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Klinikum Osnabrück Zusammen gegen den (Magen-) Krebs – Eine Patientengeschichte

19.06.2021, 08:03 Uhr

Einer der Patienten, bei denen alle Teilbereiche der Viszeralmedizin des Klinikums Osnabrück zusammengewirkt haben, ist Jens Duvendack. Bei dem 50-Jährigen aus Hasbergen wurden 2019 gleich zwei besonders tückische Krebserkrankungen festgestellt, nämlich eine Krebsgeschwulst in der Speiseröhre und gleichzeitig eine bereits metastasierte Geschwulst im Mageneingang. Im Klinikum Osnabrück hat er Hilfe bekommen.

Die Aussichten für Duvendack standen schlecht und bei seiner Behandlung haben sich zahlreiche Komplikationen eingestellt. Trotzdem ist jetzt, nachdem er seine zweite Chemotherapie im vergangenen Mai abgeschlossen hat, seit fast einem Jahr keine Tumoraktivität mehr bei ihm nachweisbar.

Bevor Jens Duvendack erkrankte, war er ständig auf den Beinen. „Tennis, Mountainbike, Motorcross – ich habe immer viel gemacht.“ Als bei ihm öfter Magenprobleme und Schluckbeschwerden auftraten, hat er seinen Hausarzt aufgesucht und dieser hat ihn ins Klinikum vermittelt. „Ich hätte sonst noch drei Monate lang auf die Untersuchung warten müssen. Das wäre zu spät gewesen“, sagt Duvendack. „Ich habe mich an Dr. Rey gewandt und meinen Fall vorgetragen. Ich war dann am 11. Januar 2019 bei ihm – und dann ging alles ganz schnell.“

Neben seinem unbändigen Willen, sich immer wieder hochzukämpfen, war es, wie seine Ärzte sagen, zentral für Duvendacks Rettung, dass seine Erkrankung gerade noch rechtzeitig festgestellt worden ist. Entscheidend war es aus ihrer Sicht außerdem, dass seine Behandlung nicht einfach konform nach Leitlinien für die Versorgung von Krebspatienten erfolgt ist, sondern auf einem für ihn erstellten, individuellen Konzept beruht hat, in das die Expertise von Onkologie, Gastroenterologie, Chirurgie sowie allen weiteren beteiligten Fachabteilungen und Einrichtungen des Hauses eingeflossen ist.

„Uns steht, um es in einem Bild zu sagen, ein ganzes Orchester von Möglichkeiten zur Verfügung, mit dem wir die Erfahrung und die jeweils neuesten Erkenntnisse aus den beteiligten Fachbereichen für Therapieentscheidungen nutzen können“, sagt Dr. Corinna Petz, die Chefärztin der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Blutstammzelltransplantationen des Klinikums.

Ganzheitliche Entscheidungen

„Streng genommen braucht dieses Orchester nicht einmal einen Dirigenten. Oder, anders gesagt, das Zusammenspiel soll zu ganzheitlichen Entscheidungen führen, die nicht nur aus der Sicht einzelner Disziplinen oder Mediziner gefällt werden“, ergänzt PD Dr. Johannes Rey, der Chefarzt der Medizinischen Klinik II für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Endoskopie, Diabetologie und Ernährungsmedizin.

„Wir haben bereits seit langem ein sogenanntes Tumorboard eingerichtet, in dem die Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten mit Vertretern der einzelnen Fachdisziplinen diskutiert werden. Auf dieser Grundlage werden individuelle Behandlungskonzepte erstellt“, so PD Dr. Jürgen Tepel, der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie.

Rundum vertraut und versorgt

Alle drei Chefärzte waren an der Behandlung von Duvendack beteiligt. „Ich habe mich im Klinikum von allen Mitarbeitenden immer wirklich rundum gut versorgt gefühlt, aber wie mich diese drei Ärzte behandelt haben, fand ich herausragend“, sagt Duvendack. Rey habe ihn einmal sogar samstagnachmittags privat besucht. „Da habe ich geweint“. Für mich war es eine Zeit ohne Plan B. Ich habe mich fallen lassen und den Ärzten vertraut. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich noch da bin. Wenn es hier nicht so gelaufen wäre, hätte es einen anderen Ausgang genommen.“

