Vorstellung erster Modelle Zukunft der Mobilität – Wie realistisch sind Flugtaxis?

Von Viktoria Meinholz | 11.03.2019, 18:13 Uhr

Nachdem Deutschland bei Elektroautos lange geschlafen hat, will die Regierung nun bei autonomen Flugtaxis zum Weltmarktführer werden. Doch es gibt noch einige Widerstände zu bezwingen.

Es klingt noch immer nach Sciene-Fiction, wenn von Flugtaxis die Rede ist. Doch an fliegenden Autos wird seit Jahren weltweit gearbeitet. Als Dorothee Bär im vergangenen Jahr im "Heute Journal" über Flugtaxis sprach, musste die Digital-Staatsministerin viel Spott ertragen. Ein Jahr später hat sie nun gemeinsam mit Verkehrsminister Andreas Scheuer die ersten Lufttaxi-Modelle von Airbus vorgestellt. Die Zukunft der Mobilität – liegt sie in der Luft?

Kommentar: Flugtaxis – Mehr als eine Illusion

Glaubt man dem Verkehrsminister, dann stecken in dem in Ingolstadt vorgestellten CityAirbus zumindest viele Chancen. Über diese solle man bei der neuen Technologie eher sprechen, als über neue Regelungen oder Verbote, meint Scheuer. Doch nicht jeder ist von der Idee der Flugtaxis begeistert. "Es sollten primär die Probleme auf der Straße gelöst werden, um dann zu schauen, was in der Luft getan werden kann", so Mobilitätsexperte Andreas Knie gegenüber dieser Zeitung. Der aktuelle Stand der Technik

Der CityAirbus ist eine elektrobetriebene, drohnenähnliche Maschine mit vier Sitzplätzen und acht Rotoren. Er hat eine Reichweite von etwa 50 Kilometern und eine dem Auto vergleichbare Spitzengeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. Zunächst wird er nur auf einem Testgelände nahe Ingolstadt abheben, wo Mitte des Jahres die Praxistests beginnen sollen. Flüge über bebautem Gebiet sind vorläufig noch nicht möglich, weil es noch keine Zulassung dafür gibt. Airbus-Konkurrent Boeing hatte bereits im Januar in den USA einen ersten Testflug mit dem Prototypen eines autonomen Elektro-Lufttaxis unternommen. In Deutschland widmen sich mehrere Start-ups der Entwicklung neuer Geräte, wie die Firma Volocopter, die momentan in Dubai erste Tests durchführt.

Dabei muss sich von dem Wort Taxi gelöst werden: Die Fluggeräte werden voraussichtlich nur auf festen Routen von einem definierten Punkt zum anderen unterwegs sein. "Man kann da nicht individuell fliegen", erklärte ein Airbus-Sprecher bei der Präsentation in Ingolstadt. Von dem Traum eines jeden Stau-erprobten Vielfahrers, einfach die Rotoren anzuschmeißen und davonzufliegen, sind die momentan diskutierten Modelle noch weit entfernt.Nur eine Möglichkeit für reiche Menschen?

"Lufttaxen sind in regulatorischer Hinsicht und vor dem Hintergrund, dass Start- und Landeplätze in ausreichender Größe benötigt werden, sehr viel herausfordernder als kleinere Drohnen zum Transport von beispielsweise Blutkonserven", sagt Susanne Meinecke, Pressesprecherin der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Außerdem stelle sich bei den bisher vorgestellten Modellen, die maximal vier Sitze aufweisen, die Frage, wie viel Luftverkehr nötig werde, um eine wahre Alternative zu anderen Verkehrsmitteln aufzuweisen. "Letztlich wird die Kapazität für Drohnen und Flugtaxen durch regulatorische und technische Rahmenbedingungen einerseits und die gesellschaftliche Akzeptanz andererseits gesetzt."

Und die gesellschaftliche Akzeptanz sei allein aufgrund der Größe nur schwer zu erreichen. Viele Kritiker erinnern gerne an den Lärm und den Wind, den ein startender Hubschrauber verursacht. "Akzeptanz ist auch dann schwer zu erreichen, wenn Flugtaxen als 'Eliteprojekt' wahrgenommen werden", ergänzt Meinecke. Denn auch wenn Airbus das bestreitet, rechnen viele Experten damit, dass die Flugtaxis nur wohlhabenden Personen zur Verfügung stehen werden.

Auf jeden Fall wird es einige Zeit dauern, bis die drohnenähnlichen Fluggeräte ohne Piloten in den regulären Betrieb gehen: Frühestens Mitte des kommenden Jahrzehnts wird es nach Einschätzung von Airbus europäische Vorschriften für den Gebrauch geben.

(mit dpa)