Spanien Barcelona, du Schöne

Von Matthias Bungeroth | 28.09.2022, 09:06 Uhr

Die katalanische Metropole geizt nicht mit ihren Reizen. Sie hat einen Stadtstrand ebenso zu bieten wie historische Bausubstanz, eine vielfältige Kulturlandschaft und natürlich gute Küche. 

Sie ist einfach ein majestätischer Anblick. Strahlend weiß liegt sie da, im Hafen von Barcelona. Die Juan Sebastián de Elcano ist der ganze Stolz der spanischen Marine. Der Viermaster, Baujahr 1927, mit einer Länge von 113 Metern, hat gerade am Kai festgemacht. Und das Geniale: Das prächtige Segelschulschiff mit einer Besatzung von mehr als 200 Mann hat seine Position exakt vor unserem Hotelzimmer bezogen. Es ist die erste, wenn auch unerwartete Entdeckung auf unserem Trip durch die katalanische Metropole. Und es soll nicht die letzte ihrer Art gewesen sein, wie wir in den kommenden Tagen feststellen werden.

Bezogen auf das Segelschulschiff gibt es gleich die nächste: Die Menschen stehen ab dem frühen Morgen zu Hunderten Schlange, um an Deck des Schiffs zu gelangen und sich die technischen Besonderheiten des mit 20 Segeln ausgestatteten Prachtexemplars erklären zulassen. In diesen Augenblicken scheinen die Animositäten zwischen Katalanen und Spaniern wie weggewischt zu sein. Die Seefahrertradition der Iberer ist einfach stärker.

Doch natürlich hat Barcelona auch an Land seine Reize – und das in fast unendlicher Zahl. Wer sie entdecken will, muss gut zu Fuß sein, oder aber sich mit den gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, Hop on Hop off-Bussen oder Rikschas auf den Weg durch den Großstadtdschungel begeben, die im City-Bereich von eifrigen Jungdynamikern in heißer Fahrt durch die Straßen manövriert werden.

Unser erster Rundgang beginnt – natürlich – in der Prachtstraße Rambla, die das Epizentrum des städtischen Lebens in Barcelona darstellt. Die Prachtstraße hat allerdings durch ihre enorme Überflutung mit Touristen durchaus an Charakter eingebüßt. Zudem muss man genau darauf achten, wo man einkehrt, um ein Getränk oder einen Mittagsimbiss einzunehmen. Denn die Preise sind in den Seitenstraßen durchaus ziviler, das Angebot ursprünglicher. Schön ist es trotzdem, dieses Menschengewirr zu erleben; einige Prachtfassaden aus vergangenen Jahrhunderten gibt es nach wie vor zu sehen.

Auf halber Strecke, in Höhe der Hausnummer 91, befindet sich die Markthalle La Boqueria. Das Geschehen dort ist sehr quirlig und farbenfroh, doch das weitläufige Terrain ist aufgrund seiner Nähe zur Einkaufsmeile auch sehr touristisch geworden. Entsprechend aufmerksam sollte man seine persönlichen Dinge im Auge behalten. Taschendiebe lieben das Markttreiben ebenfalls. Tipp: Die Markthalle Santa Caterina unweit des Picasso Museums mit seinem spektakulären, geschwungenen und mit Tausenden bunten Kacheln gedeckten Dach ist weitaus schöner, bietet mit seinen rund 100 Ständen ein breites Angebot katalanischer Spezialitäten und wird deshalb auch von Einheimischen sehr gut frequentiert. Ein Mittagsimbiss mit gegrilltem Gemüse, Fisch und einem trockenen Weißwein in der Bar/Restaurant Le Univers ist ein Gedicht!

Danach hat man genügend Energie getankt, um sich im gotischen Viertel durch die engen Gassen treiben zu lassen und dabei auch die Kultur nicht außen vor zu lassen. Tipp: Das Mocco Museum, ein Ableger des gleichnamigen Museums in Amsterdam, ist ein absoluter Kracher für alle, die etwas mit zeitgenössischer Kunst anfangen können. Im historischen Ambiente unter gotisch anmutenden Gewölbebögen finden sich Werke von Banksi, Warhol und vielen anderen. Barcelona ist ein exzellentes Pflaster für Kultur; die Museumslandschaft ist breit gefächert. Kein Platz ohne eine wertige Skulptur, die eine hochmodern, die andere aus vergangenen Jahrhunderten.