Kampf gegen bösartiges

Wie sich Rey erinnert, war bei der Untersuchung von Duvendacks Speiseröhre für ihn gleich auf den ersten Blick zu sehen, dass es sich um „etwas Bösartiges“ gehandelt habe. „Das hat Dr. Rey mir gleich gesagt und das fand ich auch gut“, sagt Duvendack. Untersuchungen des Gewebes und eine spezielle Tomografie mit einem radioaktiv markierten Glukosekontrastmittel bestätigten den Verdacht: Krebs an zwei Stellen in der Speiseröhre und bereits Fernmetastasen in den Lymphknoten am Hals. „Den Moment, in dem ich es erfahren habe, werde ich nie vergessen. Für meine Frau war es noch weit schrecklicher als für mich.“

Erster Behandlungsschritt war eine Kombinationschemotherapie mit zwei Substanzen. „Diese haben wir extra im Zeitintervall sehr dosisdicht gewählt und unser Patient hat darauf wie erhofft besonders gut angesprochen“, berichtet Petz. „In der folgenden Tumorkonferenz haben wir dann aufgrund des Alters, des exzellenten Allgemeinzustandes und des hervorragenden Ansprechens eine Operation im Rahmen eines sehr individuellen Konzeptes ins Auge gefasst.“

Erfolgreiche OP

Bei dieser Operation wurden Teile seiner Speiseröhre und sein Magen entfernt und dafür ein Koloninterponat, also ein Dickdarmabschnitt, als neues Verdauungsorgan zwischengeschaltet. Duvendack kann damit zwar weiter feste Nahrung zu sich nehmen, aber immer nur in kleinen Portionen und sorgfältig gekaut, so dass er alle 1,5 bis 2 Stunden etwas essen muss. „Das ist ja kein Problem. Ich habe Hunger, mir schmeckt alles – und auch mein Geschmack ist erhalten geblieben“, meint er.

Nach der Operation hat sich Duvendack erst gut erholt hat, doch dann ist noch in der Reha ein Zwerchfellbruch bei ihm aufgetreten. „Da war noch ein Eingriff fällig. Auch ihn habe ich aber gut überstanden“, erinnert er sich. Wenig später kam ein weiterer Schock: Der Tumor zeigte sich erneut, diesmal mit Tochtergeschwülsten in den Lymphknoten des Bauchraumes. „Dadurch war erneut eine Chemotherapie indiziert“, sagt Corinna Petz. „Wir haben ein etwas anderes Konzept als vorher gewählt, um den jetzt eigentlich nicht mehr zu heilenden Krebs soweit wie möglich zurück zu drängen. Nachdem wir die Therapie sechs Mal verabreicht haben, sah man bereits ab März 2020 ein sehr gutes Ansprechen der Metastasen, seit August 2020 sind sie nicht mehr nachweisbar.“

Kräftezehrende Chemotherapien

Für Jens Duvendack war die zweite Chemotherapie entschieden anstrengender.„Dabei ging es mir wirklich schlecht und mir sind auch die Haare ausgefallen – aber ich habe trotzdem nicht den Mut verloren“, sagt er. Seit die Behandlung abgeschlossen ist, muss er sich regelmäßig Kontrolluntersuchungen unterziehen. Sie werden bald von einem dreimonatigen auf einen halbjährigen Rhythmus umgestellt – darauf freut er sich.

Der 50-Jährige genießt jeden Tag wie ein Geschenk – mit immer neuen kleinen und großen Zielen kämpft er gegen die Folgen der anstrengenden Behandlung und die Einschränkungen durch seine Krankheit an. Er und seine Frau haben sich einen Hund gekauft, mit dem Duvendack nun unterwegs ist, so oft sich die Gelegenheit ergibt. „Ich habe mit meinem Sohn gerade das erste Mal seit der Erkrankung wieder eine Mountainbike-Tour durch den Hüggel gemacht. Jetzt wollen wir immer etwas weitere Strecken fahren und ich bin dafür neben dem Rehasport auch wieder etwas mit Krafttraining angefangen“, berichtet Duvendack. „Und meine Frau und ich unternehmen, so oft wir können, Fahrten mit dem Wohnmobil. Für mich ist das ein unvorstellbar gutes Gefühl. Es ist noch gar nicht lange her, da musste ich wieder laufen lernen.“

Mehr Informationen zum Klinikum Osnabrück finden Sie hier.