Ungesunde Zusatzstoffe Studie: Fertiggerichte erhöhen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Von Jan-Malte Wortmann | 03.12.2021, 18:00 Uhr

Fertiggerichte sind schnell und bequem zubereitet. Forscher fanden allerdings heraus, dass bestimmte Zusatzstoffe das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bei herzkranken Personen deutlich erhöhen.

Häufiger Konsum von industriell hochverarbeiteten Lebensmitteln erhöht das Risiko eines zweiten Herzinfarkts oder Schlaganfalls bei Menschen, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von italienischen Forschern vom Neuromed Mediterranean Neurological Institute am Istituto di Ricovero e Cura a Carattere Scientifico (IRCCS). Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der renommierten Fachzeitschrift "European Heart Journal".

Der Studie zufolge erhöhen Fertigprodukte das Risiko auch dann, wenn sich die Betroffenen, bezogen auf die reinen Nährwerte, scheinbar gesund ernähren. Schuld sind eine Reihe von Zusatzstoffen, die bei industriell verarbeiteten Lebensmitteln zum Einsatz kommen.

Zusatzstoffe in Fertigprodukten erhöhen das Sterberisiko

Die Forscher sprechen in ihrer Studie von industriell hochverarbeiteten Lebensmitteln. Dazu gehören beispielsweise abgepackte Fertigmahlzeiten, aber auch Softdrinks, Fruchtjoghurt, Brotaufstriche oder Frühstücksflocken. Denn in diesen sind oft eine ganze Reihe von Zusatzstoffen enthalten, die die Lebensmittel länger haltbar machen oder appetitlicher aussehen lassen sollen. Oft werden sie auch einfach für die industrielle Verarbeitung benötigt.

Für die Studie beobachteten die Wissenschaftler 1171 Teilnehmer über einen Zeitraum von zehn Jahren. Alle Probanden hatten zu Beginn der Studie bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und gaben regelmäßig Auskunft über ihre Ernährung. Bei den Menschen, die häufig industriell verarbeitete Lebensmittel aßen, stellten die Forscher ein erhöhtes Sterberisiko fest, wie die Studien-Erstautorin Marialaura Bonaccio erklärt:

„Wir haben festgestellt, dass Menschen mit einem höheren Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln ein um zwei Drittel erhöhtes Risiko für einen zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall, diesmal mit tödlichem Ausgang, haben, verglichen mit Teilnehmenden, die diese Lebensmittel weniger häufig essen.“
Studien-Erstautorin Marialaura Bonaccio

Außerdem sei auch das allgemeine Sterberisiko bei denjenigen, die häufig Fertigprodukte essen, insgesamt um 40 Prozent höher, erklärt Bonaccio in einer Pressemitteilung.

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Der Mythos vom gesunden Fertiggericht

Die Forscher betonen, dass es bei den Gerichten nicht auf die enthaltenen Nährwerte ankomme. Viel entscheidender sei die Art der Zubereitung und die Lagerung. Denn so gebe es auch Fertigprodukte, die auf den ersten Blick ernährungspsychologisch ausgewogen erscheinen. Doch für die Herstellung und Konservierung würden dann trotzdem die schädlichen Zusatzstoffe benötigt.

Dazu gehören beispielsweise hydrolysierte Proteine, Maltodextrine, hydrierte Fette, Farbstoffe, Konservierungsmittel, Antibackmittel, Geschmacksverstärker und Süßstoffe. Für die Klassifizierung der Lebensmittel nutzten die Wissenschaftler deswegen das sogenannte NOVA-System, dass die Produkte nicht nach ihrem Nährwert, sondern nach dem Grad ihrer Verarbeitung bewertet.

Frische und unverarbeitete Lebensmittel sind deutlich gesünder

Zu einem gesunden Ernährungsstil gehöre deshalb unbedingt dazu, in erster Linie frische und möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu essen. Denn darin sind die schädlichen Substanzen nicht enthalten und man nutzt sie auch in der Regel beim Kochen nicht. Die Forscher fordern daher, dass Lebensmittel nicht mehr nur aufgrund ihrer Nährwerte als gesund beurteilt würden, sondern auch anhand der enthaltenen Zusatzstoffe und dem Grad der Verarbeitung.

Die Wissenschaftler betonen allerdings auch, dass es kein Problem sei, gelegentlich zu einem Fertigprodukt zu greifen. Hochverarbeitete Lebensmittel sollten nur nicht regelmäßig gegessen werden, besonders bei einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie sieht das bei Ihnen aus?

"Frisches Gemüse ist nicht dasselbe wie vorgegartes und gewürztes Gemüse, und das gilt auch für viele andere Lebensmittel", erklärt Studienautorin Licia Iacoviello. "Unser Vorschlag ist, dass auf den Etiketten auf der Vorderseite der Verpackung, die bisher nur Nährwertangaben enthalten, der Grad der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln hinzugefügt wird", schreibt sie weiter.