Was für Paris der Eiffelturm ist, ist für Barcelona die Sagrada Familia, jene unfassbare Kathedrale, die immer noch auf ihre Vollendung wartet, aber dennoch schon jetzt in einer Pracht daherkommt, die atemlos macht. Tipp: Man sollte sein Ticket im Internet vorab buchen, das spart vor Ort jede Menge Zeit. Und: Je früher am Tag man dort eintrudelt, desto besser. Selbst, wenn vor dem Eingang scheinbar endlose Menschenschlangen warten: In dem riesigen Gotteshaus verstreuen sich die Besucher in alle Himmelsrichtungen. Andächtig lenken wir unseren Blick nach oben; bunte Lichter dringen über zahlreiche Fenster in das Gebäude. Die Säulen, die das Dach tragen, sollen einem Wald nachempfunden worden sein. Ein Bild, das sich auch uns aufdrängt. Wunderbar, zeitlos und einfach einzigartig.

Am nächsten Tag gehts zum Ausgleich auf eine Stadtwanderung, über die Plaça de España hin zu den venezianischen Türmen und hinauf auf den Berg hin zum katalanischen Nationalmuseum, von dem aus man einen grandiosen Panoramablick über große Teile der Stadt hat. Weiter geht es zum Castell de Montjuic, ebenfalls auf einem Hügel gelegen und mit wunderbarem Blick auf den Hafen lockend. Im großen Bogen führt uns der Weg durch bewaldete Hügel hinab bis zum Olympiastadion und wieder zurück zur Plaça de España, direkt neben einer ehemaligen Stierkampfarena gelegen, die aber mangels Interesse der Katalanen an dieser blutigen Tradition zu einem Einkaufszentrum umgebaut wurde. Die Metro bringt uns wieder ins historische Zentrum. Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut und leicht zu nutzen.

Nach einem so anstrengenden Tag muss ein gutes Dinner her. Tipp: Das sautierte Rind im Restaurant Viana zergeht auf der Zunge! Unbedingt vorbestellen, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Alternativ lockt das Sensi Bistro mit individuellen Versionen von Tapas. So macht Genießen Spaß.

Doch das Schönste kommt zum Schluss: Am letzten Tag geht es hinauf zum Park Güell, der ebenfalls vom Künstler Gaudi gestaltet wurde. Mit einem grandiosen Blick über die Stadt ausgestattet, bestaunen wir die Balustraden und Säulengänge, die mit einer schier unendlichen Zahl von bunten Fliesen verziert wurden. Auch hier ist der Morgen am schönsten, wenn die Sonne das Meer zum Glitzern bringt und die Metropole noch schläft.

Mehr Informationen:

Destination: Barcelona ist das ganze Jahr über ein überaus attraktives Städtereiseziel. Allerdings hatte sich der Tourismusmarkt mit rund 14 Millionen Urlaubern im Jahr 2019, also vor der Corona-Pandemie, etwas überhitzt. Doch man hat aktuell den Eindruck, alle Gäste aus dem In- und Ausland werden wieder mit offenen Armen empfangen. Weniger überlaufen ist die Stadt von März bis Mai und ab September bis hinein in den Herbst.

Anreise: Die katalanische Metropole wird von zahlreichen deutschen Flughäfen aus angeflogen, oftmals direkt. Die Flugzeit ab Düsseldorf beträgt zum Beispiel 2 Stunden, 20 Minuten. Doch Vorsicht: Scheinbar besonders günstige Angebote entpuppen sich später gar nicht als so günstig, wenn die Gebühren fürs Gepäck und die Platzreservierung hinzukommen.

Tipp: Wer mehrere Tage dort ist, für den lohnt sich auf jeden Fall die Barcelona Card mit zahlreichen Vergünstigungen. www.barcelona.de

Den Abend beschließen wir am Stadtstrand, unweit vom Hafen. Der Wind frischt auf. Ein paar hundert Meter weiter rüstet die Juan Sebastian de Elcano zum Auslaufen. Unter den Klängen einer Militärkapelle gleitet der Viermaster vorbei. Es wird nicht der letzte Besuch des Segelschulschiffs in Barcelona gewesen sein. Auch wir sind sicher: Wir werden wiederkommen.

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