Prag in 48 Stunden Ein perfektes Wochenende in der Goldenen Stadt

Von Sibylle v. Kamptz | 20.12.2022, 06:00 Uhr

Kaffeehäuser und Bauernmärkte, Kleinseite und Karlsbrücke, Barockfassaden und böhmische Küche: Die tschechische Hauptstadt wird als Städteziel immer beliebter. Wir haben ein perfektes Wochenende zusammengestellt.

Prag hat sich einen einzigartigen historischen Charme bewahrt, ohne sich der Moderne zu verschließen. Der Besucher macht sich am besten zu Fuß auf den Weg und erkundet so die malerischen Gassen, Plätze und Gärten, die so manche Überraschung bieten.

Erster Tag

16 Uhr: Stilmix am Wenzelsplatz
Der Wenzelsplatz ist das Wohnzimmer der Prager: Unter der monumentalen Statue des Landesheiligen Wenzel versammeln sie sich bei allen Ereignissen, die von nationaler Bedeutung sind. Gesäumt wird der 60 Meter breite und 750 Meter lange Prachtboulevard von einem Mix aus unterschiedlichsten Baustilen: Moderne Glasfassaden grenzen an Barockhäuser, kubistische Fronten an Renaissance-Bauten.

17 Uhr: Jugendstil-Traum Gemeindehaus
Das Repräsentationshaus ist eine Ikone des Jugendstils: Es beherbergt Prunkräume und den größten Konzertsaal der Stadt, ein böhmisches Restaurant und eine Bar im Untergeschoss sowie ein stilvolles Café im Erdgeschoss. Der Zugang zu den Lokalen ist frei, sodass man einen Blick auf das Interieur werfen kann.

18 Uhr: Prachtvoller Altstädter Ring
Durch den Pulverturm geht es nun zum Altstädter Ring. Was für eine Pracht! Rund um das Denkmal des Reformators Jan Hus reihen sich bonbonbunte Ensembles aneinander, überragt von den Türmen der Teynkirche. Frisch restauriert präsentiert sich die Astronomische Uhr: Das technische Wunderwerk aus dem Jahr 1410 zeigt nicht nur die Uhrzeit, sondern auch die Mondphasen, die Jahreszeiten und die Tierkreiszeichen.

19 Uhr: Prost in der Mikrobrauerei
Abends etwas Deftiges: Im „Tri Ruze“ gibt es zu Schweinshaxe oder Rinderbraten natürlich böhmische Knödel. Der Gast hat in der Mikrobrauerei zudem die Wahl zwischen sechs hausgebrauten Biersorten - immerhin ist Tschechien das Land mit dem größten Bierverbrauch pro Kopf weltweit. Wer danach noch unternehmungslustig ist: Die angesagten Trendviertel der Stadt mit Clubs, Kneipen und Bars sind derzeit Holešovice (z.B. Cross Club) und Karlín (z.B. Kasárna Karlín).

Zweiter Tag

9 Uhr: Bauernmarkt auf den Weinbergen
Das Viertel Vinohrady - „auf den Weinbergen” - rund um den Platz Jirího z Podebrad verströmt französisches Flair, das man am besten beim Frühstück im Café „Le Chaveau“ genießt. Vor dem markanten Bau der Herz-Jesu-Kirche deckt sich die bunt gemischte Nachbarschaft auf einem Bauernmarkt fürs Wochenende ein.

10.30 Uhr: Auf zur Prager Burg!
Den Anstieg hinauf zur Burg überwindet die Straßenbahn Nr. 22. Wer am Schloss Belvedere (Královský letohrádek) aussteigt, der spaziert vorbei an Rhododendren zur Burgbrücke. Kurz darauf steht man vor der Fassade des Veitsdoms. Ein Blick in das gotische Kirchenschiff und auf die eindrucksvollen Glasfenster ist ohne Ticket möglich.

11.30 Uhr: Lobkowitz-Museum: Spannende Zeitreise
Lebendig wird die Prager Geschichte im Privatmuseum der Adelsfamilie Lobkowitz. Eine sehr gute Audioguide-Führung erläutert exquisite Bilder von Rubens, Velázquez und Canaletto sowie Originalpartituren von Mozart und Beethoven. Jeden Tag um 13 Uhr gibt es im Barocksaal ein Konzert, im Palace Café wird böhmische Küche serviert.

14 Uhr: Pfauen im Waldsteingarten
Die Burgtreppe führt hinunter zur Metrostation Malostranska. Eine kleine Tür neben dem Metroeingang führt zum Waldsteingarten. Vorhang auf für ein besonderes Panorama: Schilf säumt das Wasserbecken mit Springbrunnen, dahinter thront die Burg. Pfauen stolzieren auf den Kieswegen zwischen Magnolienbäumen herum, in der Voliere im hinteren Teil sitzen Eulen.

