Porsche Panamera S E-Hybrid Der Anti-Porsche

Von Lothar Hausfeld | 19.07.2014, 08:32 Uhr

Seit seinem Debüt im Jahre 2009 polarisiert der Porsche Panamera. Für die einen ist er eine konsequent-sportliche Umsetzung der Porsche-Idee in eine viertürige Limousine, für die anderen eine überdimensionierte Blechburg bar jeglicher Vernunft. Im Test: die Plug-in-Hybrid-Version mit 95-PS-Elektromotor und 333 PS starkem V6-Benziner.

Gucken

Über fünf Meter lang, mit Außenspiegeln mehr als 2,10 Meter breit – wohl dem, der ein eigenes Parkhaus für den Panamera besitzt. Die ausladenen Dimensionen – nicht eben typisch für eine Marke wie Porsche, die in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch für Sportwagen steht.

Fühlen

Der Zündschlüssel sitzt wie gewohnt links, das Cockpit ist übersät mit Tasten und Schaltern, wird dominiert von einer breiten Mittelkonsole, auch das ist mittlerweile bei allen Porsche-Modellen Standard. Ebenso wie die Tatsache, dass die Insassen – in diesem Fall eben bis zu vier statt nur zwei – ein Leben in Leder und Luxus an Bord genießen können.

Zahlreiche Displays geben Auskunft über den Ladezustand der Batterie, über die aktuelle Antriebssituation und vieles, vieles mehr. Auch per Smartphone-App können Reichweite, Betriebszustand, Klimatisierung und etliches mehr abgefragt und verändert werden.

Der im Panamera ohnehin nicht sehr üppige Kofferraum wird durch die im Unterboden platzierten Akkus noch weiter reduziert; das optionale Bose-Soundsystem kostet mit seinem hier angebrachten Subwoofer weiteres Ladevolumen. Immerhin lassen sich die Rücksitze einfach umlegen und so die Nutzfläche veritabel vergrößern.

Nach hinten sieht der Fahrer kaum mehr als durch eine Schießscharte, das Ordern der Rückfahrkamera (1392 Euro) ist obligatorisch, will man teure Parkrempler vermeiden.

Fahren

Das zentrale Element im Porsche-Cockpit ist traditionell der Drehzahlmesser. Auch hier – doch bleibt im Elektromodus, der möglichst oft aktiv sein sollte, die Nadel des Drehzahlmessers eben auf „0“ stehen, weil der Benziner im Ruhestand verharrt. Irgendwie sehr untypisch für Porsche.

Das Zusammenspiel aus Benzin- und Elektromodus (Systemleistung: 416 PS) ist komplex, innerhalb Bruchteilen von Sekunden wechselt der Zustand hin und her. Ist die Batterie vollständig geladen, schafft der Panamera um die 25 Kilometer, ohne dass sich der V6-Benziner einmischen würde. Daraus ergibt sich dann auch ein sehr guter Durchschnittsverbrauch, der schon mal unter fünf Litern bleiben kann. Wer den Anti-Porsche allerdings über lange Strecken bei entladener Batterie und auch mal Porsche-typisch (also dann wie einen Anti-Hybriden) bewegt, der wird die versprochenen 3,1 Liter auf 100 Kilometer locker vervierfachen. Mindestens.

Die achtstufige Tiptronic kommt angesichts der ständig wechselnden Betriebsmodi schon mal ins Straucheln, wechselt hier und da die Gänge recht ruppig.

Ansonsten gibt es im Themenbereich „Fahren“ naturgemäß wenig zu meckern. Die Beschleunigung – unwiderstehlich, die Federung – zwischen sportlich-straff und Grand-Turismo-kommod einstellbar und jeder Fahrsituation gewachsen, der V6-Benziner – kraftvoll und akustisch zurückhaltend, das Kurvenverhalten – trotz der Länge und des Gewichts im Sportwagenbereich, all das sorgt auch bei anspruchsvollen Fahrern für zufriedene Mienen.

Die Batterie kann, je nach Art und Auslegung des Stromanschlusses, in zweieinhalb bis vier Stunden aufgeladen werden. Auch während der Fahrt kann ein leerer Energiespeicher relativ zügig wieder befüllt werden – nur ist das bei dann verstärktem Einsatz des Verbrennungsmotors nicht eben effizient.

Staunen

Im Leerzustand wiegt der Panamera mehr als zwei Tonnen, und doch übt er, wenn er rein elektrisch angetrieben wird, genau diese Faszination aus, die nur ein E-Auto zu vermitteln in der Lage ist. Verzögerungsfreie Beschleunigung und fast lautloses Surren sind bis 135 km/h möglich, das Trumm strahlt dann sogar eine gewisse Leichtigkeit aus.

Ärgern

Der Panamera ist alleine durch seine schiere Größe nicht direkt ein Ausdruck automobilen Understatements. Die laut Preisliste in „Acidgreen“ lackierten, gefühlt aber in 80er-Jahre-neongelb gehaltenen Bremssättel setzen dem Expressionismus die Protzkrone auf. Eine Farbe, die sich auch im Innenraum wiederfindet: Die Zeiger im Fünffach-Kombiinstrument sind in ebenfalls in diesem schrillem Farbton gehalten. Nicht schön, aber selten.

Kaufen?

110409 Euro sollte man mindestens bereit sein zu investieren für den Panamera S E-Hybrid, so die vollständige Modellbezeichnung. Mit diversen Extras schraubt man den Endpreis in Regionen, in denen auch luxuriöse Wohnungen veräußert werden.

Was allerdings bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack: Für einen „echten“ Porsche ist der Panamera zu groß, zu schwer und trägt zu dick auf, für einen echten Hybrid verbraucht er zu viel. Im besten Fall kann man sagen: Der hybridisierte Porsche Panamera ist ein Modell für Individualisten, denen ein grünes Feigenblatt gerne ein paar Zehntausend Euro mehr wert ist.