Deutschland Nordsee-Glück am Deich

Von Karsten-Thilo Raab | 23.10.2022, 06:00 Uhr

Als Tor zu den nordfriesischen Inseln wird der Fährhafen Dagebüll oft vernachlässigt. Doch wer nicht unbedingt einen Sandstrand braucht, der findet hier Deichwanderwege, eine Lorenbahn durchs Watt und ein Leuchtturm-Hotel

Eigentlich ist die Lage perfekt: Die Nordsee und das Weltnaturerbe Wattenmeer direkt vor der Haustür, kaum mehr als ein Steinwurf ist es bis zur Insel Föhr. Auch Amrum, Sylt und Helgoland sind von der Mole aus mit Fähren zu erreichen. Zum perfekten Meeresglück fehlt Dagebüll nur ein Sandstrand. Trotzdem lohnt sich ein Besuch hoch im Norden Nordfrieslands.

Zum Sonnenbaden dienen in Dagebüll allein die Wiesen am Deich. Dabei ist der im Jahr 2019 fertiggestellte Deich in drei Bereiche unterteilt: den Badeabschnitt, einen Hundestrand sowie einen FKK-Bereich. Der Wechsel der Gezeiten führt dazu, dass man dort, wo es sich bei Flut genüsslich baden lässt, bei Ebbe auf dem Meeresboden laufen kann. Und dabei gibt es viel zu entdecken. Denn Dagebüll liegt direkt am Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, das Lebensraum für eine Vielzahl an Lebewesen wie Wattwürmer, Pfeffermuscheln und Krebse ist. Ein besonderes Erlebnis ist hier eine geführte Wattwanderung zur sechs Kilometer entfernten Hallig Oland.

Markant sind die bunten Holzhäuser entlang des Deichs. Die Badebuden sind das farbenprächtige Markenzeichen der kleinen Gemeinde. Die ersten Holzverschläge wurden hier bereits im Jahr 1926 errichtet. Die meisten Buden sind heute allerdings im Privatbesitz. Eine Handvoll kann aber auch angemietet werden.

Einladend ist zudem der Deichwanderweg, der, wie der Name es verrät, auf und neben dem Deich an der Nordsee zwischen Dagebüll-Hafen, der Alten Muschelfabrik bis Dagebüll-Kirche als Rundkurs verläuft. 13 Infotafeln rücken entlang des Weges Land, Leute und Besonderheiten in diesem Teil Nordfrieslands in den Blick.

Markanteste Landmarke ist das Dagebüll Koog Unterfeuer. Ein Leuchtturm auf der wasserfernen Seite des Deichs aus rotem Klinker hat den Schiffen ab dem Jahr 1929 den Weg gewiesen. 1988 hatte das technisch in die Jahre gekommene, knapp 15 Meter hohe Bauwerk ausgedient - seither sorgt ein Leitfeuer auf der Hafenmole für die Orientierung der Schiffe. Derweil wurde der Leuchtturm zu einem ungewöhnlichen Minihotel für zwei Personen umgebaut.

In zahlreichen Abschnitten wird der Deich von grasenden Schafen bevölkert. Quer durch die Wiese verläuft auch ein Schienenstrang, über den historische Loren rollen. Nicht selten müssen sie dabei anhalten, da die Schafe gemütlich grasen und mitunter keine Anstalten machen, den Weg freizugeben. Die Feldbahn des Landesamtes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz versorgt die Hallig-Bewohner auf Oland und Langeneß mit dem Notwendigsten, steht aber nicht für touristische Fahrten zur Verfügung.

Mehr Informationen:

Weitere Informationen: Nordfriesland-Tourismus; Gemeinde Dagebüll

Übernachten: Zum Beispiel im Leuchtturm Dagebüll: Übernachtung mit Frühstück für zwei Personen ab 330 Euro für die erste Nacht, ab zwei Nächten 290 Euro pro Nacht.

Dagebüll-Hafen selbst ist relativ überschaubar. Moderne Ferienhäuser und Wohnungen wechseln mit einer Handvoll Restaurants, Souvenirläden und Schnellimbissen. Das Gros der Gäste sind Tagesausflügler, die mit der Fähre nach Föhr oder Amrum reisen möchten. Das Warten auf das nächste Schiff nutzen viele, um über die kleine Flaniermeile zu schlendern.

Ein idealer Ort, um das geschäftige Treiben zu beobachten, ist die Außenterrasse des Strandhotels Dagebüll mit Blick auf den Fähranleger, den Bahnhalt und die Nordsee. Zudem lassen sich von hier die mitunter spektakulären Sonnenuntergänge verfolgen. Ganz zu schweigen vom „Flanierkino“: Denn bei der Vielzahl an Menschen, die hier unterwegs sind, gibt es immer etwas zu sehen. Großes Möwen-Ehrenwort!

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