Tschechien Entdeckungsreise entlang der Moldau

Von Michael Juhran | 23.09.2021, 07:00 Uhr

Die Moldau gehört zu den faszinierendsten Strömen Europas. Der längste Fluss Tschechiens ist auf der Teilstrecke von Krumlov nach Prag ein Paradies für Naturfreunde, Radsportler und Kulturinteressierte.

Unweit der Quelle der Moldau beginnt unsere Reise in Cesky Krumlov (Krumau). Malerisch in einer Flussschleife gelegen und von Bergen umgeben, ist die 1253 gegründete Stadt seit langem ein Touristenhotspot. Mit dem schönsten Blick auf die pittoreske Altstadt wird jeder belohnt, der die vielen Treppen hinauf zur – nach Prag – zweitgrößten Burganlage unseres Nachbarlandes nicht scheut. Besucher schlendern unten durch die engen Gassen, genießen die böhmische Küche in Restaurants am Markt oder am Ufer der Moldau, auf der unternehmungslustige Gäste auf Flößen und mit Kanus unterwegs sind. Handwerk und Handel an der wichtigen Verbindung zwischen Budweis und Österreich sowie die Förderung von Silbererz brachten im 14. Jahrhundert wirtschaftlichen Reichtum. Im 15. Jahrhundert entstand aus der hoch über der Stadt gelegenen Burg ein repräsentatives Renaissanceschloss, das im 18. Jahrhundert Erweiterungen im Stil des Wiener Barocks erfuhr. Die reich ausgestatteten Innenräume lassen auf den immensen Reichtum der ansässigen Fürsten schließen. Abends überrascht der Schlossgarten seine Gäste mit einem besonderen Kulturerlebnis: ein Freilichttheater mit einer von Szene zu Szene rotierenden Zuschauertribüne. Der Garten und das Sommerschlösschen Bellarie bieten Schauspielen und Opern einzigartige Kulissen.

Von Krumau nach Budweis

Weiter geht es entlang der Moldau nach Ceske Budejovice (Budweis). Budweis – das ist Bier und natürlich muss man es in einer der vielen Pivnice (Bierstuben) probieren. Zuvor sollte man aber einen Spaziergang durch die hübsche Altstadt unternehmen. Budweis war schon immer eine der wichtigsten und größten Städte des böhmischen Königreiches. Im 16. Jahrhundert wurde sie durch Silber reich und so stammen aus dieser Zeit zahlreiche Bauten im Renaissancestil. Rund um den Premysl-Otakar II.-Platz reihen sich prächtige Arkadenhäuser und vom Schwarzen Turm bietet sich ein herrlicher Rundblick.

Dank ihrer Lage ist die Stadt der perfekte Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen. Will man der Moldau ganz nahe sein, empfiehlt sich die Erkundung der Umgebung auf dem Moldauradweg.

Besonders die 22 Kilometer lange Strecke zwischen Budweis und Purkarec ist ein Traum für Radler. Fahrradverleihe gibt es viele und sollte man doch müde vom Radeln sein, besteht die Möglichkeit, in eines der Ausflugsschiffe einzusteigen. Die Räder können problemlos mitgenommen werden.

Nach einigen Kilometern Fahrt durch Wald umrahmte Auenlandschaften, aus denen einzelne Aussichtsfelsen herausragen, zieht ein weißes Schloss in Hlouboka die Blicke auf sich. Ein filigraner Prachtbau, der auch jedem Märchen als fabelhafte Kulisse dienen könnte. Seine Ursprünge gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, später erfolgten Umbauten im Stil der Renaissance, des Barock und der Romantik, bis schließlich ein malerisches Schloss im Tudorstil entstand. Überwältigt betrachtet man die prunkvolle Einrichtung, die kunstvollen Holzschnitzereien und Gemälde.

Zwischenstopp in Zvikov

Auf der Weiterfahrt trifft man in Zvikov auf eine der bedeutendsten gotischen Burgen Tschechiens aus dem 13. Jahrhundert, die auf einem Felssporn über dem Zusammenfluss von Moldau und Otava thront. Seit dem Bau der Orlik-Talsperre ist das umgebende Tal überflutet, so dass die Burg heute nur einige Meter über den Stausee herausragt. Auf dem verkehren regelmäßig Schiffe zu einem weiteren Schloss in Orlik. Früher erinnerte es an ein Adlernest, heute spiegelt es sich im ruhigen Wasser. Die nahe gelegene Talsperre ist Teil der Moldau-Kaskade, die dem Hochwasserschutz und zur Stromerzeugung dient. Ausgerüstet mit Sicherheitshelmen kann man mit Pavel Krouzek das technische Wunderwerk hinter dicken Betonwänden besuchen. Man steht beeindruckt vor den vier riesigen Kaplan-Turbinen und steigt immer tiefer in den Innenraum der Staumauer hinab. Bei der Vorstellung, dass einen nur wenige Meter Beton von den Wassermassen der aufgestauten Moldau trennen, beschleicht einen schon ein etwas beklemmendes Gefühl. Umso erleichterter genießt man zum Abschluss den Blick von der Staumauer auf den See.