15 Uhr: Spaziergang über die Karlsbrücke
Erbaut im Jahr 1357, verbindet die Karlsbrücke die Kleinseite mit der Altstadt. 30 steinerne Figurengruppen säumen die Geländer, dazu schieben Urlauber aus aller Welt an kleinen Ständen mit Kunsthandwerk und an Straßenmusikern vorbei. Natürlich will jeder Prag-Besucher dem Brückenheiligen Nepomuk, der hier einst in die Moldau gestoßen wurde, einmal über das blank polierte Gesicht streichen. Ist der Andrang zu groß, tut es auch der ebenfalls bereits glänzende Hund am Relief davor.

16 Uhr: Im Schwanenboot auf der Moldau
Perspektivwechsel gefällig? Gleich beim Nationaltheater gibt es Tretboote zu leihen. Ist man frisch verliebt, ist das Schwanenmodell vielleicht das Richtige - ansonsten stehen auch weniger auffällige Gefährte zur Auswahl. Während einer Stunde geht es bequem einmal um die Schützeninsel – dabei kann man vom Wasser aus die schmucken Fassaden an beiden Uferseiten und das „Tanzende Haus“ des Stararchitekten Frank Gehry bewundern.

18 Uhr: Böhmische Küche im Café Louvre
Nun wartet eine verdiente Stärkung im Café Louvre, in dem schon Albert Einstein und Franz Kafka verkehrten. Wer nicht nur dem geschäftigen Treiben in den verspiegelten, in Rot und Crème gehaltenen Sälen zuschauen will, der kann eine Runde Billard spielen.

19 Uhr: Kultur von Jazz bis Schwarzlicht
Jazzfreunde setzen den Abend im Kellergeschoss fort: Im Club Reduta treten internationale Koryphäen auf. In die Opernwelt Mozarts werden Besucher im „Nationaltheater der Marionetten“ entführt. Nicht weniger zauberhaft sind die Inszenierungen der Laterna Magika. Und natürlich finden jeden Abend Opernaufführungen und Konzerte statt.

Dritter Tag

9 Uhr: Kaffeehaus-Flair im Savoy
Kaffeehauskultur gibt es nur in Wien? Nun, auch Prag gehörte jahrhundertelang zur Donaumonarchie. Ein Besuch im Café Savoy ist zu jeder Tageszeit zum Erlebnis. Besonders lecker: das vielfältige Frühstücksangebot. Im Untergeschoss kann man einen Blick in die Backstube werfen und sehen, wie Croissants und Baguettes, böhmischer Guglhupf und üppig verzierte Torten entstehen.

10.30 Uhr: Mit der Zahnradbahn auf den Petrín
Der Petrín ist der Hausberg der Prager. Die Fahrt mit der Zahnradbahn endet an einem duftenden Rosengarten, dann geht es 299 Stufen hinauf auf den „Prager Eiffelturm” - die 63,5 Meter hohe Eisenkonstruktion ähnelt dem Pariser Original. Durch Obstgärten schlendert man wieder hinunter zur Stadt. Es bleibt idyllisch: Entlang der Vlašská-Straße – hier residiert der deutsche Botschafter – sind viele alte Hauszeichen zu entdecken.

12 Uhr: Welterbe-Garten Vrtba
Prag ist trotz vieler goldener Dächer eine grüne Stadt. Am Kleinseitner Platz führt ein großes Holztor zum Vrtba-Barockgarten, der zum Welterbe der UNESCO zählt. Von jeder Etage ergeben sich neue Sichtachsen – und wer den höchsten Punkt erklommen hat, der kann einen Blick in den angrenzenden, gut gesicherten Garten der US-Botschaft werfen.

13 Uhr: Authentische Küche im „Lokál“
Authentische Küche mit regionalen Zutaten und ohne Schnickschnack kommt im „Lokál U Bílé kuželky“ auf den Tisch. Nur einen Steinwurf von der Karlsbrücke entfernt wird auch eigenes Bier gebraut, das zur rustikalen Hausmannskost schmeckt.

14.00 Uhr: Verwunschener Jüdischer Friedhof
Höhepunkt des Jüdischen Viertels ist der Alte Jüdische Friedhof. 12000 Grabsteine sind erhalten, das Areal wird von alten Bäumen beschattet. Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch der Besuch von etlichen Synagogen und Ausstellungen – wenn genug Zeit ist, dann sind die Spanische Synagoge und die Pinkas-Synagoge die eindrucksvollsten.

16 Uhr: Noch schnell ein paar Souvenirs
Très chic! Über die Pariser Straße mit ihren Nobelboutiquen geht es zum Altstädter Ring. In den Filialen von Manufaktura gibt es tschechisches Kunsthandwerk, böhmisches Kristall. Glasprodukte aller Art findet man entlang der Celetná-Straße. So erinnern nette Souvenirs an ein entspanntes Wochenende.

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