Service Nachhaltiger unterwegs

Von Tinga Horny | 16.11.2022, 06:00 Uhr

Höhere Kosten und weniger Spaß gehören zu den Ursachen, warum so mancher beim Thema „Umwelt und Urlaub“ weghört. Dabei kann jeder mit kleinen Dingen etwas bewegen.

Umweltbewusster zu reisen heißt nicht gleich Verzicht. Niemand muss sofort das ganz große Umwelt-Rad drehen. Zwischen Fernreise und Nur-Zuhause-Urlaub gibt es noch viele Reisevarianten dazwischen. Mit kleinen Verhaltensänderungen verbessert zwar keiner das Klima sofort, aber es ist schon mal ein Anfang. Je mehr Menschen rücksichtsvoller mit der Umwelt umgehen, desto besser.

Beginnen wir mit den ganz einfachen Dingen. Wer Badeurlaub an der See - egal wo - verbringt, wird sich mit Sonnencreme einschmieren. Möglichst wasserfest und viele Stunden lang wirksam soll der Schutz sein. Um das zu erreichen, setzen die Produzenten synthetische Stoffe ein. In Europa und vielen anderen Ländern ist das dafür gerne verwendete umweltschädliche Oxybenzon zwar verboten, aber der Ersatzstoff Octocrylen ist auch nicht viel besser. Da er nicht wasserlöslich ist, gelangt er in alles, was im Nass lebt. Aber wer will schon die Reste seiner Sonnencreme im gegrillten Fisch essen oder Korallenriffe damit zerstören? Die Alternative heißt Bio-Sonnencremes mit mineralischem UV-Schutz und ohne Nanopartikel.

Ein bisschen mehr Gepäck nehmen Reisende in Kauf, denen das Thema „Plastikmüll“ am Herzen liegt. Rund 450 Jahre dauert es, bis die Natur eine PET-Flasche zerlegt hat. Eine mitgebrachte Trinkflasche bedeutet deswegen oft viele kleine Einweg-Plastikflaschen weniger unterwegs. In Ländern, wo das Trinkwasser nicht aus der Leitung kommt, hilft zumindest der Kauf einer großen Wasserflasche, den Müll etwas zu reduzieren, indem man daraus seinen Bedarf in die eigene Wasserpulle abfüllt. Übrigens: Eine Plastiktüte treibt bis zu 20 Jahre im Ozean, bis sie vollständig aufgelöst ist. Wer also noch ein bisschen Platz in der Handtasche oder im Rucksack hat, der packt auch noch eine Jutetasche oder ein Einkaufsnetz ein.

„Bitte nicht füttern“ oder „Bitte verlassen Sie diesen Pfad nicht“: Egal ob im Wald, in der Steppe, im Dschungel oder der Wüste, wer wandert und Tieren begegnet wird Schildern mit Vorschriften begegnen. Sich an diese Regeln zu halten, bedeutet keinen Verzicht, sondern Rücksicht. Tiere vertragen nicht immer artfremde Nahrung oder vermehren sich durch zu viel Futter unkontrolliert, das Ausreißen von Pflanzen kann zu deren Verschwinden führen. Wirklich große Auswirkungen hat jedoch das Verlassen von Naturpfaden. So mancher geht gerne querfeldein, weil er die Einsamkeit schätzt. Außerdem wollen viele oft nur das optimale Selfie ohne Menschen im Hintergrund machen. Aber wenn viele Menschen von den Wegen abweichen, stören sie nicht nur Tiere, sondern zertreten geschützte Pflanzen. Viele Ökosysteme zu Wasser (Korallenriffe) und zu Lande sind so empfindlich, dass exzessiver menschlicher Kontakt sie zerstört.

Die nächste Eskalationsstufe in Sachen nachhaltiges Reisen heißt tatsächlich Verzicht. Wer Natur nicht nur als Konsumprodukt für die Freizeit betrachtet, der muss sich tatsächlich fragen, ob umweltschädliche Massenaktivitäten in den Bergen wirklich sein müssen. Die einseitige Konzentration vieler Alpenorte auf Skitourismus stößt an ihre Grenzen. Der Klimawandel lässt Gletscher immer schneller schmelzen und viele Skigebiete müssen ihre Pisten aufwendig künstlich beschneien. Das ist CO2-haltige Ressourcenverschwendung in jeder Hinsicht. Schneeschuhwandern, Langlauf oder Wandern bieten sich als Alternativen an.

Viele würden es nicht als Verzicht sehen, manche jedoch als Komfortverzicht: Wer keine Vollpension oder gar All-inclusive-Verpflegung in seiner Unterkunft bucht, unterstützt die ansässige Bevölkerung. Das gilt auch für kleine Pensionen, Einkäufe auf Märkten und in heimischen Geschäften. Das Geld fließt in solchen Fällen direkt in die lokale Privatwirtschaft. Große internationale Bettenketten haben zweifellos ihre Berechtigung. Sie bieten in jedem Land westlichen Standard und Komfort, aber sie sind zuallererst daran interessiert, dass die Gäste ihr Geld im Hotel lassen und nicht in der Umgebung.

Bevor Corona den Tourismus komplett lahmgelegt hat, war Overtourism das Problem. Dubrovnik und Venedig waren als Negativbeispiele in aller Munde. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne auch, den Tourismus zu entzerren und Alternativen anzusteuern. Machu Picchu und Angkor Wat sind wirklich schwer zu toppen, aber der Massentourismus ist dabei, diese einmaligen Ruinen zu zerstören. Andere Urlaubsziele sind leichter auszutauschen. Also warum nicht mal nach Menorca statt Mallorca, Chioggia statt Venedig? Auch Griechenland besteht aus mehr Inseln als nur Kreta, Mykonos, Rhodos und Santorin.

Die letzte Steigerungsstufe in Sachen nachhaltiger Urlaub besteht in der Bereitschaft, zugunsten der Umwelt tiefer in die Tasche zu greifen. Das beginnt natürlich schon damit, bei einer Flugreise den entsprechenden Obolus für die CO2-Kompensation zu bezahlen. Pro Person kommt zum Beispiel einen Hin-und Rückflug von Frankfurt nach Mallorca auf 18 Euro, nach New York auf 84 Euro zusätzlich zum Flugticket. Vor Ort geht es dann weiter mit dem Mietwagen. Es muss nicht unbedingt ein Diesel oder Benziner sein, sondern ein Hybrid-Fahrzeug zu einem etwas höheren Tarif. Wird der Wagen dementsprechend energiesparend gefahren, dann freut sich das Klima wirklich. Was die Nachhaltigkeit der Touristikanbieter betrifft, so sind es Studien- und Erlebnisreiseveranstalter wie Gebeco und besonders Studiosus, die sich dem Thema verschrieben haben. Zudem haben sich im Forum Anders Reisen rund 100 kleine und teils sehr spezialisierte Reiseunternehmen mit dem gleichen Anliegen zusammengefunden.

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