Radurlaub in Deutschland In fünf Tagen von Bamberg nach Bayreuth

Von Gerd Krauskopf | 27.10.2022, 06:00 Uhr

Eine Radtour auf der Burgenstraße von Welterbe zu Welterbe mit allen Zutaten, die das Land so liebenswert machen: Wälder, Wiesen, idyllische Flusstäler, hübsche Städtchen, 16 Burgen und Schlösser sowie kulinarischer Genuss.

Der Abend senkt sich auf den Stephansberg in Bamberg. Unter mächtigen Platanen genießen die Gäste im Biergarten des „Spezial-Bräu“ den Blick auf das Weltkulturerbe mit Kaiserdom und Kloster Michaelsberg. Während ich den letzten Schluck des kühlen Rauchbiers trinke, erzählt Stadtführerin Petra Gaulitz davon, dass die Einheimischen nicht in den Biergarten gehen, sondern „auf einen der Keller“, die es auf den Hügeln um Bamberg herum gibt. Die Keller sind ehemalige Stollen, wo früher Scheuersand abgebaut wurde und die Brauer im 19. Jahrhundert ihr Bier lagerten. Heute verbringen die Bamberger dort laue Sommerabende bei einem frisch gezapften Seidla und einer zünftigen Brotzeit.

In Bamberg starte ich eine 200 Kilometer lange, fünftägige Radtour auf der Burgenstraße von Bamberg nach Bayreuth. Die Route ist ein Teilstück der 770 Kilometer langen Burgenstraße. Und da im Mittelgebirge mit kleinen und mittleren Steigungen zu rechnen ist, habe ich mich für ein E-Bike entschieden, das ich mir in Bamberg ausgeliehen habe.

Dabei geht es ganz unspektakulär los. Eine Karte brauche ich nicht, denn die Beschilderung des Radweges „Burgenstaße“ ist gut. Jetzt, da ich den ebenen Weg nach Ebern unter meine Räder nehme, bin ich hinter Bamberg von der Stille in der Natur begeistert. Im Nu ist der Alltagslärm vergessen. Also einfach treiben lassen und den Wegweisern folgen. Glanzpunkte setzen kleine Höfe inmitten von Feldern, umgeben von schattenspendenden Wäldern.

Unter dem riesigen Grauturm in Ebern passiert es: Es gibt einen Knacks und die Kette ist gerissen. Zum Glück besitzt das hübsche kleine Städtchen zwei Radgeschäfte. Im „bike-store“ bekomme ich sofort unkomplizierte Hilfe. Und schon geht es weiter zu Schloss Eyrichshof. Malerisch wurde es inmitten einer Grünanlage in Pose gesetzt und diente mehrfach als Filmkulisse. Die kleinen und großen Steigung in Richtung Seßlach sind mit dem E-Bike kein Problem. Die beeindruckende Burgruine Altenstein im Ortsteil von Maroldsweisach sowie die Burg- und Burgruine Lichtenstein stellen allerdings schon eine ganz schöne Herausforderung für die aus dem Weisach-Baunach-Grund strampelnden Beine dar. Weiter geht‘s von der Höhe herunter durch schattigen Wald und mit angenehmem Fahrtwind.

Das wunderschöne mittelalterliche Städtchen Seßlach wartet mit einer Kuriosität auf: Es ist die einzige Stadt in Deutschland, die sich einen eigenen Braumeister leisten kann. So hat Michael Lengenfelder vor über einem Jahr den langjährigen Braumeister Reiner Krippner abgelöst. Einmal im Monat, immer an einem Samstag, wenn der Sud fertig ist und abgeholt werden kann, warten Seßlacher und Liebhaber dieses Bieres mit Fässern, Kannen oder Eimern in der Pfarrgasse, um diese befüllen zu lassen. Dieses Bier gibt es bis heute nicht in Flaschen.

Weiter geht‘s am zweiten Tag in Richtung Heldburg in Thüringen durch das Gebiet der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Auf dem gut 400 Meter hohen Vulkankegel ist die Veste Heldburg auf schon von weitem zu sehen. Die mittelalterliche Höhenburg wurde im 16. Jahrhundert als Schloss im Stil der Renaissance umgebaut und ist heute ein exzellentes Beispiel der Burgenromantik. Wieder unterwegs erreiche ich am späten Nachmittag bei strammen Gegenwind Coburg. Die oberfränkische Residenzstadt hat einen der schönsten Marktplätze in Deutschland.

Bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Veste Coburg auf steilem Berg. Die historische Verteidigungsanlage wird am dritten Tag mit voller Leistung für Beine und Elektroantrieb erstürmt. Eher moderat geht es weiter nach Kronach, mit der sich schon lange vor der Ankunft zu sehenden Festung Rosenberg. Bestimmt habe ich während der Fahrt zu oft nach ihr, statt auf die Beschilderung des Radweges geschaut und bin vom Kurs abgekommen. Zwei junge Mädchen, die den gleichen Weg haben wie ich nehmen mich in ihre Mitte und im Nu erreichen wir den Einstieg zur Oberstadt, die von einer mächtigen Stadtmauer umschlossen ist. Hier wurde vor 550 Jahren der weltberühmte Maler Lucas Cranach der Ältere geboren. Das feiert die Stadt mit einer ganzjährigen Ausstellung in der Festung Rosenberg unter dem Titel: „Cranach & Kronach. 550 gemeinsame Jahre?“

Am vierten Tag geht‘s von Kronach nach Kulmbach. Nach vielen Steigungen und genauso vielen schönen Abfahrten erreiche ich die Kreisstadt am Zusammenfluss des Roten und Weißen Mains, die für Biere von Weltruf bekannt ist und als Geburtsort von Thomas Gottschalk. Hier verpasse ich nicht, mir am Abend ein Schäufele schmecken zu lassen. Dazu gehört die deftige Schweineschulter mit knuspriger Kruste, die in Franken zu den beliebtesten Gerichten gehört und mit Sauerkraut und Klößen serviert wird.

Eine wunderschöne Landschaft bestimmt den letzten Radeltag auf der Burgenstraße entlang des Roten Main mit saftigen Weiden in kräftigem Grün und Kornfeldern. Vor Altdrossenfeld ist für Radfans wie mich das Steinerne Fahrrad ein Hingucker. Gerne hätte ich ein Foto von mir gehabt, wie ich auf diesem kunstvoll aus Stein errichteten Rad sitze. Aber niemand ist weit und breit zu sehen, der es von mir machen könnte. Also klettere ich wieder auf meinen Sattel und es geht entspannt dem Tourenziel Bayreuth entgegen.

Mehr Informationen:

Radwanderführer: Radfahrer haben es im Frankenland auf der Burgenstraße von Bamberg bis nach Bayreuth, bis auf einen kurzen Abstecher nach Thüringen (Heldburg) leicht, denn hier gibt es ein gutes Radwegenetz. Empfehlenswert ist der Radwanderführer „Radeln von Burg zu Burg“.

Jedes Jahr werden in Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele medial gut vermarktet, wobei das Markgräfliche Opernhaus, das seit 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, leider ein Schattendasein fristet. Für mich findet die Radtour ihren standesgemäßen Abschluss abseits des Stadtlebens in der historischen Parkanlage Eremitage. Hier, bei einem kühlen Abschlussbier, gehen die Gedanken zurück nach Bamberg, wo man nicht in den Biergarten geht, sondern auf dem Keller sein kühles Rauchbier genießt.

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