„Gesundheit im Gespräch“ Zum Nachschauen: Wenn das Kreuz plagt

Von Jens Lintel | 08.03.2022, 15:56 Uhr

Volksleiden Rückenschmerzen: Experten wie der Neurochirurg Dr. Frank Möllmann, der das Wirbelsäulenzentrum der Neurochirurgie der Niels-Stensen-Kliniken in Osnabrück leitet, gehen davon aus, dass sich etwa ein Drittel aller Menschen in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben wegen Rückenproblemen in ärztliche Behandlung begeben müssen. Zehn Prozent aller Erwachsenen sind nach den Angaben von Möllmann sogar von chronischen Rückenschmerzen betroffen: Bei ihnen halten die Beschwerden länger als sechs Monate an.

Auf welche Ursachen Rückenschmerzen zurückgehen und was sich gegen sie unternehmen lässt – darum geht es in der nächsten Veranstaltung der Reihe „Gesundheit im Gespräch“ der Niels-Stensen-Kliniken. Unter der Überschrift „Bei Rückenschmerz die richtige Behandlung finden“ gestaltete Möllmann am Mittwoch, 20. April, 18 Uhr (wurde verschoben vom 16. 3.), einen Online-Vortrag und geht auf Leser-/Zuschauerfragen ein. Die Teilnahme ist wie gewohnt kostenlos. Auch dieser Informationsabend fand zum Schutz vor der Pandemie weiter noch ausschließlich per Internetübertragung statt. ffn-Moderator Moritz Zachow führte durch den Abend.

Aktueller Anlass sind der bundesweite „Tag der Rückengesundheit“ (15. März) mit der vom 14. bis 18. März stattfindende Aktionswoche des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen und der Aktion Gesunder Rücken, bei der sich zahlreiche Angebote an Betroffene richten (www.tdr.digital). Wie Möllmann erläutert, wird der Aktionstag seit 2002 ausgerichtet, um auf Behandlungsmöglichkeiten hinzuweisen und für eine „rückengesunde“ Lebensweise zu werben.

„Der Rücken ist ein Organ, an dem Beschwerden sichtbar werden, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können“, sagt Möllmann. „Deswegen ist es gerade bei länger anhalten Beschwerden besonders wichtig, die Gründe genau abzuklären.“ Rückenschmerzen können nach den Angaben von Möllmann anatomische Ursachen haben, können von funktionellen Beschwerden oder Verschleiß ausgelöst werden, ebenso können psychosomatische Gründe vorliegen. „Es kommt häufig vor, dass bei Rückenschmerzen auch Bewegungsmangel eine Rolle spielt. Ebenso können sie von einer dauerhaften Fehlbelastung ausgelöst werden – oder sie gehen auf ein typisches ‚Verhebetrauma‘ zurück“, beschreibt Möllmann. „Auch Sehnen oder Gelenke können Rückenschmerzen verursachen und gerade bei älteren Menschen ist häufig Verschleiß eine Ursache, der sich dann beispielweise in einem Bandscheibenvorfall äußert.“

Nach den Infos des Mediziners muss sich die Behandlung von Rückenschmerzen nach den individuellen Ursachen richten. Wie er berichtet, scheuen sich viele Menschen zunächst, mit Rückenschmerzen zum Arzt zu gehen, weil sie komplizierte Eingriffe am Rücken fürchten. „Tatsächlich steht uns aber ein umfassendes Spektrum von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, das von Physiotherapie über Medikamente bis zu Wärmebehandlungen reicht. Chirurgische Verfahren sind meist nur dann nicht zu vermeiden, wenn anatomische Gründe für die Beschwerden vorliegen“, erklärt er. Patienten mit chronischen Schmerzen könnten zielführend mit einer multimodalen Therapie behandelt werden, betont der Mediziner.

Möllmann rät, es nicht hinauszuzögern, bei Rückenschmerzen einen Arzt aufzusuchen. „Wer von akuten Beschwerden betroffen ist, kann sich an den Hausarzt oder einen Orthopäden wenden. Bei anhaltenden Beschwerden sollte ein Wirbelsäulenzentrum aufgesucht werden, in dem die Ursachen genau abgeklärt werden können. Faustregel ist es, dass Rückenschmerzen nicht mehrere Wochen lang anhalten oder laufend wieder auftauchen sollten. Bei Kribbel- oder Taubheitsgefühlen ist es ratsam, schnell einen Facharzt zu konsultieren.“

Um Rückenbeschwerden vorzubeugen, empfiehlt der 48-jährige Möllmann, in Bewegung zu bleiben. „Dabei ist ‚Bewegen‘ statt ‚Belasten‘ die Devise. Es kommt also nicht drauf an, Leistungssport zu machen und Rekorde zu brechen, sondern darauf, die Gelenke, Muskeln und Sehen mit moderatem Sport beweglich zu halten. Schwimmen und Yoga sind beispielsweise gut oder eben gezieltes Rückentraining“, verdeutlicht Möllmann. „Um ‚rückengesund‘ zu bleiben, ist es außerdem wichtig, einseitige Belastungen im Alltag zu vermeiden. Der Arbeitsplatz sollte rückengerecht eingerichtet werden und wer etwas tragen muss, sollte darauf achten, immer aus den Knien heraus hochzuheben.“

Das Wirbelsäulenzentrum der Neurochirurgie der Niels-Stensen-Kliniken ist am Standort Natruper Holz untergebracht. Unter Leitung von Möllmann, der über das Masterzertifikat der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft verfügt, ist es mit einem Team von erfahrenen Neurochirurgen vollumfänglich für die Diagnose und Therapie aller Arten von Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule eingerichtet. Infos: www.niels-stensen-kliniken.de

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