Whatsapp AGB Diese Daten sammelt und speichert Whatsapp

Von Mark Otten | 11.08.2016, 09:02 Uhr

Whatsapp speichert trotz Komplettverschlüsselung Nutzerdaten. Datenschützer kritisieren die AGB des Messengers scharf. Was sammelt und speichert Whatsapp überhaupt? Eine Übersicht.

Facebook gilt vielen Nutzern als schlimme Datenkrake, weshalb sie das soziale Netzwerk meiden. Whatsapp hat ein besseres Image , gehört jedoch seit 2014 zu Facebook. (Weiterlesen: So läuft Whatsapp auf Windows-PCs und Mac) 

Whatsapp-AGB: Was kritisieren Datenschützer?

Der größte Vorwurf lautet, dass Whatsapp eine essenzielle Grundbedingung des deutschen Datenschutzrechts nicht erfüllt: Transparenz über den Umfang der Datenverarbeitung. Obwohl sich Whatsapp mit seinem Angebot explizit auch an deutsche Nutzer richtet, gibt es die AGB und Datenschutzbestimmungen nur auf Englisch. „Damit ist nicht sichergestellt, dass sämtliche deutsche Nutzerinnen und Nutzer überhaupt in der Lage sind, sich über Inhalt und Ausmaß der Verwendung ihrer Daten durch den Dienst zu informieren“, sagt der Hamburgische Datenschützer Johannes Caspar im Gespräch mit unserer Redaktion.

Kurz darauf entschied ein Gericht in Berlin: Whatsapp muss seine AGB ins Deutsche übersetzen. Wann das passiert, ist jedoch offen. Die letzte Anpassung der AGB datiert vom 7. Juli 2012. Immerhin werden seit April 2016 alle Whatsapp-Nachrichten vollständig verschlüsselt. 

Diese persönlichen Daten sammelt Whatsapp:


  • Die eigene Handynummer
  • Die Handynummern der Freunde im Adressbuch (regelmäßig)
  • Änderungen bei Statusmeldungen
  • Nachrichten, die nicht zugestellt werden können (liegen maximal 30 Tage auf den Servern)
  • Dateien, die per Nachricht verschickt werden (für einen nicht genannten „kurzen Zeitraum“
  • Datum und Uhrzeit von zugestellten Nachrichten
  • Die Telefonnummer des Empfängers einer zugestellten Whatsapp-Nachricht.

Diese Daten sammelt Whatsapp (offiziell) nicht


  • Nachrichten und Inhalte, die Nutzer per Whatsapp verschicken
  • Namen, Adressen, E-Mail-Adressen oder andere Informationen aus dem Adressbuch.

Whatsapp ist nichts für Kinder

Kaum zu glauben: Whatapp ist für Nutzer unter 16 Jahren nicht gedacht. Um die Privatsphäre von Minderjährigen zu schützen, heißt es in den AGB: „Wenn du unter 16 Jahre alt bist, nutze den Whatsapp Service oder die Whatsapp Seite bitte überhaupt nicht.“ Erfahre Whatsapp, dass die gesammelten persönlichen Daten einem Nutzer unter 16-Jährigen gehören, könnte Whatsapp das Konto deaktivieren, heißt es weiter. Ob und wie oft das Unternehmen das schon getan, ist nicht bekannt. (Weiterlesen: Line ist Whatsapp, Facebook und Skype in einer App) 

Was macht Whatsapp mit den gesammelten Daten?

Da sind die AGB von Whatsapp unpräzise. Zwar heißt es, dass die gesammelten Daten und Inhalte grundsätzlich nicht kopiert, gespeichert oder archiviert würden, doch mit einigen unscharfen Sätzen hält sich Whatsapp am Ende doch jede Tür auf. Denn für einen nicht genannten Zeitraum speichert Whatsapp, wer wann mit wem und wie oft kommuniziert hat. Diese Daten würde das Unternehmen auch weitergeben – die Gründe oder Anlässe für so einen Schritt werden nicht genannt.

Um den Dienst zu verbessern, räumt Whatsapp sich außerdem das Recht ein, die gespeicherten Informationen an Dritte weiterzugeben. Für Datenschützer Caspar ein Problem: „Nach deutschem Verständnis sind die Daten, die WhatsApp hier speichert, durch das Fernmeldegeheimnis geschützt und dürften lediglich dann an Dritte weitergegeben werden, wenn dies zur technischen Erbringung des Dienstes unbedingt erforderlich ist, eine gesetzliche Grundlage eine Übermittlung explizit erlaubt oder anordnet oder die Betroffenen eingewilligt haben.“

Allerdings übermitteln alle Nutzer außerhalb der USA ihre Daten auf Server innerhalb den USA und erklären sich ausdrücklich damit einverstanden, dass kalifornisches Recht angewendet wird. Und wer gerichtlich gegen Whatapp vorgehen will, muss im kalifornischen Gerichtsstand Santa Clara vorstellig werden.

Whatsapp schweigt, Konkurrenz schwächelt

Whatsapp selbst schweigt du den offenen Fragen. Zwei Anfragen unserer Redaktion bleiben unbeantwortet. Trotz des unklaren Umgangs mit Nutzerdaten bleibt Whatsapp enorm beliebt.

Die Deutsche Post setzte mit ihrer Whatsapp-Alternative Simsme genau an den Schwachpunkten des Marktführers an und stellte die Schlagworte Anonymität, Sicherheit und Server in Deutschland in den Vordergrund. Doch der große Erfolg blieb aus. Im März 2015, rund sechs Monate nach Marktstart, verkündete die Post, dass die Simsme-App eine Million Mal heruntergeladen worden sei; seitdem hat das Unternehmen keine neuen Zahlen veröffentlicht. (Weiterlesen: Simsme im Test)