Von Orlik lohnt ein kleiner Abstecher nach Tabor, einer kleinen Stadt, die im 15. Jahrhundert eine Hochburg der Hussiten war. Ein Museum erinnert an die revolutionäre Bewegung, die unter ihrem Gründer Jan Hus lange vor Martin Luther für Reformen in der Kirche kämpfte und schließlich im Dreißigjährigen Krieg gewaltsam rekatholisiert oder zerschlagen wurde.

Von Orlik bis Prag

Zurück in Orlik hat die Moldau noch 80 Kilometer zurückzulegen, bis sie die Hauptstadt Prag erreicht. In der „Goldenen Stadt“ fällt es schwer, eine Auswahl unter den Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses zu treffen. Von der Prager Burg und dem Veitsdom oder vom Hanau-Pavillon am Rande des Letna-Parks hat man einen eindrucksvollen Blick auf den Fluss und seine Brücken, von denen die berühmte Karlsbrücke zu den ältesten Steinbrücken Europas zählt. Beim Spaziergang entlang des Ufers hört man mit etwas Phantasie im Plätschern der Wellen die Klänge von Smetanas sinfonischer Dichtung „Die Moldau“, wie sie vorbei am Vysehrad in Richtung Norden fließt. Die Prager haben ihrem großen Komponisten direkt neben der Karlsbrücke ein Denkmal gesetzt. Ein Pragbesuch bietet immer wieder Neues. Neben den fantastischen Barockgebäuden, gotischen Kirchen und Jugendstilvillen überraschen eigenwillige Architekturen wie das „Tanzende Haus“, stylische Eventflächen, Moldauinseln, die als beliebte Ausflugsziele für Sport, Kultur und Erholung dienen. War die Moldau in früheren Zeiten ein wichtiger Transportweg, so wird sie heute in erster Linie von Ausflugsbooten befahren. Vom Wasser aus hat man einen spektakulären Blick auf die Stadt. Neben der Karlsbrücke erlebt man auf der Halbinsel Kampa ein einmaliges Stück altes Prag. Auf traditionellen Booten geht es durch enge Kanäle, vorbei an Häusern, die direkt am Wasser gebaut sind, zu sehen sind auch zwei alten Mühlen, die noch heute zuverlässig ihren Dienst tun.

Mehr Informationen:

Krumlov: Freilichttheater: Ausleihe von Tablets mit deutschem Text möglich, www.otacivehlediste.cz/de; Stadtführung: Stanislav Jungwirth, www.magickrumlov.cz; Restaurant mit Aussicht über die Stadt: Divadelni Restaurace, Kaplicka 26; Schloss: www.zamek-ceskykrumlov.cz/en; Unterkunft: Zi. Ab ca. 120 €/Nacht, www.bellevuehotelkrumlov.cz/deBudweis: Schwarzer Turm: www.budejce.cz/de/aktivitaten/2-cerna-vez, Hotel: Hotel Budweis, ab 70 €/Zi/Nacht, www.hotelbudweis.czHluboka: Schloss, Eintritt 9€, www.zamek-hluboka.cz/enPrag: Unterkunft: Hotel U Tří Pštrosů (Zu drei Störchen), direkt an der Karlsbrücke, ab 43 €/Nacht, www.utrippppstrosu.eu/de; Führungen: eshop.prague.eu/de; Bootstour: www.prazskebenatky.cz/de; Restaurant: Mlynek, an der Karlsbrücke, www.mlynec.cz/en; Beer Spa: www.beerspa.com, 87 €/Std.Infos: www.visitczechrepublic.com

Sightseeing macht Durst und die pflastermüden Füße sehnen sich nach Entspannung. Beides lässt sich beim Besuch des Beer Spas in der Zitna-Straße 658/9 perfekt lindern. In einem Eichenholzzuber wirkt die Hefe als natürliches Peeling und der Hopfen entfaltet seine wohltuende Wirkung, während Zapfhähne uneingeschränkten Biergenuss garantieren. Vorteilhafter lässt sich eine moderne Bäderkonzeption kaum mit altböhmischen Heilpraktiken kombinieren. Erlebniswellness der besonderen Art! Während unsere Reise so ihr entspanntes Ende nimmt, fließt die Moldau unaufhaltsam weiter in Richtung Melnik, wo sie schließlich in der Elbe mündet.

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