schirn, Römerberg, 60311 Frankfurt, Tel. 069/2998820.

Februar: Biikebrennen an der Nordsee

Dem Frühling muss nachgeholfen werden. Das wissen die Friesen schon lange, weshalb sie sich jedes Jahr am 21. Februar überall an der Nordseeküste zum sogenannten Biikebrennen treffen. Die Leuchtfeuer, mit denen böse Geister vertrieben und die neue Saat geschützt werden sollen, sind einer der ältesten friesischen Bräuche und werden am Vorabend des Petritages gefeiert. Häufig werden zum Anzünden des Biikefeuers alte Weihnachtsbäume mit Zweigen zu großen Hügeln aufgetürmt, die anschließend angezündet werden. Auf den nordfriesischen Inseln und den Halligen gleicht das Feuerfest, das zum Immateriellen Kulturerbe zählt, einem Feiertag. Erleben kann man das Biikebrennen an vielen Orten entlang der Küste; manchmal werden zusätzlich Strohpuppen verbrannt oder das Fest wird gleich um einen weiteren Tag verlängert. Nach dem Event am Strand geht es zum Grünkohlessen mit Kasseler, Schweinebacke und Kartoffeln. Infos: Biikebrennen, am 21. Februar, beispielsweise in den Orten der Husumer Bucht, auf den Inseln sowie den Halligen. Die meisten Feuer werden gegen 18 Uhr entzündet.
Tourismus und Stadtmarketing Husum, Großstraße 27, 25813 Husum. Tel. 04841/89870.

März: Mandelwochen in der Pfalz

Hungrig nach einem rosaroten Blütenmeer? An der Deutschen Weinstraße in der Pfalz wird die Natur gut zwei Wochen früher als andernorts von südlicher Sonne geküsst. Im Windschatten des Pfälzerwaldes steigen die Temperaturen in den Weinbergen und Tälern rasch an. Und mit ihnen die Lebenssäfte in abertausend Mandelbäumen, deren erste Exemplare die Römer anpflanzten. So zart die Blüte auch ist - mit ihren rosafarbenen Wolken verwandelt sie die Landschaft von Bockenheim bis Schweigen-Rechtenbach in einen rosa blühenden Park. Der 100 Kilometer lange Pfälzer Mandelpfad, an dem alle möglichen Sorten wachsen, gibt den Weg vor. Seit dem Jahr 2010 gibt es zudem das „Rosa Leuchten“. Wenn der Tag zu Ende geht, erstrahlen berühmte Bauwerke wie das Deutsche Weintor oder das Hambacher Schloss in romantischen Rosa- und Pinktönen. Infos: Die Pfälzer Mandelwochen dauern von Anfang März bis Mitte April. Das Programm während der Mandelwochen umfasst Erlebnisfahrten zur Mandelblüte, Weinwanderungen und Mandelblütenfeste. Wer wissen möchte, wie weit die Blüten sich geöffnet haben, kann sich online auf der Internetseite mandelbluete-pfalz.de informieren.
Tourist Information Bad Dürkheim, Kurbrunnenstraße 21c, 67098 Bad Dürkheim. Tel. 06322/9354500.

April: Bundesgartenschau in Mannheim

Viel Grün, viel Geschichte und eine vielversprechende Zukunft: Am 14. April startet die Bundesgartenschau (Buga) in Mannheim, bei der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Rund um ein ehemaliges Militärgelände und den Luisenpark, wo es schon 1975 eine Buga gab, ist Mannheims neue grüne Lunge entstanden. Wo einst Militärfahrzeuge befüllt wurden, soll bis 8. Oktober ein Feuerwerk aus Veranstaltungen abgebrannt werden. 5000 Programmpunkte listet der Kalender für die 180 Tage dauernde Schau auf. Die Vergangenheit des Geländes als US-Kaserne beeinflusste das Konzept der Schau. Die Panzerlagerhalle dient jetzt als Eingangsareal, ein historisches Heizhäuschen wird zum i-Punkt-Grün mit Blick auf die neue Mitte mit ausgedehnten Wiesen und Panoramasteg. Erstmals fungiert eine Buga als Baumschule: Nach dem Event werden die 2023 Bäume über das gesamte Stadtgebiet verteilt angepflanzt. Infos: Die Buga in Mannheim hat vom 14. April bis zum 8. Oktober täglich geöffnet. Der Einlass an den Haupteingängen ist von 9 bis 19 Uhr. Die Tageskarte für Erwachsene kostet 28 Euro, 15- bis 24-Jährige zahlen elf Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre ist der Eintritt frei. Zwei-Tages-Karten kosten 43 bzw. 17 Euro. Bundesgartenschau Mannheim, Spinelliplatz 4, Gebäude 1585, 68259 Mannheim.

