Frühlingsgefühle auf Mallorca Eine kulturelle und kulinarische Auszeit in Palma

Von Uwe Junker | 17.01.2023, 06:00 Uhr

Sonne, Licht und Luft machen in Mallorcas Hauptstadt gute Laune. Künstler wie Gaudí, Miro und Barceló haben ihre Spuren hinterlassen, maurische Bäder locken ebenso wie zeitgenössische Museen, stille Innenhöfe und lebendige Märkte.

Eine Medizin ohne Nebenwirkungen gegen den deutschen Winterblues sind das mediterrane Licht, die Kultur und die kulinarischen Gaumenfreuden auf Mallorca. Bei einer Auszeit in der geschichtsträchtigen Hauptstadt der Baleareninsel heben sonnige Tage die Stimmung.

Dieses Fenster muss man gesehen haben, diese Farben, dieses Licht: Während in Deutschland graues Wetter so manchen in trübe Stimmung versetzt, schickt die schon angenehm wärmende Frühjahrssonne ihre Strahlen durch die große Rosette der Kathedrale von Palma de Mallorca. Ihre 1200 farbigen Glasteile modellieren das Sonnenlicht zu roten, grünen, blauen und gelben Punkten und lassen im Inneren der Kirche meditative Traumbilder entstehen, die man so schnell nicht vergisst. „Das war nicht immer so“, erklärt Matteo, der unsere kleine Touristengruppe durch Palmas Altstadt führt. „Erst der berühmte katalanische Jugendstilbaumeister Antonio Gaudí hat der früher eher dunklen Kirche ab 1904 zu ihrer heutigen Anmut und Helligkeit verholfen.“ Deshalb trage die Catedral de la Seu heute den stolzen Beinamen „Kathedrale des Lichts“.

„Gaudí soll auch Miguel Barceló beeinflusst haben“, erzählt Matteo. Und der erhielt im Jahr 2000 von Teodoro Ubeda, damals Bischof von Palma, den Auftrag die Kapelle Sankt Peter am Kopfende des rechten Seitenschiffs mit Motiven des neuen Testaments zu gestalten. Er schuf ein 300 Quadratmeter großes Wandbild aus Ton und Keramik, das die biblische Geschichte der wundersamen „Vermehrung von Brot und Fisch“ während der Speisung der Fünftausend erzählt. „Wenn ihr genau hinschaut, könnt ihr erkennen, dass Barceló, der in Felanitx auf Mallorca aufwuchs, ein nahezu autobiografisches Kunstwerk gelungen ist, das zutiefst von seiner Inselheimat inspiriert wurde.“ Matteo kennt als stolzer Mallorquiner natürlich jedes Detail: In der Mitte eine etwas pummelige Christusfigur, in der sich der Künstler selbst nachmodelliert habe, flankiert von Brandung und Wellen mit nach Luft schnappenden Fischen. Dazu Palmen, Brotlaibe, Olivenbäume, Weinreben und unten rechts in der Ecke ein Eselskopf. „Und die Handabrücke in der Wand hinter dem Altar stammen von Barcelós Kindern“, erklärt Matteo.

Er öffnet noch einige der normalerweise verschlossenen, imposanten Patios in Palmas Altstadt, bevor er uns in die arabischen Bäder führt. Hier hinter der Kathedrale zwischen Kakteen, Palmen und Zitronenbäumen sind wir ganz allein. „Die Bäder waren wohl einmal Bestandteil des Palastes eines arabischen Adligen in der Zeit als Palma noch ,Medina Mayurqua‘ hieß“, erklärt Matteo. Wir stehen in einem dunklen Saal, dessen Gewölbe von zwölf Säulen mit ganz unterschiedlichen Kapitellen getragen wird. Matteo erzählt, die Mauren hätten die Säulen aus früheren römischen Gebäuden ihres Herrschaftsbereiches demontiert und per Schiff nach Palma gebracht: „Wir sind hier im ehemaligen Caldarium, dem Raum für heiße Dampfbäder.“

