Klinikum Osnabrück führt neue Krebstherapie ein Krebs im Magen-/Darmtrakt kann besser behandelt werden

15.08.2022, 13:32 Uhr

Im Klinikum Osnabrück kommt bei der Behandlung von Krebserkrankungen im Magen- und Darmtrakt erstmals in Deutschland ein neues System für eine endoskopische Elektrochemotherapie zum Einsatz. 

Wie die Chefärzte Dr. Corinna Petz und PD Dr. Johannes Rey erklären, eröffnet diese minimalinvasive Technik neue Behandlungsoptionen, in denen aus einzelnen Verfahren nun Kombinationstherapien angewendet werden können. Das Verfahren wurde erstmalig von einem von Petz und Rey geleiteten Team bei einer Patientin eingesetzt, um einen bösartigen Speiseröhrenkrebs zu behandeln. Nun sind weitere Patienten für einen Therapieeinsatz geplant.

Nach den Angaben von Petz, der Chefärztin der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Blutstammzelltransplantation, und von Rey, dem Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie mit Schwerpunkt Endoskopie, kommt bei den Behandlungen mit dem neuen Verfahren ein spezielles Endoskopiegerät (ePORE EndoVE) zum Einsatz, das von dem irischen Medizintechnikunternehmen Mirai Medical entwickelt wurde. Es arbeitet mit einer Technik, die bereits bei der Behandlung von Hautkrebs und Tumoren im Kopf-Halsbereich immense Erfolge gezeigt hat. Bei diesem Verfahren werden kurze Stromimpulse mit hoher Spannung auf das Tumorgewebe abgegeben, um es porös zu machen und – je nach Ausprägung – eine Kalziumlösung oder ein Chemotherapeutikum zu injizieren. Um deren Wirkung noch zu verbessern, erfolgt danach eine Unterdrucktherapie auf das Gewebe.

Der Vorteil: Krebsfreie Zellen sprechen kaum auf die Behandlung an. Das bedeutet, dass gesunde Gewebestrukturen erhalten bleiben, wodurch weniger Nebenwirkungen auftreten. Belastende operative Eingriffe sind nicht erforderlich, da die Behandlung während einer endoskopischen Untersuchung ohne Vollnarkose durchgeführt wird. Die innovative Behandlung kann in allen Krebsstadien von Tumoren im Bereich des gesamten Magen-Darmtraktes, von der Speiseröhre bis zum Enddarm, eingesetzt werden, auch bei noch nicht bösartigen komplexen Strukturen und bei fortgeschrittenen Fällen.

Patienten profitieren vom rasanten Fortschritt

Bei der Patientin, die nun als erste mit der Technologie behandelt wurde, kam genau diese Kombination der Elektrotherapie mit einer lokalen Injektionstherapie und einer Unterdruckbehandlung zum Einsatz. Damit konnten der Verschluss der Speiseröhre und dadurch der Verlust von Schluckakt und Nahrungsaufnahme erfolgreich verhindert werden.

Die beiden Chefärzte sind stolz, dass das neue Verfahren erstmals in Deutschland im Klinikum Osnabrück eingesetzt und angeboten werden kann. „Dieses Verfahren ist Ausdruck der hohen Innovationskraft von Onkologie und Gastroenterologie in den letzten Jahren“, sagt Rey. Neuerungen in der Endoskopie zur frühzeitigen Erkennung, Charakterisierung und minimalinvasiven Behandlung ergänzten sich im Bereich der Onkologie zunehmend mit den Möglichkeiten von individuell auf Patienten zugeschnittenen Therapien. „Besonders ist dabei, dass der Fortschritt in den einzelnen Fachbereichen zu einer noch engeren interdisziplinären Zusammenarbeit führt, von der unsere Patienten im Krebskompetenz-Zentrum profitieren werden“, so Petz.

Die beiden Mediziner gehen davon aus, dass sich der rasante Fortschritt in den unterschiedlich geprägten Behandlungsbereichen der Krebstherapie in den nächsten Jahren noch weiter fortsetzen und zu erheblichen Verbesserungen führen wird.

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