Mai: Japantag in Düsseldorf

Sie besitzt die größte japanische Gemeinde Deutschlands: die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf. 7000 Japaner leben dort und verleihen der Rhein-Metropole asiatisches Flair. Japanische und asiatische Kultur, Feste und Freizeitaktivitäten sowie die passende Gastronomie gehören in „Klein-Tokio“, wie die linksrheinischen Stadtteile Niederkassel und Oberkassel auch genannt werden, zum Alltag. Seit 2002 würdigen und feiern die dortigen Japaner ihre traditionell guten Beziehungen zu ihrer Wahlheimat mit einem Japantag. Dann kommen Hunderttausende Besucher zu den Oberkassler Rheinwiesen gegenüber der Düsseldorfer Altstadt, wo sie ein breitgefächertes Programm mit Bühnenshows und Mitmach-Aktionen erwartet. Für einen Tag - 2023 am 20. Mai - verwandelt sich die Rheinuferpromenade in eine Flaniermeile der japanischen Kultur. Zum Abschluss wird jedes Jahr ein Themenfeuerwerk gezündet, das größte japanische Feuerwerk außerhalb Japans. Infos: Japantag am 20. Mai 2023; Düsseldorf Tourismus, Benrather Straße 9, 40213 Düsseldorf, Tel. 0211/17202863.

Juni: Zur Kieler Woche an die Ostsee

Einmal Kapitän oder Matrose sein? Bei der Kieler Woche können Landratten in diese Rollen schlüpfen. Sie ist das weltgrößte Segelevent, bei dem sich viele Traditionsschiffe treffen. Die Windjammer mit geblähten Segeln sind nicht nur schön anzusehen, es gibt zahlreiche Angebote für Kurz-, Tages- oder Abendtörns. Ob Regatta-Begleitfahrt, Mitsegeln zur Windjammerparade, ein romantischer Segeltörn zum Feuerwerk oder im Olympiahafen Schilksee live das Geschehen auf dem Wasser verfolgen - es gibt viele Möglichkeit, die Kieler Woche vom Wasser aus zu erleben. Nur schnell muss man sein, denn die besten Plätze sind rasch ausgebucht. Stilecht wird der Besuch an der Ostsee mit einer Übernachtung unterm Sternenhimmel. Der erste und einzige Schlafstrandkorb an der Kieler Förde mit einem 1,20 Meter breiten Bett steht ab Anfang Mai am Hauptstrand in Heikendorf. Je nach Wind und Wetter lässt sich das Verdeck öffnen oder schließen. Unter der Woche kostet das Vergnügen 64 Euro pro Nacht, am Wochenende 74 Euro. Infos: Die Kieler Woche findet vom 17. bis zum 25. Juni statt. Auskunft: Kiel-Marketing, Andreas-Gayk-Str. 31B - Neues Rathaus, 24103 Kiel, Tel. 0431/679100.

Juli: Samba-Festival in Franken

Heiße Rhythmen, glitzernde Kostüme und viel nackte Haut: Wer echten Samba erleben möchte, nebst den passenden Tänzern und Musikern, muss nicht nach Rio de Janeiro fliegen. Was 1992 aus einer spontanen Idee und der Liebe zur Samba-Musik geboren wurde, ist heute ein Mega-Event in der fränkischen Kleinstadt Coburg. Es ist das größte Samba-Festival außerhalb der brasilianischen Metropole. Weit über 3000 Künstler und mehr als 200000 Besucher aus aller Welt zaubern brasilianisches Flair in die Coburger Innenstadt. Für drei Tage verwandelt sich die einstige Residenz der Coburger Fürsten in „Klein Rio“. Die Gruppen bieten ein buntes Programm und spielen oft bis nach Mitternacht im Wechsel auf verschiedenen Bühnen. Und das so prickelnd und authentisch, dass sich Ex-Fußballprofi Giovane Elber bei seinem Besuch nach eigenen Angaben fast wie zu Hause fühlte. Infos: Das Samba-Festival findet vom 14. bis 16. Juli statt. Sambaco GmbH, Rodacher Straße 44, 96450 Coburg, Tel. 09561/705370.

August: Barockfest in Gotha

Schon die Kulisse für das Barockfest in Gotha am 26. und 27. August ist wahrlich beeindruckend. Schloss Friedenstein, die Residenz von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, ist ein prächtiger Bau, der schon Napoleon beeindruckte. Seine Hochfürstliche Durchlaucht und seine Gemahlin Luise Dorothee lassen es sich nicht nehmen, samt Hofstaat beim größten Barockfest Mitteldeutschlands anwesend zu sein. Für Augen und Ohren wird viel geboten: Handwerker und Händler in historischen Gewändern, die auf dem Schlosshof und unter den Arkaden ihre Künste vorführen. Musik- und Tanzgruppen, die mit Flöte und Schalmei auf Zeitreise gehen; ein historisches Karussell sowie Kutschen und Reiter. Wer noch das richtige Beinkleid oder Wams für seinen Auftritt beim Barockfest sucht, findet es in Gotha im Kostümverleih. Ein Höhepunkt ist das barocke Feuerwerk am Samstagabend.
Infos: Das Barockfest in Gotha findet am 26. und 27. August statt. Die Tageskarte kostet voraussichtlich zehn Euro; die Zwei-Tages-Karte 15 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist der Eintritt frei.
Auskunft: KulTourStadt Gotha GmbH, Brühl 4, 99867 Gotha, Tel. 03621/510430.

