Trendsport Eisklettern Adrenalinkicks am gefrorenen Wasserfall

Von Rudi Stallein | 16.01.2023, 06:00 Uhr

Nervenkitzel inklusive: Bergsportschulen weisen Anfänger in die Faszination des Eisfallkletterns ein, für Könner gibt es Touren durch spektakuläre Eisgebiete. Die besten Reviere in Österreich und in der Schweiz.

Wo sich im Sommer das Wasser über Felsen hinabstürzt, locken im Winter bizarre Wände aus glitzerndem Eis zu abenteuerlichen Klettertouren. Vorausgesetzt natürlich, es hat entsprechende Minusgrade. Sich an vereisten Felswänden empor zu hangeln, mit Pickel und Steigeisen die Kaskaden eines erstarrten Wasserfalls zu erklimmen und dabei die eigenen Grenzen auszuloten, reizt seit ein paar Jahren immer mehr abenteuerlustige Kletterfans. Aber es ist nicht damit getan, sich die Eisen unter die Bergschuhe zu klemmen und loszukraxeln. Vor allem Anfänger sind bei Bergsportschulen gut aufgehoben, die mit speziellen Kursen den Einstieg in den frostigen Klettersport erleichtern. Geübte Kletterer finden hier bei geführten Touren Spaß unter Gleichgesinnten.

Pitztal: Eiskletter-Mekka in Tirol

Längst kein Geheimtipp mehr, sondern - auch wegen des „Eis Total Festivals“ im Januar - ein wahres Szene-Mekka ist die Bergwelt im Pitztal in Tirol: Mehr als 40 Eisfälle, die normalerweise ab Dezember gefrieren, machen die Region zu einem Eiskletterparadies. Der Fallebachfall, der Stuibenfall, der Eggenstallfall oder der Dorfbach Jerzens begeistern mit abwechslungsreichen Touren Anfänger und Kletterprofis gleichermaßen. Das gilt besonders für die Taschachschlucht, ein wahres Eiskletterjuwel. Die Schlucht ist einfach zugänglich und ideal, um sich an den coolen Sport heranzutasten. Eiskletter-Urgestein Alfi Dworak und seine Kollegen von den „Pitztaler Bergführern“ bringen ihren Gästen in Privat- und Gruppenkursen die Basics des Eiskletterns bei und zeigen die korrekte Handhabung von Eisgeräten, Steigeisen und Eisschrauben und führen durch verschiedene Eisfälle der Region. Tagestouren für ein bis zwei Personen kosten ab 400 Euro, der genaue Preis wird nach geplanter Route und gewünschtem Programm individuell vereinbart.

Montafon: Erste Schritte im Eisklettergarten

Einige spannende Kletterreviere mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden finden Eiskletter-Fans auch im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Bestens geeignet, um das Klettern im Eis zu trainieren und zu üben, ist beispielsweise der neu errichtete Eisklettergarten auf der Silvretta-Bielerhöhe im Montafon. Aber die teils senkrechten Eissäulen der bis zu 25 Meter hohen und circa 35 Meter breiten Kletteranlage neben dem Madlenerhaus bietet auch Fortgeschrittenen die eine oder andere Herausforderung. Tipp für Einsteiger: Von Ende Dezember bis zum 1. März findet jeweils donnerstags ein Schnuppertag im Klettergarten statt. Bis zu 300 Meter empor ragen die türkisblau glitzernden „Vorhänge“ und Eissäulen in den Schluchten der Skiregion Warth-Schröcken, die Dörfer am Arlberg sind wegen ihrer vielen attraktiven Eisfälle ein idealer Standort für Freunde dieses Sports. Bei Schnuppertouren lernen Anfänger die richtige Handhabung der Eisgeräte (Pickel, Eisschrauben, Steigeisen) und tasten sich langsam an das Kletterabenteuer am Eisfall.

Brandnertal: Kletterspaß im blauen Eis

Fortgeschrittene und Könner lockt das Klettergebiet Flurschrofa im Brandnertal. Hier, an der Nordseite des Rätikons, befindet sich das Prunkstück des Eiskletterns im Westen Österreichs. Wo sonst das Wasser tosend über die Felsen springt, schimmert im Winter blaues Eis am Felsen: Mehr als 30 Eis- und Mixed-Routen finden sich hier auf engstem Raum - von leichten Anfängertouren bis zu extrem schwierigen Varianten, die für Nervenkitzel auch bei passionierten Eiskletterfexen sorgen. Kurse im Eisfallklettern und individuelle Touren können individuell bei mehreren Anbietern vor Ort gebucht werden. bieten die Sportschulen BergAktiv Brandnertal und Free Motion an. Und wie überall, wo die Natur als Baumeister fungiert, gilt auch hier: Je nach Witterung und Minusgraden präsentiert sich das Klettergebiet immer wieder anders.

Matrei in Osttirol: Szenetreffpunkt Eispark

Rund 80 Routen verschiedener Schwierigkeitsstufen warten im Eispark Osttirol, 20 Gehminuten vom Matreier Tauernhaus entfernt, auf Eiskletterfans. Die künstlichen Eisfälle, die durch feinsten Sprühregen aus Rohrleitungen erzeugt werden, fügen sich durch weitere Bearbeitungsschritte letztlich zu einer großflächigen Kletterwand. Der Eispark, bei dem es sich um den größten künstlich angelegten Park seiner Art in Österreich handelt, gilt als „eissicher“ und soll „auch in kältearmen Wintern geklettert werden können“, wie Vittorio Messini und Matthias Wurzer von den Kalser Bergführern, die den Park im Herbst 2015 ins Leben gerufen haben, versichern. Außerhalb des Eisparks warten in Osttirol etliche vereiste Wasserfälle auf Kletterfreaks.

Mehr Informationen:

Trotz wachsender Beliebtheit bei sportlichen Urlaubern wird Eisklettern in vielen Regionen von den Tourismusverbänden nicht speziell beworben. Es lohnt sich aber, danach zu fragen, denn die Mitarbeiter vor Ort wissen, welche Bergsportschulen Kurse und Touren anbieten.

Pontresina: Kletterparadies im Engadin

Ebenfalls ein Paradies zum Eisklettern ist die Region Pontresina im Schweizer Kanton Graubünden, wo eisverhangene Felswände und reihenweise zugefrorene Wasserfälle einladen. Mächtige Eiswände mit imposanten Eiszapfen entstehen jeden Winter in der Schlucht von Pontresina. Hier helfen engagierte Bergführer nach, indem sie die Felsen mit Wasser bearbeiten, so dass sich eine optimale Eisdichte bildet. Sie haben somit ihren Anteil daran, dass sich die Region zum Eiskletterzentrum im Engadin entwickelt hat. Kletterkurse und Leihausrüstungen bietet die Bergsteigerschule Pontresina. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen: Wer die Extremsportart Eisklettern testen möchte, sollte Kenntnisse des alpinen Kletterns, Schwindelfreiheit und gut körperliche Fitness mitbringen. Tipp: Ein besonderes Erlebnis ist die höchstgelegene bewässerte Eiskletterwand der Welt bei der Bergstation Corvatsch. Die Eiswand direkt neben dem Panorama-Restaurant ist rund 50 Meter lang - und verändert sich täglich von Natur aus.

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