Wir verabschieden uns von Matteo, wandern hinunter zum „Parc de Mar“, wo wir mit famosem Blick auf Altstadt, Kathedrale und Almudiana-Schloss in einem Bistro Pause machen. Gleich neben dem Café hat ein weiterer großer spanischer Künstler unverkennbar Spuren hinterlassen - Joan Miró. Die Kachelwand im Park gehört zu seinen bedeutendsten Werken dieser Art und macht Lust auf mehr Miró. Nach kurzer Busfahrt stehen wir im Stadtteil Cala Major im Atelier des Meisters. Es ist Teil eines inspirierenden Museumsbaus mit Wasserdach und Skulpturengarten. Warmes Licht fällt durch architektonisch meisterlich konstruierte Fenster und Lichtschächte ein und umflutet die Exponate im Inneren. Im Atelier hängt noch Miros? Arbeitskleidung über einem Geländer. Er fühlte sich der Insel sehr verbunden, lebte 30 Jahre hier. Gemeinsam mit seiner, seine Frau Pilar, die aus Soller stammt, gründete er 1981 die „Fundació Pilar i Joan Miró Mallorca“ und vermachte große Teile seines Anwesens der Stadt Palma. Damit verhinderte er, dass sich nach seinem Tod Bauspekulanten darüber hermachten. Die heutigen Besucher danken es den beiden, genießen diese künstlerische Oase der Stille mit ausdrucksstarken Werken, mediterranem Pflanzenduft und tollen Ausblicken.

Joan Miró brauchte seine kreativen Pausen, verbrachte sie öfter in der „Chocolateria Ca`n Joan de S`Aigo“. Das Café liegt etwas versteckt nahe der Kirche Santa Eulalia. Die dickflüssige Schokolade schmeckt ebenso köstlich wie die Ensaimadas, frisch gebackene Schmalzschnecken. Wir beobachten, wie die Gäste ihre Schnecken immer wieder in die heiße Schokolade tunken - und tatsächlich: So lässt sich der Genuss noch steigern.

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder von einem wolkenlosen Himmel. Den vorherigen Abend haben wir mit einem exzellenten Dinner im Restaurant unseres Hotels Cort beschlossen. Sven Rasch, Direktor des Cort, hat uns nicht nur bei der Menü-Auswahl beraten, sondern auch Tipps für den nächsten Tag gegeben: „Wandert bei dem schönen Wetter einfach auf der Promenade zwischen Altstadt und Meer von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Das Museum „Es Baluard“ solltet ihr euch schon noch ansehen.“ Wir lassen uns auf dem Passeig Sagrera treiben, benannt nach dem Stararchitekt Guillem Sagrera, der seine Ideen nicht nur beim Bau der Kathedrale einbrachte. Mit der Seehandelsbörse schuf er eines der prächtigsten Gebäude der alten Handelsstadt Palma. Wie eine gotische Kathedrale mutet der Saalbau an, über dessen Eingang ein Engel wacht und dessen riesige Fenster viel Licht einlassen, das sich an den schlanken Säulen spielerisch bricht. Weiter geht es den Hügel mit den geschichtsträchtigen Windmühlen über dem Meer hinauf. Eine der Mühlen beherbergt ein kleines Museum über dessen Schätze Joanne wacht. Für uns illuminiert sie eine der Miniaturen und setzt deren Mühlwerk in Gang.

Mehr Informationen:

Reisezeit: Für eine Städtereise nach Palma de Mallorca während des deutschen Winters sind schon die Monate Februar und März mit meist bereits frühsommerlichen Tagestemperaturen gut geeignet. Ein weiterer Reiz dieser Jahreszeit ist die Mandelblüte auf der Insel(ca. Mitte Januar bis Mitte März).

