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Museumsquartier Osnabrück Wie sich das Osnabrücker Museumsquartier dem Thema der Stadt verschrieben hat

10.08.2021, 10:40 Uhr

Einen städtebaulichen Bogen vom frühen 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart spannt das Gebäudeensemble zwischen Lotter Straße und Wall, das im Zusammenspiel das Museumsquartier Osnabrück bildet. Inhaltlich sind das Felix-Nussbaum-Haus, das Kulturgeschichtliche Museum, die Villa Schlikker und das Akzisehaus durch die Idee des Friedens miteinander verbunden.

Die Frage, wie wir in Frieden miteinander leben können und wollen, umtreibt sämtliche Ausstellungen, Publikationen, Veranstaltungen und andere Aktivitäten aller vier Häuser des Quartiers – nicht nur als zentrale Frage unserer Zeit, sondern auch als Selbstverpflichtung, das Motto der Stadt zum Leitmotiv des eigenen Denkens und Handelns zu machen: „ ... wo Frieden Geschichte und Zukunft hat“. Mit den vielfältigen Mitteln des künstlerischen Ausdrucks und einer spannenden, lebensnahen Aufbereitung der Stadtgeschichte möchte das Museumsquartier Osnabrück seine Besucher dazu einladen, selbst Teil des Friedensprozesses zu werden, indem sie über die Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart nicht nur der Stadt neue Sichtweisen und Zukunftsperspektiven entwickeln und erproben.

Ein entsprechender Aufforderungscharakter wohnt beispielhaft der jüngst eröffneten, neuen Dauerausstellung „Stadtspuren“ im Kulturgeschichtlichen Museum inne. Hier können nicht nur Epochen, Meilensteine und wichtige Wendepunkte der Stadtgeschichte vom achten Jahrhundert bis zur Gegenwart auf so unterhaltsame wie plastische Weise mit allen Sinnen nachvollzogen werden. Ein „Stadtmodell der Zukunft“ lädt auch dazu ein, sich an der Vision eines Osnabrücks von morgen aktiv zu beteiligen. Rahmen- und Begleitprogramme ermöglichen es zudem, auch die jeweils ganz eigene, persönliche Geschichte zu ergründen. „Das fördert das Verständnis für Gemeinsamkeiten und Differenzen und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und friedvollen Stadtgesellschaft“, betont Museumsdirektor Nils-Arne Kässens.

Verknüpfung zweier Jahrhunderte

Während das Kulturgeschichtliche Museum als erstes in Osnabrück im Jahre 1890 für das Publikum eröffnet wurde, gesellte sich mehr als 100 Jahre später das Felix-Nussbaum-Haus hinzu. Es beherbergt die international größte Sammlung von Werken des Osnabrücker Malers, der 1904 in Osnabrück geboren und 40 Jahre später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Wie kein zweiter Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat er seine Erfahrungen der Kriegs- und Zwischenkriegszeit in Bildern festgehalten. Einen würdigen Rahmen für deren Präsentation erschuf der amerikanische Dekonstruktivist und Stararchitekt Daniel Libeskind, der das 1998 unter großer weltweiter Beachtung eröffnete Felix-Nussbaum-Haus auch als architektonisches Mahnmal konzipiert hat. Nussbaums künstlerisches Vermächtnis begreifen die Macher des Museumsquartiers heute ausdrücklich als „Auftrag für friedenspolitisches Engagement“.

Begegnungs- und Veranstaltungsort

Auch die um 1900 erbaute Villa Schlikker ist an den epochenübergreifenden Gebäudekomplex angebunden. Als ehemaliges Hauptquartier der Osnabrücker Nationalsozialisten noch vor deren Machergreifung fordert sie zur Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte heraus. Zum 375. Jubiläum des Westfälischen Friedens im Jahr 2023 soll sie aber auch zu einem lebendigen Begegnungsort und einem „Friedenslabor“ werden – vermittelt über eine neue

Ausstellung, die sich unter anderem mit der Ambivalenz des Osnabrücker Juristen Hans Georg Calmeyer beschäftigt, der seinerzeit vielen jüdischen Mitbürgern das Leben rettete, andererseits aber auch für den Tod vieler niederländischer Juden verantwortlich war. Das bereits um das Jahr 1817 herum im klassizistischen Stil erbaute Akzisehaus schräg gegenüber des Heger Tores dient dem Museumsquartier schließlich als offener Ort für Veranstaltungen. Lesungen, Konzerte, Vorträge oder Präsentationen sind hier ebenso möglich wie Partys oder kleinere Ausstellungen.

Von der Geschichte in die Zukunft

„Offen für jeden“ soll das wegen seiner vier Komponenten kurz „MQ4“ genannte Museumsquartier Osnabrück sein. „Programmatischer Bestandteil seiner Arbeit ist die größtmögliche Teilhabe aller an den Entwicklungen unserer Stadt- und Gesamtgesellschaft“, erläutert Kässens ein inklusives Konzept, das nicht nur durch Ausstellungen und Veranstaltungen vor Ort, sondern ebenso durch innovative Digitalformate auch ein „politisch und gesellschaftsbildnerisch interessiertes, neues und junges Publikum“ ansprechen und erreichen möchte. Interaktive Elemente, die multimediale Aufbereitung von Geschichte, Gegenwart und möglicher Zukunft sowie vielfältige Möglichkeiten des Austauschs mit anderen machen das Museumsquartier Osnabrück zu einem jener lebendigen und so gar nicht musealen „dritten Orte“, wie sie von der Stadtsoziologie als Ausgleich sowohl zu Schule und Beruf als auch zu Familie und Zuhause beschrieben werden.

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