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Klinikum Osnabrück Herzgesundheit - Wie halte ich mein Herz fit?

03.10.2021, 08:00 Uhr

Interview mit PD Dr. Carsten Schneider, Chefarzt der Medizinischen Klinik I.

Was passiert im Körper bei einem Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt ist eine akute Durchblutungsstörung aufgrund eines Gefäßverschlusses. Das Herzmuskelgewebe stirbt aufgrund von Sauerstoffmangel ab und es kommt zur Narbenbildung. Diese Schäden sind weitestgehend nicht rückgängig zu machen – sie sind also irreversibel.

Wie erkennt man einen Herzinfarkt?

Typische Symptome bei einem Herzinfarkt sind Brustenge, Brennen und Druck. Plötzliche Luftnot, Schmerzen im Kiefer oder Arm sind ebenfalls bekannte Symptome. Bei Frauen macht sich ein Herzinfarkt atypisch auch durch Übelkeit, Erbrechen und Rückenschmerzen bemerkbar.

An wen wendet man sich bei entsprechenden Symptomen?

Man sollte die 110 wählen und einen Notarzt kontaktieren. Über das Wochenende zu warten, bevor man den Hausarzt besucht, ist verlorene Zeit, die man im Rahmen des Absterbeprozesses des Herzmuskels nicht zurückbekommt. Der Notarzt nimmt die Primärversorgung vor Ort vor und übermittelt das EKG per Fax z.B. an die Notaufnahme des Klinikums. Dort können dann alle Vorbereitungen getroffen werden.

Welche modernen Therapie-Verfahren gibt es im Klinikum?

Das Klinikum verfügt über alle Verfahrender modernen Kardiologie. Wir führen komplexe Eingriffe mit Wiedereröffnungen chronischer Gefäße durch und behandeln Mehrgefäßkrankheiten oder auch schwer herzschwachen Patienten. Vor allem die ECMO-Therapie, ein Verfahren, bei dem eine Maschine vorübergehend die Funktion der Lunge übernimmt, hat sich im Rahmen der COVID-Pandemie ausgezahlt und Leben retten können.

Was empfehlen Sie zur Vermeidung eines Herzinfarktes?

Über drei Viertel der Patienten mit einem Herzinfarkt vor dem 55. Lebensjahr sind Raucher. Insgesamt hilft ein gesunder Lebensstil weiter: Eine adäquate Ernährung und Bewegung, am besten dreimal wöchentlich für 30 Minuten in Form von Ausdauersport. Außerdem spielen die Blutfette eine immer größer werdende Rolle. Entscheidend ist der LDL-Cholesterin-Wert, den man durch Ernährung und Medikamente beeinflussen kann. Dieser sollte aktuell bei Herzinfarktpatienten unter 55mg/dl liegen. Weitere Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, Übergewicht und eine familiäre Belastung.

Herzinfarkt und COVID-Pandemie: Was haben wir gelernt?

Etwa ein Drittel aller Infarkt- und Schlaganfallpatienten haben im Rahmen der Pandemie den Weg ins Krankenhaus gescheut. Die Effekte auf Todesfallraten und Langzeitschäden werden wir abwarten müssen. Des Weiteren hat COVID spezielle Effekte auf die Gefäße und den Herzmuskel. Wir haben sowohl COVID assoziierte Erkrankungen wie Infarkte als auch Herzmuskelbeteiligungen gesehen. Die Behandlungsstrategie hat sich weiterentwickelt, doch haben wir auch viele tragische Verläufe erlebt.

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