Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne In der Weihnachtsbäckerei - gezwungenermaßen

Von Corinna Berghahn | 12.12.2015, 09:00 Uhr

Alle Jahre wieder, wenn das Lied von Rolf Zuckowski ertönt, finden sich tausende Eltern in der Küche wieder. Warum bloß, fragt sich unsere Autorin - und backt trotzdem mit.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere Elternkolumnistin gefragt: Habt ihr schon Plätzchen gebacken? Dies ist ihre Antwort:

 Lieber Daniel, 

klaro! Und das, obwohl ich ungern backe. Ich habe es sogar schon immer gehasst. Der Grund dafür ist wohl, dass ich seit jüngster Kindheit den eklatanten Geschmacksunterschied zwischen rohen Teig und Backwerk als sehr enttäuschend empfand. Das ist heute noch so: Die zuckrig, fettige Masse schmeckt fantastisch, gebacken ist sie aber nur noch ein Schatten der vorherigen Geschmacksexplosion.

Trotzdem backe ich freiwillig einmal im Jahr. Allerdings nur wegen dem Kind und einer seltsamen Mama-Weihnachts-Sentimentalität. Man stellt sich das ja so vor: Wohliges Chaos in der Küche, lustig vermehltes Kind, glückliche Kinderaugen, Düfte und im Hintergrund läuft die Weihnachts-CD von Rolf Zuckowski, denn „In der Weihnachtsbäckerei“ ist quasi das „Last Christmas“ der deutschsprachigen Familien.  (Hier geht es zum jugendfreien, aber wohl von Benny Hill inspirierten Slapstick-Video von „In der Weihnachtsbäckerei“) 

Popel im Teig statt Besinnlichkeit

Doch wie sovieles beim Leben mit Kind ist die Vorstellung meist einen Tick schöner als das unperfekte Leben. Ich bin mir daher sicher: In diesen Tagen geht ein Stöhnen durch tausende Familien, was in etwa so klingt: „Man tut es ja nur für die Kinder… Als ich klein war, habe ich toll mitgeholfen… Nein, nicht den Popel in den Teig kneten!“

Dabei war es früher sicher nicht besser: Doch dank Bullerbü-Romantik träumen alle Eltern vom besinnlichen Backen, aber Backen ist zeitaufwendige Arbeit mit Dreck. Davon singt übrigens auch Zuckowski, aber das hören viele nicht mehr. (Weiterlesen: Musik für Kinder ist fast immer die HölleHölleHölle!) 

Bei uns war es nur halb so schlimm: Zwar existiert die Rolf Zuckowski CD nicht mehr, der Stream brach zudem immer wieder ab. Doch mein Kind war trotzdem zeitweise sehr eifrig dabei, besonders beim Verzieren der Plätzchen. Und wie die Mama wunderte es sich, warum roher Plätzchenteig soviel besser schmeckt als das ofenwarme Endprodukt.

Plätzchen backen? Lieber Kika gucken!

Freunden erging es schlechter: Mama und Papa kneteten eifrig, das zuerst begeisterte Kind quengelte, weil es nicht noch mehr Teig schlecken durfte, die Tüte Mehl auf dem Boden geworfen hatte und es eigentlich doch lieber Kika gucken wollte… Genervtes Augenrollen bei allen - und trotzdem werden sie nächstes Jahr wieder backen.

Das Gute ist nämlich, dass unsere Kinder sich später weder an die Langweile noch die Unstimmigkeiten erinnern werden. Stattdessen werden sie mit Wehmut an diese Momente zurückdenken, vielleicht sogar noch Rolf Zuckowski hören wollen - und sich wie wir heute ebenfalls wundern, warum ihre Kinder nicht so begeistert aufs Plätzchen backen reagieren wie sie selbst früher.

 Deine Corinna 

P.S.: Apropos Sentimentalität: Ist Weihnachten mit Kindern wieder so wie früher?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, gerade wieder schwanger, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.

 Dies sind ihre lustigsten Texte: 

 Husten! Wir haben ein Problem! 

 Geschwister-Kinder: Sind Erstgeborene anders? 

 Hände weg: Mein schwangerer Bauch gehört mir!