Buchtipp für Urlauber Wandern durch den deutschen Wald

Von Simone F. Lucas | 08.12.2022, 06:00 Uhr

Gerald Klamer beschreibt in seinem Buch „Der Waldwanderer“, wie er 6000 Kilometer durch Deutschland gelaufen ist und wie es in den deutschen Wäldern aussieht.

Gerald Klamer hat sich im Februar 2021 ganz schön viel vorgenommen, als er die Wohnungstür in Marburg hinter sich zumacht. Er verlässt nicht nur sein Zuhause, er hat auch seinen Job als Förster gekündigt, sein Auto verkauft und den Großteil seiner Habseligkeiten verschenkt. Nun will der begeisterte Wanderer und Waldliebhaber seine zwei Leidenschaften zusammenbringen und bei einer langen Wanderung erkunden, „wie es um Deutschlands Wälder bestellt ist“.

Dabei trifft er Förster, Naturschützer, Wissenschaftler und Vertreter von Bürgerinitiativen. Sie unterstützen ihn in seinem Vorhaben, Menschen für den Schutz des Waldes zu gewinnen. Seine achteinhalb Monate dauernde Tour beschreibt Klamer ausführlich, auch die eher frugalen Mahlzeiten, die alltägliche Routine, die sich einstellt. Unterbrochen wird sie durch die Treffen mit ähnlich gesinnten Menschen und zwischendurch auch durch die Begleitung durch seine Freundin, die als Agrarbiologin seine Leidenschaft fürs Wandern teilt.

Zelten darf der Waldwanderer nicht, deshalb schützt er sein Lager mit dem bei Weitwanderern beliebten Tarp. Sein „Cowboycamp“, wie Klamer diese Hilfskonstruktion nennt, hält allerdings Regen und Kälte nicht immer ab, ebenso wenig Mücken oder Schnecken. Doch viel mehr als Wetterunbilden und Mückenüberfälle beunruhigt Gerald Klamer der Zustand in vielen Wäldern, in denen sich der Klimawandel bemerkbar macht. Auch die Eingriffe des Menschen - der Bau von Windrädern, die riesigen Holztransporte und Rodungen (durch Harvester) - setzen den Wäldern zu.

Umso wichtiger ist nach Meinung des Autors die Einrichtung von Nationalparks, die dabei helfen, die ursprüngliche Natur zu schützen. Im Ammergebirge etwa den ursprünglichen Bergmischwald. Solche gesunden Wälder, davon ist Gerald Klamer überzeugt, sind auch für die Menschen wichtig. Er hat „keine Zweifel daran, dass Wald, Einsamkeit und Wildnis unserer Seele guttun“. Er plädiert für ein Netz von Waldflächen, in denen sich Wildnis entwickeln darf, sieht Steigerwald und Spessart „prädestiniert für neue Nationalparks“ und ist insgesamt für einen sparsamen Umgang mit der Ressource Holz. Klamers Buch soll aufrütteln, es macht aber auch Lust, im Wald vor der eigenen Haustüre mal nach dem Rechten zu sehen.

Mehr Informationen:

Gerald Klamer: Der Waldwanderer, Malik, 272 S., 18 Euro, ISBN 425-1-64011-544-0

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