Winterwandern in den Bergen Hauptsache draußen

Von Armin Herb | 30.11.2022, 06:00 Uhr

Wandern ist in diesen Zeiten beliebter denn je. Eine kleine Auswahl an einfachen Bergtouren in den bayerischen Alpen.

So richtig durchatmen in der frischen Bergluft, mit Wonne durch den Schnee stapfen und dabei (fast) immer problemlos den richtigen Abstand wahren - Winterwandern und Schneeschuhgehen findet immer mehr Anhänger. Selbst Skifahrer sehen darin eine gelungene Abwechslung zur Piste. Wintersportorte reagieren darauf, präparieren Winterwanderwege auch in der kalten Jahreszeit. Und einige Berghütten werden sicherlich auch bald wieder öffnen, wenn Corona es zulässt. Diese Tourenziele in Oberbayern lohnen sich auch im Winter.

Rotwand im Mangfallgebirge

Die Rotwand (1884 m) oberhalb des Spitzingsees ist das ganze Jahr über ein Klassiker in den Münchner Hausbergen, entsprechend beliebt ist die Route. Im Rotwandhaus, der großen Alpenvereinshütte auf 1737 Metern Höhe, fühlen sich auch Familien mit Kindern sehr wohl. Von der herrlichen Sonnenterrasse schweift bei klarer Sicht der Panoramablick von der Zugspitze bis zum Großglockner. Und ganz wichtig: Das Essen schmeckt dort oben ziemlich gut. Denn Hüttenwirt Peter Weihrer nimmt an der DAV-Initiative „So schmecken die Berge“ teil. Der Speck kommt aus dem eigenen Räucherofen, das Brot wird selbst gebacken. Aufstieg: Vom Parkplatz an der Alten Wurzhütte in Spitzing geht man in rund 2,5 Stunden auf guten Wegen zur Hütte und nochmals rund 30 Minuten zum Gipfel. Bei entsprechender Schneelage eignet sich der Rückweg als Rodelstrecke.

Hirschberg in den Tegernseer Bergen

Der Hirschberg (1668 m) zählt zu den schönsten Aussichtsbergen rund um den Tegernsee. Eine Seilbahn gibt es weit und breit keine, aber dafür das altehrwürdige Hirschberghaus (1511 m) unterhalb des Gipfels. Der steile Aufstieg ist im Winter etwas beschwerlich, aber zur Belohnung warten oben ein grandioser Rundblick über den Tegernsee und ins Karwendelgebirge und in normalen Wintern eine einfache, gute bayerische Küche. Damit niemand vor verschlossener Tür steht, am besten vorher anrufen. Gegen Voranmeldung kann man auch am Berg übernachten, sofern coronabedingt touristische Übernachtungen wieder erlaubt sind.
Aufstieg: Vom Parkplatz Scharling bei Kreuth führt der beschilderte Weg 607 in rund zwei Stunden zum Hirschberghaus. Ab der Materialseilbahn wird der Weg anspruchsvoller. Je nach Schneelage empfehlen sich Wanderstöcke und Grödel als Aufstiegshilfe.

Jägerkamp in den Schlierseer Bergen

Die Rundsicht vom Gipfel (1746 m) ist grandios. Schliersee und Spitzingsee liegen zu Füßen. Allerdings ist das Gipfelkreuz nicht am höchsten Punkt platziert, denn der Südgipfel ist zwei Meter höher. Wer den etwas anspruchsvollen Steilanstieg vermeiden will, geht nur bis zur Schönfeldhütte. Seit 1949 steht das Berghaus der Alpenvereinssektion München auf einer sanft geschwungenen Alm oberhalb des Spitzingsees auf 1410 Metern Höhe. Aufgrund ihrer guten Erreichbarkeit und des relativ sanften Geländes ist die Schönfeldhütte auch ein Tipp für Familien. Außerdem kann man dort oben beim Hüttenwirtepaar Ute und Uwe auch übernachten. Im Winter allerdings nur am Wochenende
Aufstieg: Vom Parkplatz an der Kirche am Spitzingsee führt ein gut präparierter Weg in rund 1,5 Stunden über die Untere Maxlraineralm zur Schönfeldhütte und in einer weiteren Stunde zum Gipfel. Alternativ kann man auch am Spitzingsattel oder an der Taubensteinbahn starten.

Hemmersuppenalm bei Reit im Winkl

Die Hemmersuppenalm ist ein ausgesprochenes Winterwandergebiet im „weiß-blauen Sibirien“, wie die schneereiche Region um Reit im Winkl von Einheimischen auch gerne bezeichnet wird. Dort warten rund 15 Kilometer präparierte Wege - und mittendrin im Revier steht die Hindenburghütte (1250 m). So wurde von dort aus auch der erste Premium-Winterwanderweg Deutschlands eingerichtet und vom deutschen Wanderinstitut zertifiziert. Im familienfreundlichen Berggasthaus kommt vor allem deftig-bayerische Küche auf den Tisch. Aufstieg: Vom Parkplatz Blindau in knapp 1,5 Stunden hinauf zur Hütte. Ab Mittag ist zurück zum Parkplatz die Naturrodelbahn freigegeben.