September: Burning Airfield in Itzehoe

Es ist das Pyro-Event des Jahres: das Burning Airfield auf dem Flugplatz Hungriger Wolf in Itzehoe. Drei Jahre war coronabedingt Pause, 2022 gab es nur eine Lockdown-Version. Dafür wird das Festival 2023 auf zwei Tage ausgedehnt. Groß, laut und vor allem knallbunt soll die Feuerwerk-Show werden, „mit Effekten, die die Leute so bisher nicht gesehen haben“, verspricht der Veranstalter. Strahlende Augen sind garantiert angesichts des Funkenspektakels am nächtlichen Himmel zu fetziger Musik. Manche Raketen haben eine Steighöhe von 200 Metern und eine Ausbreitung von 150 Metern. Schon am Freitag gibt es Produktvorführungen und eine gigantische Show; das große, mehrminütige Feuerwerk, das einer speziellen Choreografie folgt, wird am Samstagabend gezündet. Ein weiteres Highlight ist die riesige Hangarparty. Wie bei einem Rockfestival besteht die Möglichkeit, in der Nähe des Geländes zu campen.
Infos: Burning Airfield am 15. und 16. September; Flugplatz, Hungriger Wolf, 25551 Hohenlockstedt.

Oktober: Festivals of Lights in Berlin

Lachende Gesichter, leuchtende Augen, dafür steht seit 2005 jedes Jahr im Herbst das Berliner Festival of Lights. Wenn die Hauptstadt zur großen strahlenden Bühne wird und 35 Monumente, Gebäude und Plätze zu Stars werden, dann erleben Einheimische und Besucher Magie. Die abendlichen Lichtinstallationen schenken Momente des Innehaltens und der Freude. Viele Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor, Schloss Charlottenburg und der Fernsehturm, aber auch der Potsdamer Platz und das Nikolaiviertel werden jeden Abend effektvoll in Szene gesetzt. Besonders beeindruckend sind jedes Jahr die Lichtkunst-Installationen auf dem Bebelplatz. Dort können Besucher die farbenfrohen und auf die Gegebenheiten abgestimmten Lichtkunst-Projektionen von drei Seiten auf sich wirken lassen. Der genaue Termin des Festivals of Lights steht noch nicht fest. Der Eintritt ist frei. Infos: Festival of Lights, Berlin Tourismus & Kongress, Am Karlsbad 11, 10785 Berlin, Tel. 030/25002333.

November: Bademekka vor den Toren Münchens

Etwas Warmes braucht der Mensch - vor allem, wenn es draußen kalt und schmuddelig ist. Dann kommen eine Sauna oder ein Dampfbad gerade recht. In der Therme Erding nordöstlich von München - dem größten Spaßbad der Welt mit knapp zwei Millionen Besuchern jährlich - gibt es viele solcher Schwitzkammern. Wie wäre es beispielsweise mit einer Russischen Banja, einem traditionellen Alpenstadl oder einer Tropensauna mit exotischem Interieur? Unter echten Südseepalmen sind graue Novembertage weit weg, dafür sorgen auch die 24 Pools und die 27 Wasserrutschen, die es zusammen auf 2,7 Kilometer Länge bringen. Die Magic Eye ist mit 365 Metern die längste Röhrenrutsche der Welt. Ganz mutige Zeitgenossen wagen sich an die 18 Meter hohe Big Wave im Außenbereich. Wer dann müde ist, gönnt sich eine Übernachtung im benachbarten Hotel, wo man sich wie auf einem Großsegler oder auf einer luxuriösen Yacht fühlt. Infos: Therme Erding, Thermenallee 1, 85435 Erding, Tel. 08122/5500. Wer alles erleben möchte, zahlt für die Tageskarte 54 Euro, samstags, sonntags, an Feiertagen sowie in den Ferien 59 Euro.

Dezember: Weihnachtsmarkt unter Tage

22 Kilometer Weinkeller liegen unter den Straßen und Häusern von Traben-Trarbach. Um 1900 war das Moselstädtchen nach Bordeaux die zweitgrößte Weinhandelsmetropole Europas. Sieben dieser Weinkeller verwandeln sich an den Wochenenden im Advent in Weihnachtsmärkte. Schon beim Betreten der teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammenden Keller strömt den Besuchern der Duft von Glühwein, gebrannten Mandeln und Tannengrün entgegen. Im stimmungsvollen mystischen Halbdunkel der „Vinotropolis“ werden Dekoartikel, kulinarische Spezialitäten, Produkte rund um Wein und Wellness, Antikes sowie kreatives Mode- und Schmuckdesign aus der Region feilgeboten. Das Weinparadies unter dem Hotel Moselschlösschen ist ein besonders schönes Exemplar, dank des Kreuzgratgewölbekellers aus dem Jahre 1901 und dem sich anschließenden, aufwendig renovierten Säulenkeller von 1754.
Infos: Der Mosel-Wein-Nachts-Markt findet an den Adventswochenenden statt. Auskunft: Tourist-Information Traben-Trarbach, Am Bahnhof 5, 56841 Traben-Trarbach. Tel. 06541/83980.

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