Niemals wegsehen Klinikum ist neue Untersuchungsstelle des „ProBeweis“-Netzwerks für Gewaltopfer

22.12.2022, 11:33 Uhr

Das Klinikum Osnabrück ist dem Netzwerk „ProBeweis“ beigetreten, in dem Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt komplett vertraulich die Spuren von Angriffen gerichtsverwertbar dokumentieren und die Befunde sichern lassen können, auch wenn sie nicht sofort Anzeige erstatten.

Hintergrund für das Netzwerk ist es, dass sich Betroffene unmittelbar nach Gewaltvorfällen in vielen Fällen nicht an die Polizei wenden, so dass keine Spuren mehr gesichert werden können und eine Dokumentation ihrer Verletzungen ausbleibt. Auch wenn sie um medizinische Hilfe ersuchen, ist nicht sichergestellt, dass Befunde fachkundig u.a. mit Fotos dokumentiert werden, was für ein späteres Gerichtsverfahren jedoch sehr wichtig ist. Um es den Betroffenen zu ermöglichen, Beweise sichern lassen zu können, auch wenn sie das Einleiten weiterer Schritte gegen die Täter erst später entscheiden, hat das Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bereits 2012 die Initiative „ProBeweis“ gestartet.

Die Betroffenen wenden sich aus Scham nicht an die Polizei und andere Hilfsstellen oder weil sie Reaktionen von den Tätern fürchten. Deswegen werde bei „ProBeweis“ auch besonders darauf geachtet, dass die Daten und Beweismittel vor jedem Zugriff, außer von den Opfern, geschützt sind und dass in dem Prozess kein Schriftverkehr und keine Kontaktaufnahmen zustande kommen, aus denen Täter davon Kenntnis erlangen könnten. Die Beweisaufnahme ist kostenlos, es ist keine Krankenkassenkarte erforderlich. Auch wenn die Opfer keinen Ausweis oder andere Dokumente bei sich haben, ist die Beweisaufnahme möglich.

Die Fälle werden in den Untersuchungsstellen in einem standardisierten Verfahren von geschulten Medizinerinnen und Medizinern gerichtsverwertbar dokumentiert und Beweismittel fachkundig gesichert. „ProBeweis“ stellt den Untersuchungsstellen dazu u.a. Digitalkameras und Behälter für die Sicherung von Spurenmaterial wie Blut, Speichel, Sperma und Urin zur Verfügung. Die Untersuchungsstellen nehmen die Fälle auf und geben die Dokumentation und die gesicherten Beweise danach an das Institut für Rechtsmedizin weiter. Das Spurenmaterial wird drei Jahre lang aufbewahrt, die Dokumentationen 30 Jahre lang.

Im Klinikum ist die „ProBeweis“- Untersuchungsstelle im Notaufnahmezentrum angesiedelt. Sie ist rund um die Uhr mit Medizinerinnen und Medizinern besetzt, die von „ProBeweis“ noch zusätzlich für den Umgang mit Gewaltopfern geschult wurden. Wer sichergehen will, besonders geschützt zu sein, kann sich vorher über Tel. 0541 4057400 bei der Untersuchungsstelle anmelden.

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