Städtereise: 48 Stunden in Wien Unterwegs zwischen Riesenrad und Schneckenhäuschen

Von Sybille Boolakee | 06.09.2023, 06:00 Uhr

Wien führt erneut die Rangliste der zehn lebenswertesten Städte der Welt an. Dem Charme dieser Stadt erliegen Reisende beim Erkunden von Gassen, Plätzen und Parks, beim Besuch einer Schneckenfarm, in den legendären Cafés und in einer Buschenschank.

Ob beim Kleinen Braunen in einem Café, mitten im Trubel auf dem Naschmarkt oder bei einer gemütlichen Rundfahrt im Riesenrad - wer die facettenreiche Stadt Wien besucht, der versteht sofort, warum die Donaumetropole erneut zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde. Wir stellen als - erlebnisreiches Beispiel für eine 48-Stundentour - das besondere Flair der österreichischen Hauptstadt vor. Unter dem Motto: leben und leben lassen, aber auch sehen und gesehen werden.

Erster Tag: Vom Prater bis zum Sundowner

16 Uhr, Stadterkundung aus luftiger Höhe: Ein idealer Start für eine Erkundungstour ist der Prater mit dem Wiener Riesenrad. Es ist knapp 65 Meter hoch, aber seine Silhouette ist schon von weitem zu sehen. Seit 1897 dreht sich das Wahrzeichen Wiens. Hoch oben lässt sich eine luftige Rundfahrt mit einem Blick über die Dächer der Stadt genießen.

16.30 Uhr, Spaziergang zur Stelze: Weiter geht es auf Spazierwegen durch den Wiener Prater. Wo früher der Adel promenierte und Kutschen fuhren, tummeln sich heute Radfahrer und Spaziergänger. Die Kastanienbäume spenden an Hitzetagen wohltuenden Schatten. Unbedingt dazu gehört ein Stopp im Schweizerhaus. Das Restaurant mit Gastgarten ist eine Wiener Institution. Seine Spezialität ist die Riesenhaxe, die hier Stelze heißt. Dazu genießt man Budweiser Bier.

18 Uhr, Architektur-Highlight Uni: Nicht nur Architektur-Interessierte werden begeistert sein: Das Library and Learning Center der Wirtschaftsuniversität Wien am Nordrand des Praters kommt ziemlich schräg daher. Star-Architektin Zaha Hadid schuf den Bau mit seinen vielen Rundungen und schrägen Wänden. Unbedingt reingehen und staunen.

18.30 Uhr, Idylle an der Alten Donau: Hat man die Donau überquert, lohnt ein Bummel entlang der Alten Donau, einem Nebenarm des Flusses. Gemächlich ziehen Ruderboote vorbei, Kinder planschen lachend im Wasser, Enten schnattern - Urlaubsidylle mitten in der Stadt. Etwas Stärkung gefällig? Von hausgemachten Spinatnockerln über warmen Topfenstrudel bis zu französischen Fischspezialitäten werden unterwegs in urigen Strandbeisln und schicken Bistros feine Leckereien angeboten.

20 Uhr, Sundowner mit Reggae: Zum Sonnenuntergang ist der Copa Beach am Donauufer ein angesagtes Ziel. Versunken im Liegestuhl, die Füße im weichen Sand, in der Hand einen kühlen Cocktail und im Hintergrund rhythmische Klänge aus der Strandbar - so geht Sommer-Feeling in Wien.

Zweiter Tag: Frühstück im Franziskanerviertel und Cocktails mit 360-Grad-Blick

10 Uhr, Frühstück im Kleinen Café: Gut versteckt hinter dem Stephansdom verbirgt sich ein charmantes Viertel, das Besucher wie Einheimische immer wieder aufs Neue begeistert: das Franziskanerviertel. Es zählt zu den ältesten Stadtteilen Wiens. In verwinkelten Gassen und schönen Höfen locken hübsche Geschäfte mit Antiquitäten, Mode und Wohnaccessoires. Zum Frühstück gibt es Croissants und eine große Melange im Kleinen Café. Es ist wirklich sehr klein, aber auch sehr gemütlich.

11 Uhr, Aufstieg zur Türmerstube: Gut gestärkt geht es zum Wiener Stephansdom, liebevoll auch Steffl genannt. Wer gut bei Puste ist, steigt die 343 Stufen der engen Wendeltreppe auf den Südturm und wird in der Türmerstube mit einem spektakulären Blick über Wien belohnt. Bequemer und ebenso aussichtsreich ist die Fahrt mit dem Aufzug zu Europas zweitgrößter freischwingender Glocke, der Pummerin, an der Nordtreppe.