Geigelstein oberhalb des Walchsees

Der Geigelstein (1808 m) zählt zu den markanten Bergen in den Chiemgauer Alpen. Der Aufstieg ganz zum Gipfel ist jedoch im Winter meist den Tourengehern und Schneeschuhwanderern vorbehalten. Aber die Tour zur familienfreundlichen Priener Hütte auf 1410 Metern Höhe lohnt sich ebenso. Einzigartig ist der Panoramablick zum Zahmen und Wilden Kaiser. Wer diesen frühmorgens oder abends genießen will, der kann im Alpenvereinshaus auch in Mehrbettzimmern oder Matratzenlager übernachten. Kulinarisch dürfen sich die Gäste nach Wiederöffnung auf eine raffinierte Alpenküche freuen. Das Haus nimmt an der DAV-Initiative „So schmecken die Berge“ teil. Aufstieg: Vom Parkplatz Huben am Ortsrand des Bergsteigerdorfes Sachrang in rund 2-2,5 Stunden auf gutem Weg zur Hütte und mindestens eine weitere Stunde zum Geigelstein-Gipfel.

Mehr Informationen:

Zeitplanung: Im Winter sind die Tage kürzer, oft wird es schon zwischen 16 und 17 Uhr dunkel, d.h. früh aufbrechen und immer einen Zeitpuffer einplanen.

Wetter: Zur Berücksichtigung eventueller Lawinengefahren und Schlechtwettereinbrüchen helfen Wetter-Apps und Webseiten wie www.bergfex.de und die Informationsstellen der jeweiligen Region.

Ausrüstung: Da in den Bergen im Winter oft Schnee und Eis die Wege bedecken, möglichst immer mit Trekkingstöcken gehen. Je nach Untergrund auch Grödel (Leichtsteigeisen) mitnehmen. Für den Nässeschutz Gamaschen anziehen. Die Bergschuhe sollten wasserdicht, rutschfest und mindestens knöchelhoch sein. Immer eine wasserdichte Wetterschutzjacke sowie Sonnenbrille und Mütze einpacken sowie ein trockenes Unterhemd und einen Pullover zum Wechseln. Proviant und ein warmes Getränk in der Thermosflasche nicht vergessen!

Notfall: Wenn man sich verstiegen oder einen Unfall hat, die 112 wählen.

Hochgern bei Unterwössen

Ein Ausblick zum Niederknien - von der nahen Kampenwand wandern die Blicke zu den Loferer Steinbergen, ins Karwendel, zum Wilden Kaiser und bei guter Sicht sogar bis zum Großglockner. Der Hochgern (1748 m) ist ein echter Panoramaberg. Das Hochgernhaus liegt auf 1461 Metern Höhe am Weg zum Gipfel. Die wahren Fans unter den Schneeschuhgehern und Winterwanderern übernachten auch dort oben. Vor allem abends wird es gemütlich in der holzgetäfelten Stube mit Kachelofen. So manche Besucher ziehen einen Schlitten hinauf und rodeln damit nach der Tour wieder ins Tal. Aufstieg: Vom Wanderparkplatz in Marquartstein (545 m) über die Agergschwendtalm (1040 m, an schönen Wochenenden geöffnet) steil hinauf zum Hochgernhaus in rund zwei Stunden und eine knappe weitere Stunde zum Gipfel.

Kampenwand hoch über dem Chiemsee

Es müssen nicht immer schweißtreibende Aufstiege in der Kälte sein. Sozusagen Winterwandern light geht gut auf dem Panoramaweg ab der Bergstation der Kampenwandbahn (1466 m). Auf präparierten Wegen wandert man die kleine Runde zur Weißen Wanne und am Berghang hinüber zum Andachtskreuz und weiter zur Steinlingalm mit ihrer markanten Kapelle sowie einem historischen Almhaus. Die knapp drei Kilometer lange Wintertour ohne allzu viel Höhenmeter dauert rund ein bis zwei Stunden. Trekkingstöcke und eventuell Grödel empfehlen sich auch für diese Winterwanderung. Eine grandiose Aussicht zum Chiemsee und ins Alpenvorland ist bei klarem Wetter garantiert. Zum Aufwärmen und für einen Kaffee hat in der Regel die Sonnen-Alm neben der Bergstation geöffnet.
Aufstieg: Mit der Kampenwandbahn von Aschau bis zur Bergstation

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