Eine Inselrundfahrt Insel Elba: Wo schon Napoleon baden ging

Von Hans-Werner Rodrian | 18.12.2022, 06:00 Uhr

Der toskanische Tupfer im Mittelmeer bezaubert mit reizenden Bergdörfern und romantischen Badebuchten.

Klein wie Napoleon, aber oho! Die toskanische Insel Elba, einst Verbannungsort des französischen Kaisers, misst nicht einmal 30 Kilometer in der Länge und 18 Kilometer Breite. Und doch verfliegt eine Woche Urlaub zwischen Bergdörfern und Badebuchten im Nu.

Elba - das sind eigentlich drei Inseln in einer. In allen Farben schillern die Erzberge des Ostens. Die Mitte erinnert mit Oliven und Weinbergen an die Festlandstoskana. Unberührt ist der wilde Westen um den Monte Capanne. Längst lebt der Großteil der 32.000 Insulaner vom Tourismus. Der Schönheit der Insel hat es nicht geschadet: Die Hotels blieben kleine Familienbetriebe, gebaut werden darf nicht höher als zwei Stockwerke.

Kaum im Hafen von Portoferraio angelangt, will jeder Besucher als erstes Napoleons Haus sehen. Wohn- und Arbeitsräume des großen Korsen in der Villa dei Mulini sind seit 1815 fast unverändert. Auf der Bank an der Brüstung zum Meer soll er oft gesessen haben. Aber Elbas Hauptort lohnt auch sonst einen Bummel. Bevor es auf große Inseltour geht, lohnt es sich, zumindest den Picknickkorb am Ortsausgang beim Bio-Bauernhofladen La Fenice mit frischen Früchten zu füllen.

Bei Biodola ist es Zeit für ein erstes Bad im Meer. Der westliche Teil der herrlichen Strandsichel mit dem feinen Hotel „Hermitage“ ist eindeutig der eleganteste Platz Elbas. Daneben und drei Kilometer weiter in Procchio bleibt aber auch genügend Strand für alle, die nicht unbedingt neben einem Ferrari parken und neben seinem Besitzer schwimmen müssen.

Wie ein Schwalbennest klebt Marciana Alta am Berg. Es gilt als das älteste Dorf Elbas. Ein gelber Wegweiser in der mittelalterlichen Hauptgasse lockt den Besucher auf den schattigen Pilgerweg zur Wallfahrtskirche Madonna del Monte. Hier soll sich Napoleon bei romantischen Sonnenuntergängen gern mit seiner Geliebten Maria Walewska getroffen haben.

Rechts der Straße weist der kleine Parkplatz zu einem luftigen Erlebnis. „Cabinovia“ heißt die museumsreife, knallgelb gestrichene Korbgondel hinauf zum Monte Capanne. Oben, tausend Meter über dem Meer, fühlt man sich zwischen Himmel und Erde. Der Wanderweg zurück dauert zwei Stunden: Unvergesslich bleibt der Geruch, der von Thymian, Lavendel und Rosmarin aufsteigt.

Gestärkt von Wildschwein mit Steinpilzen im urigen Ausflugslokal „Publius“ in Poggio verlässt der Besucher den Inselnorden. Durch Eichen- und Walnusswälder im Monte-Perone-Naturschutzgebiet geht es in weiten Kurven hinab nach Süden zur Bucht von Marina di Campo.

Marina hat den längsten und schönsten Sandstrand Elbas, aber leider auch viel Verkehr. Nachmittags macht es trotzdem Spaß, die Boutiquen im Dorfkern entlang zu schlendern und sich dann vielleicht ein Orangeneis in der Gelateria Ghibli zu gönnen. Links, wo die Bucht weiter wird, haben die gepflegten Strandbäder ihre Sonnenschirme in Reih und Glied gestellt. Hier lässt es sich aushalten.

Die Sandbuchten der Südküste sind Elbas wichtigstes Kapital. Campingplätze und kleine Hotels ducken sich entlang der Straße ins Grün, als das Auto durch Lacona und Golfo Stella rollt. Orte sind beide nicht wirklich, sondern eher lose Ansammlungen von kleinen Hotels und Campingplätzen mit Weinbergen und Gemüsefeldern dazwischen.

Mehr Informationen:

Allgemeines: Elba ist die größte Insel des Toskanischen Archipels und liegt etwa 15 Kilometer vom Festland entfernt im Tyrrhenischen Meer. Gerade mal 28 Kilometer lang und 18 Kilometer breit, lässt sich die Inselrundfahrt (ca. 90 km) in einem Tag bewerkstelligen. Bei gutem Wetter sieht man vom Monte Capanne (1015 m) aus Korsika, Montecristo, Giglio und den Monte Argentario.

Anreise: Stündlich fahren Fähren von Piombino auf dem Festland zu Elbas Hauptort Portoferraio, einige halten auch in Rio Marina und Cavo. Preis pro Person um 15 Euro, für ein Auto um 60 Euro. In der Saison ist Reservierung unerlässlich.

Vespa mieten: Ideal, um die Insel zu erkunden, ist ein Motorroller. Den gibt es ab 35 Euro pro Tag z.B. bei TWN-Rent oder Rent Chiappi, beide keine 100 Meter von der Fähranlegestelle in Portoferraio entfernt.  

Wandern: Eine Top-Attraktion für Wanderer ohne Komfortansprüche ist die große Inselüberquerung „Grande Traversata Elbana (GTE)“. Drei bis vier Tage lang geht es dabei in zwei Varianten quer über die höchsten Bergrücken und Gipfel der Insel. Die Südroute verläuft in 51 Kilometern von Cavo nach Pomonte, die Nordroute von Cavo nach Patresi ist fast 60 Kilometer lang.  

Infos: visitelba.info

Doch die Entdeckernaturen zieht es ohnehin wieder in die Höhe. Dort liegt schon lang ein Bergstädtchen im Blick: Capolíveri, die Sonnenterrasse Elbas. Mit seinen verwinkelten Gassen, der sonnenüberfluteten Piazza und den schönen Cafés ist Capolíveri bei den Urlaubern das beliebteste unter den vielen Bergnestern der Insel.

Wohin auch immer man läuft: Alle Wege führen zur Piazza. Dort geht „man“ in die Bar Rodriguez, bestellt in der Osteria dei Quattro Rioni oder ein paar Gassen weiter im „Lo Sgarbo“ Tintenfisch-Spaghetti und lässt den Abend auf der romantischen Terrasse des „Caffé della Corte“ auf der Piazza Garbialdi ausklingen. Nachtschwärmer treffen sich im „Piccole Ore“.

Unterhalb des Dorfs locken hübsche kleine Strände. „Innamorata“, die Verliebte, heißt eine besonders romantische Bucht. Wer mag, kann durch die duftenden Pinienwälder des Monte Calamita auch zum kleinen Landhotel Tenuta delle Ripalte auf der Spitze der Halbinsel radeln. Auf einen Kompass sollte man sich dabei aber nicht verlassen; der dreht sich nur im Kreis. Das liegt am Magneteisenstein, aus dem der ganze Berg besteht.

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