Urlaub in Griechenland Lefkas: Von der Leichtigkeit des Seins

Von Simone F. Lucas | 09.12.2022, 06:00 Uhr

Auf der griechischen Insel Lefkas kann man auch in diesen Zeiten das Dasein genießen - beim Baden an weiten Stränden oder beim Wandern in den Bergen.

Es muss die Lebensqualität in diesem Fleckchen Griechenland sein, die den Unterschied macht, die Menschen hierbleiben und andere kommen lässt. Menschen wie Spiros, den 46-jährigen Griechen, der in North Carolina aufgewachsen ist, auf Lefkas seine Jugendjahre verbracht hat und als erfolgreicher Manager zurückgekommen ist. Und Menschen wie Helmut, den wir schon bei unserem ersten Besuch vor einigen Jahren trafen und der sich erst hier so richtig zu Hause fühlt.

Die Insel, die über einen Damm und eine Schwenkbrücke mit dem griechischen Epirus verbunden ist, ist gerade mal 15 Kilometer breit und 35 Kilometer lang. Grün ist sie so früh im Jahr, weiß ist der Sand an den breiten Stränden, weiß sind die Kalkklippen am Kap Dukato, von tintenblau bis smaragdgrün changiert das Meer. Am rauen Kap von Lefkas sah Homer den Eingang zur Unterwelt, und von den Klippen sollen sich unglücklich verliebte Mädchen ins Meer gestürzt haben. Der Sage nach tat dies auch die Lyrikerin Sappho - aus unerwiderter Liebe zum Jüngling Phaon.

Dort, wo einst ein Apollotempel stand, steht heute ein Leuchtturm, und niemand stürzt sich mehr aus Liebeskummer in die Meereswogen, höchstens aus Lust am Wasser. Denn so schön wie hier an der Südspitze der kleinen Insel ist das Meer selten in der ionischen Inselwelt. Blaugrün, Türkis, Lindgrün, Opalfarben. Ein Fest fürs Auge. Der nahe Katsiki-Strand ist deshalb auch längst kein Geheimtipp mehr. Sonnenanbeter und Schwimmer kommen inzwischen wieder in Scharen - nicht einmal die 75 Treppenstufen, die von der Klippe hinunter zum Strand führen, können sie aufhalten. Andere landen einfach mit dem Badeschiff an.

Lefkas hat noch viele Strände, in kleinen und großen Buchten, sichelförmig die einen, fjordartig die anderen und alle einladend mit glasklarem Wasser. Kein Wunder also, dass die Touristen gern wieder auf die Insel kommen, seit Corona es wieder erlaubt. Und Lefkas hat sich vorbereitet. Neue Hotels sind entstanden, alte Hotels wurden an die modernen Standards angepasst. Helmut hatte das zu seiner Zeit noch anders erlebt. Der braungebrannte Ex-Versicherungsmanager, Ex-Feinkosthändler, Lebenskünstler und Maler führte uns vor Jahren auf den schönsten Wanderwegen über die Berge von Lefkas. Dahin, wo sich violette Thymianpolster unter uralten Olivenbäumen breit machen und der wilde Salbei duftet, wo der Blick weit übers Meer und die ionische Inselwelt schweift bis nach Zakynthos, das im Meer liegt wie ein schlafender Drache.

Alles hier wirkt entspannt und friedlich. Vor dem Kafeneon von Theodoros in Poros sieht man alte Männer sitzen, der Gemischtwarenladen im Inneren ist leer. Noch ist Vorsaison, und die griechischen Urlauber kommen eher im Sommer. Wer jetzt hier ist, schätzt die Leichtigkeit des Seins, die auf dieser Insel herrscht - und die dabei hilft, für eine kurze Zeit Corona und sogar den Krieg in der Ukraine zu vergessen.

Auch Spiros würde das alles gerne vergessen. Er verdient sein Geld mit den Touristen und plant für die Zukunft. Der smarte 46-Jährige mit dem jungenhaften Lächeln weiß, wie wichtig Tourismus für die Insel ist, auf der er nach Studien- und Berufsjahren in London und Athen mit seiner Familie sein Auskommen gefunden hat. „Wir sind immer noch ein touristisches Baby“, sagt der Manager und lacht. Erst seit 30 Jahren gibt es Tourismus auf Lefkas. Ein Massenziel wie Kreta werde die Insel auch nie werden, ist der Grieche überzeugt. „Dafür sind wir zu klein - glücklicherweise.“ Wer Remmidemmi wolle, der sei hier an der falschen Adresse, sagt Spiros: „Dies hier ist Griechenland!“

Mehr Informationen:

Anreise: Condor fliegt ab 129 Euro von den größeren deutschen Flughäfen direkt zum Flughafen Lefkada. Inselexperte Rhomberg Reisen setzt eigene Charterflüge nach Lefkas ein. 

Informationen: www.lefkada.gr 

Die viel gerühmte Gastfreundschaft in Verbindung mit üppig grüner Natur und weiten Sandstränden mache den Charme der Insel aus, sagt Spiros. Auch dass sie weit genug weg ist von Athen und der Weltpolitik. In diesem Jahr hofft Lefkas auf viele Touristen, die zu schätzen wissen, was die Insel zu bieten hat. Das sind kleine weltabgeschiedene Dörfer, wo die Zeit keine Rolle zu spielen scheint, und lebhafte Städtchen mit originellen Geschäften und einladenden Restaurants. Berge, die nach Sommer duften und Strände, an denen noch viel Platz ist. Dazu alte Kirchen und Klöster und eine Geschichte, die weit zurück reicht bis zu Alexander dem Großen. Lebensqualität hat Spiros auf seiner Insel gefunden und - anders als im trubeligen Athen - auch „Seelenfrieden“. Wie sagte Wanderführer Helmut schon damals nach unserer ersten gemeinsamen Tour: „Wer einmal auf Lefkas war, der kommt immer wieder.“

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