13 Uhr, Sisi Museum - ein Highlight für Fans: Sisi-Fans und heimliche Royalisten werden begeistert sein. Im Sisi-Museum in der Hofburg tauchen Besucher in das Leben der berühmten Kaiserin ein. In den Kaiserappartements ist ihr pompös eingerichtetes Schlafzimmer sowie das Ankleidezimmer mit ihren Turngeräten zu sehen - längst vergangener Prunk zum Träumen.

14 Uhr, Slow Food der besonderen Art: Raus aufs Land geht‘s am Nachmittag mit der U-Bahn-Linie 1 in knapp 40 Minuten zu einem besonderen kulinarischen Erlebnis. In der Wiener Schnecken Manufaktur bietet Andreas Gugumuck das langsamste „Slow Food“ anschaulich, humorvoll und sehr appetitlich an. Seine Schnecken in Balsamico sind der Renner. „Das ist die Einstiegsdroge, die mag jeder“, sagt Gugumuck und verscheucht damit auch bei den größten Skeptikern letzte Hemmschwellen. Vom aromatischen Geschmack können sich die Besucher in der Gartenbar bei einem mehrgängigen Schneckenmenü überzeugen. Sein Geheimtipp sind Schnecken mit Champagner.

20 Uhr, Nightlife im 18. Stock: Zurück in der City bietet sich als abendlicher Ausklang das Loft im 18. Stock des Hotels SO/ Vienna an. Die Wiener Cocktailbar leuchtet wie ein Ufo über der Stadt mit 360 Grad-Blick auf ganz Wien. Hier wird mit Elektro-Beats die Nacht zum Tag gemacht und ausgelassen gefeiert.

Dritter Tag: Kulinarisches auf dem Naschmarkt und finale Weinprobe mit Fernblick

8 Uhr, Frühstück: Der Naschmarkt ist der „Bauch“ von Wien. Etwa 120 Marktstände und Lokale verführen mit einem umfangreichen kulinarischen Angebot. Die hübschen Restaurants decken so gut wie alle internationalen Frühstücksvarianten ab. Es werden orientalische, amerikanische, schweizerische und natürlich Wiener Frühstücke angeboten - um nur einige zu nennen. Außerdem gibt es Eierspeisen, Früchte, Müslis, Bagels, Pancakes und noch vieles mehr. Am Wochenende sorgen mitunter DJs für Unterhaltung.

10 Uhr, Entdeckungen im Museumsquartier: Eine Ausstellung besuchen, gemütlich einen Kaffee trinken oder eine künstlerische Performance erleben - im Museumsquartier ist das alles möglich. Dazu gehören die weltgrößte Egon-Schiele-Sammlung im Leopold-Museum, Werke der klassischen Moderne, Pop Art und Konzeptkunst im Mumok. Zum Chillen laden die eckigen Sitzgelegenheiten im Museumsquartier-Innenhof ein. Sie heißen übrigens „Enzis“ und bekommen jedes Jahr eine neue, von den Wienern gewählte Farbe.

13 Uhr, Stehimbiss mit Kultcharakter: Wenn der kleine Hunger kommt, ist es höchste Zeit, im Stehimbiss von Franz Trzesniewski in der Dorotheergasse einzukehren. Die belegten Brötchen sind eine Wiener Institution - seit 120 Jahren. Dazu trinkt man traditionell einen Pfiff Bier, die eher unübliche Menge von einem Achtelliter.

14 Uhr, Luxus am Kohlmarkt: Prada, Fendi, Armani - es glitzert und funkelt am Kohlmarkt. Hier reihen sich die Geschäfte der großen Luxusmarken aneinander. Auch wer gerade keine Couture-Robe für mehrere Tausend Euro kaufen möchte, kann sich von den aufwendig gestalteten Schaufenstern zum Träumen verführen lassen.

15 Uhr, Café Demel - viel mehr als ein Cafébesuch: Einspänner, Verlängerter, Großer Brauner - „Haben schon gewählt?“ Bis heute werden die Gäste des ehemaligen Hofzuckerbäckers Demel wie vor 200 Jahren nur in der dritten Person Plural angesprochen. Schon Kaiserin Elisabeth war ganz vernarrt in das lilafarbene Veilcheneis. Eine weitere Besonderheit ist die gläserne Schaubackstube, in der man den Konditormeisterinnen und -meistern über die Schulter schauen kann.

16 Uhr, Weinprobe mit Fernblick: Ein ereignisreicher Sommertag klingt mit netten Menschen bei einem kühlen Glaserl Wein besonders entspannt und gesellig aus. Dazu wandert man am besten hinauf auf den Nussberg oberhalb Grinzings. Gleich neben dem Weinberg genießen die Gäste im Buschenschank den Gemischten Satz - eine Wiener Weinspezialität, eine zünftige Brettljause und die schönste Aussicht auf die lebenswerteste Stadt der Welt.

Noch keine Kommentare