Was ist umweltfreundlicher? So viel Wasser verbraucht Spülen per Hand im Vergleich zur Spülmaschine

Von Eva Dorothée Schmid | 18.08.2023, 08:47 Uhr | Update am 21.08.20234 Leserkommentare

Was ist sparsamer? Spülen von Hand oder die Geschirrspülmaschine? Wir haben nachgerechnet.

Knapp 75 Prozent der deutschen Haushalte haben laut Statistischem Bundesamt eine Spülmaschine. Praktisch ist sie, ohne Frage, aber ist es nicht belastender für die Umwelt, die Maschine spülen zu lassen, statt selbst Hand anzulegen? Schließlich wird bei der Maschinenwäsche neben Wasser auch Strom verbraucht.

Studie untersucht, wie Spülen am umweltfreundlichsten ist

Was sparsamer ist, damit hat sich eine Studie der Universität Bonn mit 200 Haushalten in Deutschland, Italien, Schweden und Großbritannien befasst. Allerdings wurde die Studie von vier Haushaltsgeräte- und Spülmittelherstellern finanziert.

Das Ergebnis: Spülen mit dem Geschirrspüler braucht im Durchschnitt 50 Prozent weniger Wasser und 28 Prozent weniger Energie als Handspülen.

Nach Berechnungen von Ökotest verbraucht ein neueres Spülmaschinen-Modell im Eco-Modus 9,5 Liter Wasser sowie 0,64 Kilowattstunden Strom.

Weiterlesen: Das kostet es, den Geschirrspüler einmal laufen zu lassen

So viel verbraucht Spülen per Hand

Die Bonner Wissenschaftler fanden auch heraus, wie unterschiedlich die einzelne Nationalitäten abspülen. Testpersonen aus verschiedenen Ländern sollten insgesamt 140 Teller, Tassen, Gläser und Besteckteile spülen.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag bei 46 Litern. Das entspricht etwa zwei Spülbeckenfüllungen. Spanier und Portugiesen sind beim Handspülen besonders verschwenderisch: Sie verbrauchten im Schnitt etwa 170 Liter. Ein Teilnehmer der Studie kam sogar auf über 400 Liter.

Zum Vergleich: Eine Spülmaschine reinigte 2011 laut Studie dieselbe Menge Geschirr mit lediglich 15 Litern und schneidet zudem beim Energieverbrauch besser ab. Neue Geschirrspüler sind noch sparsamer.

Der höhere Energieverbrauch beim Spülen per Hand resultiert daraus, dass die Energie größtenteils dazu benötigt wird, das Wasser zu erhitzen. Wird mehr Wasser erhitzt, steigen auch die Stromkosten.

Wie viel sparsamer die Maschine ist, kommt auf viele Faktoren an

Nicht berücksichtigt wurde allerdings, wie das Spülwasser erhitzt wird, ob mit kaltem oder warmen Wasser nachgespült wurde und wie viel Spülmittel verwendet wurde.

Kritiker bemängelten zudem, dass die Studie die Energie, die zur Herstellung und für den Transport einer Spülmaschine notwendig ist, außen vor lässt. Dazu kommt, dass auch die Herkunft der verwendeten Energie für die Umweltbilanz eine Rolle spielt – sowohl beim Geschirrspüler, als auch beim händischen Abwasch. Und letztlich spielt für eine genaue Berechnung auch die Lebensdauer der Maschine eine Rolle.

Und dann kommt es natürlich auf die Spültechnik an: Wer unter fließendem, heißem Wasser abwäscht und das Spülmittel direkt auf den Schwamm gibt, wird in der Energie- und Umweltbilanz immer hinter denjenigen Spülern landen, die das Wasser ins Becken einlassen.

Es gibt also einige Stellschrauben, die eine pauschale Aussage erschweren. Allerdings kommt auch der Bund der Energieverbraucher zu dem Schluss: „Für die Mehrzahl der Haushalte ist die Spülmaschine vermutlich im Wasser- und Energieverbrauch sparsamer als das Spülen von Hand.“

Sechs Tipps für sparsames Spülen

Damit der Geschirrspüler sein Sparpotential voll ausreizt, muss er richtig bedient werden. Folgende Tipps sollten Sie beachten:

  • Spülmaschine erst einschalten, wenn sie voll beladen ist.  „Wir schätzen, dass etwa jeder zehnte Spülgang eingespart werden könnte, wenn die Maschinen immer voll beladen wären“, so die Bonner Wissenschaftler
  • Das Programm mit 50°C reicht bei normalen Verschmutzungen. Bei leichten Verschmutzungen tut es auch das Sparprogramm mit 40 bis 45°C. Um Fettablagerungen in der Maschine vorzubeugen, sollte jedoch einmal pro Monat mit 65 Grad gespült werden.
  • Beim Neukauf eines Geschirrspülers sollte man ein Gerät wählen, das mindestens die Energieeffizienzklasse B hat. Diese verbrauchen nur sechs bis zehn Liter Wasser pro Spülgang. Zum Vergleich: Geräte aus dem Jahr 2008 verbrauchten durchschnittlich noch 20 Liter.
  • Wer sein Wasser über eine Solaranlage oder eine effiziente Zentralheizung erwärmt, für den lohnt es sich, die Spülmaschine direkt an den Warmwasseranschluss anzuschließen.
  • Falls sich die Maschine am Ende des Programms nicht selbst ausschaltet, sollte man sie manuell ausschalten. So vermeidet man Stand-by-Stromverbrauch.
  • Zwischen 20 und 40 Prozent aller Geschirrteile landen nicht in der Maschine, sondern werden einzeln „mal zwischendurch“ unter fließendem Wasser gespült. „Das sollte man aus Gründen der Nachhaltigkeit auf alle Fälle vermeiden“, rät einer der Bonner Wissenschaftler. Er empfiehlt, dieses Geschirr entweder zu sammeln und dann im befüllten Becken abzuwaschen oder aber die Spülmaschine voller zu beladen.
4 Kommentare
Winfried Schulte 67470
Bei mir fällt so wenig Geschirr und Besteck an, dass ich sie sofort nach Gebrauch reinige. Wenn ich warte, bis die 45cm-Spülmaschine voll ist, ist alles so angetrocknet un angegammelt, dass ich es nur noch mit hohen Temperaturen, längerem Spülen, und Nachkontrolle wieder wirklich sauber bekomme. Ich glaube, dieses ist für mich und die Umwelt wirtschaftlicher - zumal ich nach dem Kochen Herd und Sp...