Unterwegs mit dem 9-Euro-Ticket Auf nach Neuharlingersiel: Was das Nordseebad zu bieten hat

Von Stefanie Adomeit | 17.05.2022, 17:37 Uhr | Update am 17.05.2022

Im Juni steigen nicht nur die Temperaturen – auch das 9-Euro-Monatsticket kommt und damit die Möglichkeit günstig zu reisen. Wir nehmen Sie mit auf eine Erkundungstour an die Nord- und Ostsee. Heute: nach Neuharlingersiel.

Neuharlingersiel ist nicht jedem ein Begriff, dabei ist das Nordseebad die perfekte Auszeit für einen nostalgisch angehauchten Kurzurlaub. Weder hip oder cool ist der Ortsteil vor allem eines: tiefenentspannt. Zwischen Campingplatz und Deichacht gibt es kein feines Fischrestaurant, bloß eine Fischereigenossenschaft, in der die Scholle nicht filigran filetiert, dafür derb frittiert wird. Statt Schicki-Micki gibt es hier: Schlick.

Thalasso-Heilbad

Neuharlingersiel ist bekannt für sein Thalasso-Nordseeheilbad. Einheimische sagen, dass nach zwei Stunden steifem Nordwestwind auf dem Deich, nichts schöner ist als ein warmes Bad. Aus einer abgeschlossenen, 400 Jahre alten Schlickblase unter dem Ort abgezapft und erhitzt, spült er sämtliche Verspannungen in den Orkus. Wem das zu heiß ist, der kann sich dem heilsamen Modder auch mit einer Thalasso-Seife aus dem aufgetunten Kurmittelhaus namens Badewerk nähern. Der braune Schlamm macht ganz sanft sauber.

Im Badewerk ist auch richtig, wer Brandung und Austernfischern ein Stück näher sein möchte. Die Ferienwohnungen auf dem Dach sind nicht billig, aber das Ambiente und der atemberaubende Ausblick auf Watt, Wasser und Inseln sind es wert.

Perfekt zum Surfen

Für Surfer und ihre himmelstürmenden Kite-Kollegen bieten die Ufer von Neuharlingersiel die perfekte Kulisse. Stehtiefes Wasser, gute Winde, die Surfschule direkt am Strand – und ein dankbares Publikum auf den Bänken am Deich. Genug den Wind genossen? Dann zurück zum Hafen. Da läuft gerade die Kutterflotte ein. Die ist hier noch echt. Die Krabben auch, wenn sie frisch gekocht direkt vom Schiff verkauft werden. Neben den Mini-Garnelen karjolen die Kapitäne Touristen übers Meer, zwischen Spiekeroog und Langeoog hindurch zu den Seehundsbänken.

Sehnsucht nach Geschichte?

Wen dann doch die Sehnsucht nach Geschichte und Hochkultur quält, der kann im zauberhaften Sielhof die Lebensart der höheren Stände studieren – entweder im herrschaftlichen Gesellschaftszimmer und auf 870 Bibelfliesen – oder in den neuesten Printprodukten von Bunte bis Spiegel. Die Bibliothek ist ein Tipp für Regentage. Praktischerweise mit Restaurant und der Möglichkeit, in der maritimen Kapelle „Ja“ zu hauchen. Gut gekocht wird auch im Hotel Mingers mit den schönsten Zimmern zum Hafen.

Das Gegenmittel: die Joggingstrecke über Tief und Mühlenstrich zur knatschenden Seriemer Holländerwindmühle, die man auch besichtigen kann. Oder Abtauchen in die Nordsee, die immer ein paar Grad frischer ist, als man sich es wünscht. Dafür fühlt sich ihr Wasser, ist man erst einmal drin, wie Samt und Seide an. Wichtigstes Utensil für den Nordseeurlaub ist deshalb immer der Tidekalender.