Flugverbindungen: Ab Frankfurt/Main mit Condor ab 59 Euro, ab Köln, Hamburg oder München mit Eurowings ab 39,99 oder 44,99 oder 29,99 Euro, alle Preise one way

Übernachten: Zum Beispiel im Hotel Cort, Placa de Cort, 11, 07001 Palma de Mallorca, 4-Sterne-Superior-Hotel an der Placa de Cort, neuer Lifestyle-Hotspot von Palma. 14 exklusive und individuelle Suiten und zwei Doppelzimmer. Suite ab 210 Euro/Nacht, DZ ab 165 Euro/Nacht inclusive Frühstück. Petit Palace Hotel Tres, Calle Apuntadores 3, 07012 Palma de Mallorca, mitten in der Altstadt gelegenes 4-Sterne-Superior-Hotel. Typisch mallorquinischer Innenhof mit Wasser-, Lichtspielen, Palme. Ruhe-Oase trotz zentraler Lage. Gelungene Synthese aus Tradition und Moderne: Cooles skandinavisches Design in einem Altbau aus dem 16. Jahrhundert.DZ ab 176 Euro/Nacht inclusive Frühstück.#

Kathedrale: Öffnungszeiten für Besucher: Montag bis Samstag 10-14:15 Uhr, schließt um 15 Uhr.

Arabische Bäder: Öffnungszeiten 1. November bis 31. März 9-18 Uhr, 1. April bis 9-19:30 Uhr.

Museen: Museum Miro: geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr, Eintrittspreise 13 Euro, ermäßigt 7 Euro.

Museum Es Baluard: geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10-20 Uhr, letzter Einlass 19.30 Uhr, Eintrittspreis 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro.

Märkte: Mercat de l`Olivar: geöffnet Montag bis Samstag von 7 bis 14:30 Uhr, freitags teilweise bis 20 Uhr. Mercat de Santa Catalina: geöffnet Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr.
Mercat de Pere Garau: geöffnet Montag bis Samstag von 6 bis 16

Hoteldirektor Rasch hatte recht: Das Museum „Es Baluard“ - das Bollwerk - ist ein echter Höhepunkt: Architektonisch genial in Palmas alte Befestigungsanlage eingebettet, ist es eine Symbiose aus der Baukunst des 16. und 21. Jahrhunderts. Moderne Malerei, Skulpturen und Kunstinstallationen von den Zinnen der Mauer bis zum ehemaligen Wasserspeicher und dem Hafenzugang der Stadt. Im Museumscafé mit bestechendem Panoramablick auf der alten Stadtmauer haben wir uns in eine der Sitzgarnituren fallen lassen und sehen wie die Abendsonne sich über das Schloss Bellver in der Ferne senkt, Kathedrale und Dächer der Altstadt in goldenes Licht taucht.

Rasch schickt uns auch auf eine kulinarische Entdeckungsreise über Palmas exquisite Märkte. Entweder man stürzt sich auf eigene Faust ins bunte Treiben oder bucht eine geführte Tapas-Tour. Raschs Favorit ist der Mercat de l`Olivar: „Er bietet die perfekte Kombination aus Einkaufen und Schlemmen.“ Er besteht bereits seit 1951 und bietet über 50 verschiedene Stände mit Obst, Gemüse, Fleisch und fangfrischem Fisch an. Hungrige können eine der 25 Markttheken ansteuern, wo man die Wahl zwischen Tapas und Fischspezialitäten hat. Austern und Cava vielleicht? Eine der ältesten Markhallen Palmas ist der Mercat de Pere Garau, die in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum Lieblings-Spot für Mallorca-Fans avanciert ist. Bereits seit 1943 bieten die Bauer aus dem Umland hier ihre Waren pflückfrisch an. Gesehen, gekauft, gegrillt ist das Motto im Mercat de Sana Catalina an der Plaza de la Navegació. Wir machen es wie die Einheimischen: Kaufen den „Catch of the Day“, lassen den an der Bar gleich grillen und genießen dazu ein Glas Wein.

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