Für die nächste Flugreise GPS-Tracker im Fluggepäck

Von Tinga Horny | 12.11.2022, 06:00 Uhr

Wegen Personalnot ist bei Flügen weiterhin mit Verspätungen und Streichungen zu rechnen - und mit verlorenen Koffern. Schutz und Hilfe versprechen kleine GPS-Sender.

In knapp zwei Jahren hat es Apple AirTag geschafft, zum Verkaufshit zu werden. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 21 Millionen von diesen GPS-Trackern in der Größe einer Zwei-Euro-Münze verkauft. Bis zum Ende dieses Jahres könnten es 35 Millionen verkaufte GPS-Buttons werden. Für kontrollbesessene Konsumenten ist das Teil - das Viererpack kostet rund 25 Euro - ideal: Damit lässt sich alles wiederfinden, vom Kind über den Hund bis zum teuren Fahrrad.

Warum also sollten die kleinen runden Technik-Buttons nicht auch Reisetaschen und Koffer absichern? Dem Fluggast mitteilen, ob es das gute Stück überhaupt in den Bauch des Fliegers geschafft hat? Gerade in Zeiten von Verspätungen und Annullierungen geht das Gepäck containerweise verloren. Zur Erinnerung: Im September lagerten immer noch Tausende von Gepäckstücken an den Flughäfen, weil die Airlines wegen fehlenden Personals nicht nachkamen, sie an die Besitzer auszuliefern.

Schlaue Passagiere setzten deswegen AirTags oder ähnliche Produkte mit Beginn des Flugchaos im Frühsommer vermehrt ein. Doch Handgepäck oder Koffer mit GPS-Trackern wurden an deutschen Flughäfen nicht gerne gesehen. Und das, obwohl die kleinen Geräte nicht mit kiloschweren Akkus voller Lithium, sondern mit winzigen Knopfzellen ausgestattet sind. Sie sind zudem nicht mobilfunkfähig und kommunizieren über Bluetooth und Ultra-Wideband-Funk im Nahbereich, um ihre Standorte mitzuteilen.

Trotzdem stand die Frage im Raum, ob AirTags die Flugsicherheit gefährden? Bis vor Kurzem gingen daher Airlines wie die Lufthansa auf Nummer sicher und bezogen sich auf die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die Objekte wie GPS-Tracker als „Portable Electronic Device“ (tragbares elektronisches Gerät) einordnet und somit zum Gefahrengut zählt. Allenfalls ausgeschaltete - und somit nutzlose - AirTags hätten unter diesen Umständen mitfliegen dürfen.

Andere Airlines wie Tuifly gingen von Anfang an mit den Mini-Sendern entspannter um. Dem Portal Reisereporter sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt: „Für uns geht das in Ordnung.“ Die Batterieleistung sei so gering, dass es keine Restriktionen gebe. Auch der Flughafen Zürich sieht in AirTags keine Gefahr, warnt aber vor stärkeren GPS-Trackern sowie in Koffern fest eingebauten Geräten. In den USA hatte die US-Transportsicherheitsbehörde TSA den Apple AirTag sowieso längst zugelassen.

Die Frage, ob AirTags überhaupt sinnvoll auf Flügen sind, fällt nicht eindeutig aus. Denn aufgegebenes Gepäck wird mit einem codierten Bag-Tag ausgezeichnet. So weiß die Airline jederzeit, wo sich der Koffer befindet; sie kann also auch mitteilen, wo er gerade lagert. Sollte der Koffer tatsächlich nicht mitgeflogen sein, erspart kein AirTag der Welt dem Betroffenen die Schererei mit der Verlustmeldung am Lost & Found-Schalter. Am oder im Handgepäck jedoch bietet so ein GPS-Sender einen gewissen Schutz vor Langfingern.

Nun aber hat sich die Lufthansa dem Flugportal Aerotelegraph.com zufolge selbst Klarheit verschafft und beim Luftfahrtbundesamt nachgefragt, ob AirTags und ähnliche GPS-Tracker an Bord erlaubt sind. Die Antwort hat die Fluggesellschaft Mitte Oktober (12.10.2022) über Twitter verbreitet: „Das Luftfahrtbundesamt hat heute bestätigt, dass es unsere Risikoeinschätzung teilt, dass Ortungsgeräte mit sehr geringer Batterie- und Sendeleistung im aufgegebenen Gepäck kein Sicherheitsrisiko darstellen.“

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