Krebs aushungern lassen? Gesunde Ernährung: Diese Rolle spielt Zucker bei Krebs

Von Laurena Lynn Erdmann | 21.12.2021, 10:45 Uhr

Im Internet kursieren zahlreiche Krebs-Diäten. Häufig wird Krebspatienten empfohlen, einfach auf Zucker zu verzichten. Doch kann Krebs ausgehungert werden? Diesen Zusammenhang zwischen Krebs und Zucker gibt es.

Krebspatienten stoßen auf die verschiedensten Ernährungstipps, die das Krebswachstum stoppen sollen. Oft lesen sie, dass der Verzicht auf Zucker hilfreich sei. Kann das stimmen? Wir erklären Ihnen, wo die Hypothese ihren Ursprung hat und ob die Behauptung durch Studien bestätigt ist.

Krebs ernährt sich von Zucker

Schon im Jahr 1924 stellte der Medizinier Otto Warburg fest, dass sich Krebs fast ausschließlich von Zucker ernährt. Dabei unterscheidet sich der Stoffwechsel von Krebszellen und gesunden Zellen. Der Krebsinformationsdienst erklärt, dass Tumorzellen wie andere Zellen auch Glukose (Zucker) zur Energieverwendung verwerten, allerdings bauen Krebszellen den Zucker nicht vollständig ab. Krebszellen haben einen deutlich höheren Bedarf an Glukose als gesunde Zellen. Die Erkenntnis des Nobelpreisgewinners Warburg gilt auch heute noch. Allerdings leiten einige Menschen aus den Beobachtungen ab, dass man durch das Weglassen von Zucker Krebs stoppen könne. Doch "Krebs lässt sich nicht aushungern, indem man auf Zucker verzichtet", erklärt Tilman Kühn, Ernährungsexperte am Deutschen Krebsforschungszentrum, in der "Apothekenumschau".

Probleme der Studien

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch nicht ausreichend viele Studien zu einer kohlenhydratarmen Ernährung. Die Aussagen von Versuchen an Tieren, Einzelfällen und Pilotstudien müssen noch durch große, klinische Studien bestätigt werden. Eine Studie, die zum Beispiel im Jahr 2018 veröffentlicht wurde und den Zusammenhang von Krebs und Zucker untersuchte, wurde von vielen Experten kritisiert. Der Stoffwechselexperte Aurelio Teleman, Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum, erklärte damals gegenüber "t-online" die Probleme der Studie, die auch für vergleichbare Studien gelten können.

Zum einen gebe es einen "Unterschied zwischen dem Nährstoffbedarf von Zellkulturen und dem Nährstoffbedarf eines Gesamtorganismus." Erkenntnisse von Körperzellen im Labor können nicht immer auf Zellen im Körper übertragen werden. "Wenn Sie Krebszellen, die in einer Zellkultur wachsen, nicht genug Glucose geben, werden sie natürlich sterben. Aber die Krebszellen wachsen ja normalerweise innerhalb des Körpers. Und wenn der Zuckerwert im Blut so weit sinkt, dass Krebszellen sterben, wird es auch für den Rest des Körpers schlimme Nebenwirkungen geben. Ich nehme an, Sie würden bewusstlos werden", erklärt Teleman. Außerdem "überträgt sich die Ernährungsweise nicht eins zu eins auf die Bedingungen in ihren Körperzellen", sagt er. "Selbst, wenn Sie massenweise Zucker essen oder aber überhaupt keinen Zucker, wird der Körper den Blutzuckerwert in einer bestimmten Bandbreite halten."

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Warnung vor Krebs-Diäten

Experten gehen davon aus, dass der Verzicht auf Zucker das Krebswachstum nicht stoppt. Deshalb raten Ärzte auch nicht zu einer Ernährungsform, in der gar kein Zucker mehr konsumiert wird. Der Krebsinformationsdienst warnt stattdessen sogar vor solchen Krebs-Diäten. Im Internet kursierten immer wieder Ernährungstipps, die bei Krebs helfen sollen, deren Wirksamkeit häufig aber nicht bestätigt sei. Ein reales Problem ist aber, dass Krebs-Diäten eine Mangelernährung hervorrufen können oder diese verstärken. Dabei ist ein starker Gewichtsverlust für Krebspatienten gefährlich. Durch die Schmerzen der Krebstherapie oder auch wegen Symptomen wie Appetitmangel nehmen viele Krebserkrankte nicht genug Nahrung zu sich und nehmen deshalb ab. Eine Krebs-Diät schränkt die Patienten noch weiter in ihrer Ernährung ein und kann dadurch gefährlich sein.

Zucker in Maßen konsumieren

Kohlenhydrate, zu denen auch Zucker gehört, sind ein lebenswichtiger Energielieferant. Sie sollten täglich rund die Hälfte der Nahrungsenergie über Kohlenhydrate aufnehmen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Der Anteil von freiem Zucker sollte allerdings maximal zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr betragen. In Deutschland leidet aber wohl kaum ein Mensch an einem Zuckermangel, stattdessen wird hierzulande durchschnittlich zu viel Zucker konsumiert. Ein zu hoher Zuckerkonsum wiederum führt zu Übergewicht und ist damit eine häufige Ursache für Krebs.

Sowohl gesunde als auch kranke Menschen sollten daher darauf achten, nicht zu viel Zucker zu sich zu nehmen. Der Verzicht auf Zucker stoppt allerdings nach jetzigem Kenntnisstand nicht das Krebswachstum.