Boden gut, alles gut Wie wir dem Boden helfen, wieder gut zu werden

30.09.2022, 00:00 Uhr

von Timo Kluttig/ Gesunde Böden sind gut für die Menschen und die Nahrungsmittelerzeugung, für die Natur und das Klima. Doch die Böden leiden. Unter dem Klimawandel. Klar ist: Wir müssen verlorenen Boden wieder gut machen.

Jedem Landwirt und jeder Gärtnerin ist es völlig klar: Der Boden bildet unser aller Lebensgrundlage. Kaum ein Nahrungsmittel, das nicht unmittelbar von ihm stammt, kaum ein Liter Trinkwasser, der nicht von ihm gefiltert wurde. Diese dünne Schicht, die Gestein, Wasser, Atmos- und Biosphäre durchdringen, ist Lebensraum für unzählige Organismen, Puffer für schädliche Stoffe und dazu oft ein spannender Geschichtsspeicher für tausende oder Millionen von Jahren.

Seit der Mensch mit dem Verbrennen fossiler Energieträger den Klimawandel vorantreibt, kommt dem Boden darüber hinaus eine ganz neue Rolle zu. Genau genommen sind es sogar gleich mehrere Rollen, die das Erdreich im Klimawandel-Drama spielen kann – je nach Situation: mal als Täter, mal als Opfer und manchmal sogar als Retter in der Not.

Zunächst einmal stammen alle Kohlenstoff-Verbindungen, die zu Treibhausgasen werden, aus dem Boden. Damit sind nicht nur Kohle, Öl und Gas gemeint. Auch Torfe, die wir durch Moortrockenlegung der Zersetzung preisgeben und zu Blumenerde verarbeiten, setzen Treibhausgase frei. Humus, der bei intensiver Bodenbearbeitung seine Kohlenstoffverbindungen freigibt, trägt ebenso zum Treibhauseffekt bei. So gesehen, ist der Boden ein echter Schurke.

Klimawandel als Bodenkiller

Wie sehr der Boden selbst unter dem Klimawandel leidet, sehen wir insbesondere bei Extremwetterlagen: Bei Starkregen entstehen auf unbewachsenen Flächen schnell tiefe Erosionsrinnen, gerade da, wo der Humusgehalt gering ist. Haben Hitze und fehlender Niederschlag den Oberboden völlig ausgetrocknet, hat der Wind leichtes Spiel: In großen Staubwolken macht sich der Boden gleich tonnenweise vom Acker – bis zu 45 Tonnen pro Hektar und Jahr sagen Experten.

Wasser- und Winderosion sind angesichts zunehmender Niederschlagsintensitäten und häufigerer Dürren ein gewaltiges Problem. Außerdem fehlt dem Boden der Frost: Beim tiefen Durchfrieren baut der Boden eine Struktur auf, die ihn fruchtbarer und besser zu bearbeiten macht. Das neue Klima tut ihm nicht gut.

Der Boden selbst ist die Lösung

Überraschenderweise sind viele Lösungsansätze genau da zu suchen, wo die Probleme entstehen: im Boden selbst! Und nicht selten schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn man die richtigen Maßnahmen wählt. Beispiel Humusaufbau: Bei den Feldfrüchten unterscheidet man humuszehrende und humusmehrende Kulturen. Bei geeigneter Auswahl und schonender Bodenbearbeitung kann also neuer Humus aufgebaut werden. Der bindet Kohlenstoff im Boden und entzieht der Atmosphäre dadurch Treibhausgase.

Gleichzeitig bindet der Humus Wasser und verbindet die einzelnen Körner zu sogenannten „Bodenaggregaten“. Das vermindert die Erosionsanfälligkeit. Außerdem werden Nährstoffe wieder besser gespeichert und gelangen nicht so schnell ins Grundwasser.

Auf den Pflug zu verzichten und stattdessen Direktsaatverfahren zu nutzen, setzt weniger Treibhausgase frei. Ein Nebeneffekt ist dabei leider, dass man dann umso intensiver die Beikräuter bekämpfen muss. Soll das nicht mit Gift passieren, steigt der mechanische Aufwand. Das verteuert am Ende die Produkte. Das muss uns klar sein.

Die Moore als wichtigster Klimaschützer

Moore, also große natürliche Torfkörper, sollten auf Dauer weder weiter abgetorft noch landwirtschaftlich genutzt werden – oder wenn, dann höchstens mit Kulturen, die auch im hohen Grundwasser gedeihen. Denn wenn wir die Moore wiedervernässen, versiegt nicht nur eine gigantische Treibhausgasquelle. Wenn man erreicht, dass die Torfmoose wieder zu wachsen beginnen, entzieht das der Luft sogar Kohlendioxid: ein doppelter Gewinn!

Keine Frage: Für einen funktionierenden Bodenschutz muss an vielen Stellen umgedacht werden. Aber angesichts der drohenden teils katastrophalen Klimaveränderungen werden wir nicht umhinkommen, unser Verhalten anzupassen. Der Boden allein wird uns nicht retten, aber im Drehbuch des Klimaschutzes sollten wir ihm mehr zutrauen als eine Nebenrolle.

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