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Klinikum Osnabrück So arbeitet die Pflege am Klinikum Osnabrück in Corona-Zeiten

19.06.2021, 08:05 Uhr

Ständig Patienten in Isolierbereichen, schwere Krankheitsverläufe, strenge Hygiene-Vorschriften, Überstunden und immer auch Gefahren für die eigene Gesundheit: Seit mehr als einem Jahr hält das Corona-Virus die Mitarbeitenden im Klinikum Osnabrück jetzt in Atem.

Wie Hon.-Prof. Dr. Dieter Lüttje berichtet, der stellvertretende Ärztliche Direktor des Hauses, hat die Pandemie den Alltag in dem Gesundheitsbetrieb einschneidend verändert. Lüttje hat seit März 2020 die die Funktion der CORONA-Beauftragten, des CORONA Managers übernommen. „Vor allem war die Zeit mit großen Belastungen für unsere Mitarbeitenden verbunden. Wir sind allen sehr dankbar, dass sie das auf sich genommen haben.“

Das Klinikum ist seit März 2020 auf die Versorgung von Covid-19-Patienten eingerichtet. „Ganz am Anfang hatten wir uns mit provisorischen Plätzen in Zelten auf ein Massenaufkommen von Patienten in der Notaufnahme vorbereitet, aber solch eine Entwicklung ist dann ja bei uns zum Glück nicht eingetreten und wir haben sie nicht benötigt“, so Lüttje. „Diese Zeit war besonders schwierig für unsere Mitarbeitenden, weil niemand wusste, was auf uns zukommen würde und welche Gefahren dabei auch für uns bestehen würden.“

Neuer OP-Trakt ist umgebaut worden

Um mehr Intensivpatienten versorgen können, sei kurz darauf der neue OP-Trakt des Hauses mit 24 Behandlungsplätzen früher als geplant eröffnet worden. „Es war sehr günstig, dass wir den Start vorziehen konnten. Unser Haus verfügt seither regulär über bis zu 70 Behandlungsplätze im Intensivbereich und bis zu als 100 Behandlungsplätze für COVID-19-Patienten im Nichtintensivbereich. Natürlich wäre damit ein regulärer Krankenhausbetrieb nicht mehr aufrecht zu erhalten, allenfalls eine Notfallversorgung auf deutlich abgesenktem Niveau.“

Maximal benötigt wurden diese maximalen Bettenkapazitäten bisher zum Glück noch nie. „Den Höchststand hatten wir am 15. Januar 2021. Da waren es 15 Erkrankte auf der Intensivstation und 67 weitere Infizierte in anderen Behandlungsbereichen.“ Der erste Covid-19-Erkrankte wurde im März 2020 im Klinikum versorgt. Seither waren nur im Juli und August des vergangenen Jahres eine Zeit lang keine Patienten mit der von dem Corona-Virus verursachten Krankheit im Haus.

Stufenplan für Notfälle

Wie Lüttje erklärt, werden die Plätze für die Covid-19-Patienten flexibel auf Anforderung bereitgestellt. „Es gibt einen Eskalationsstufenplan zur Versorgung von COVID-Patienten. Je nach Erfordernissen können wir damit Betten- und Personalkapazitäten entsprechend anpassen. Die Patientenversorgung, insbesondere die Notfallversorgung und die Versorgung dringlicher Patienten war bisher in der gesamten Pandemiezeit und wird auch zukünftig im Klinikum Osnabrück sichergestellt. Es gab nur zwei relativ kurze Zeiträume letztes Jahr im März und jetzt im Februar, in denen wir gezwungen waren, planbare Operationen komplett abzusagen. Somit haben wir es fast durchgehend geschafft, auch während der Pandemiezeit unsere übliche Gesundheitsversorgung zu erbringen.“ Die Isolierbereiche sind streng abgeriegelt und es darf nur in Vollschutz, also mit Plastikkittel, Handschuhen, Brille und Atemschutz, darin gearbeitet werden. „Das ist anstrengend für die Mitarbeitenden und es erschwert die Abläufe“, macht Lüttje deutlich. „Und es ist auch schwieriger, Patienten in gewohnter Art und Weise menschliche Wärme oder Nähe spüren zu lassen.“

Wie er berichtet, sind laufend etwa 200 Mitarbeitende im Isolierbereich der Intensivstation für die Arbeit mit den Covid-19-Patienten eingeteilt. „Gerade für sie war die Pandemie mit einer immensen Arbeitsbelastung verbunden.“ Viele von ihnen hätten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet und es sei zu einer besonders guten interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Versorgung der Patienten der Virus-Erkrankung gekommen. „Von Pflegende über den ärztlichen Dienst bis zu Reinigungskräften haben da alle ein ganz herausragendes Engagement gezeigt und zeigen es bis jetzt“, sagt Lüttje.

Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem Covid-19 ständig eine tragende Rolle spielt, ist das Notaufnahmezentrum. „Wir stellen durch Maßnahmen wie die Fieberkontrolle, Schnell- und PCR-Tests bei allen Patienten sicher, dass wir Infizierte sicher erkennen. Aber gerade in der Rettungsmedizin muss es vielfach schnell gehen und die Mitarbeitenden sind einem größeren Risiko ausgesetzt.“ Etwa 20 Ärzte und 55 Pflegekräfte zählen zum Team der Notfallambulanz. „Ebenso wie für die Intensivversorgung sind für diesen Arbeitsbereich spezielle Zusatzqualifikationen erforderlich und wir können nicht einfach Kräfte aus anderen Bereichen dort einsetzen. Es ist zwar nicht vorgekommen, dass wir unsere Leistungen einschränken mussten, aber auch in diesen Bereichen ist es dazu gekommen, dass eine Anzahl von Mitarbeitenden gleichzeitig in Quarantäne war, so dass Kollegen einspringen mussten.“

Besuchsverbot für die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter

Dass sich Mitarbeitende des Klinikums mit dem Virus anstecken oder nach einem Kontakt mit einem Infizierten vorübergehend Quarantäne einhalten müssen, kommt vor. „Auf dem Höchststand der zweiten Welle Anfang des Jahres waren es mehrere Dutzend Mitarbeitende gleichzeitig, die ausgefallen sind. Das wirkt sich in der Personaldisposition aus.“

Dass Patienten seit Beginn der Pandemie keinen oder nur eingeschränkt Besuch erhalten dürfen, bedauert Lüttje. „Wir haben zwar von manchen Müttern gehört, dass sie insgeheim nicht unzufrieden waren, dass bei der Geburt nur der Mann dabei war und sie nicht gleich hinterher einen großen Ansturm hatten – aber den meisten Patienten fehlt es natürlich und es ist keine schöne Situation. Wir sind dabei an die jeweils geltenden Regelungen gebunden – und es bedeutet natürlich auch einen Schutz für die Patienten und Mitarbeitenden.“

Nachdem Anfang des vergangenen Jahres überall Masken und weiteres Schutz- und Behandlungsmaterial knapp waren, hat das Klinikum seine Lagerbestände deutlich vergrößert. „Da hat unser Einkauf über Wochen aus immer neuen Quellen dafür gesorgt, dass uns das Material niemals ausgegangen ist. Damals war nicht nur die Schutzausrüstung knapp, sondern es gab auch keine Schläuche zum Wechseln für die Beatmungsgeräte oder anderes erforderliche Material.“

Der von der Geschäftsführung geleitete interdisziplinäre Krisenstab hat sich in der Beurteilung und Bewältigung der Pandemie sehr bewährt. Diese Zusammenarbeit wurde von allen Beteiligten in einer zwischenzeitlichen Befragung als sehr positiv bewertet.

Ihn habe es sehr gefreut, dass von Mitarbeitenden des Klinikums und von Schülerinnen der Akademie eine Aktion zum Nähen und Verteilen von kostenlosen Stoffmasken initiiert worden sei. „Diese Aktion ist ganz viel Unterstützung gestoßen. Es sind über Monate Masken an unsere Mitarbeiter und andere Menschen verteilt worden.“

Neues Testverfahren etabliert

Um das Corona-Virus sicher bei Patienten identifizieren zu können, die eigenen Mitarbeiter überprüfen und darüber hinaus öffentliche Testkapazitäten anbieten zu können, hat das Labor des Klinikums Anfang des vergangenen Jahres das PCR-Untersuchungsverfahren neu etabliert. „Unser Labor hat sich darauf in kürzester Zeit eingerichtet und wir können jetzt bis zu 500 Tests täglich durchführen“, berichtet er. Meist sind es Patienten oder Mitarbeitende, die getestet werden. „Es ist aber auch vorgekommen, dass die Laborkapazitäten in Osnabrück ausgeschöpft waren und wir ‚externe‘ Tests durchgeführt haben, etwa wenn Belegschaften größerer Unternehmen betroffen waren.“

Nach Angaben von Lüttje können sich die Mitarbeitenden des Hauses bis zu zweimal wöchentlich testen lassen. „Das wird rege genutzt – und wir freuen uns natürlich darüber, weil es für alle Sicherheit bringt.“ Wie Lüttje erklärt, ist das Impfen der Mitarbeitenden jetzt so weit vorangekommen, dass fast alle ihren ersten „Pieks“ erhalten haben. „Die ersten haben bereits ihre zweite Immunisierung erhalten“, berichtet er. „Fast 75 Prozent unserer Mitarbeitenden konnten zwischenzeitlich eine COVID-Schutzimpfung erhalten – damit herrscht bei uns eine hohe Impfbereitschaft. Ich begrüße die Impfungen und habe mich auch selber impfen lassen, weil sie wirksam gegen schwere Krankheitsverläufe schützen und dazu beitragen, das Virus zurückzudrängen.“

Die leider immer wieder über lange Zeit erforderliche Einschränkungen der Besuchsmöglichkeiten belastet alle Beteiligten, natürlich ganz vorrangig Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen. Aber auch Mitarbeitende aller Berufsgruppen sind hierdurch mehr belastet um die Sorgen und Nöte der Patientinnen und Patienten aufzufangen. „Wir konnten jedoch immer sicherstellen, dass Besuche in Sondersituationen pandemiegerecht möglich waren.“ Es wurde von Patienten wie Angehörigen immer wieder lobend erwähnt, dass während der gesamten Pandemiezeit Telefon und Internet kostenfrei geschaltet waren. Das hat für viele die Kommunikation „nach draußen“ sehr erleichtert.

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