Mini-SUV im Fahrbericht Der Opel Mokka ist klein, stark und scharf

Von Lothar Hausfeld | 26.07.2014, 08:55 Uhr

Einen derart guten Riecher für neue, boomende Segmente hatte Opel schon lange nicht mehr: Mit dem Mini-SUV Mokka fahren die Rüsselsheimer derzeit glänzende Verkaufszahlen ein. Im Test: der 140 PS starke Allrad-Benziner.

Gucken

Der Mokka ähnelt dem größeren, deutlich erfolgloseren Opel Antara, ist aber mit 4,28 Metern mehr als 30 Zentimeter kürzer als der große Bruder.

Fühlen

Innen verwendet Opel größtenteils Materialien und Bedienelemente, die auch aus den anderen Modellen bekannt sind. Das sorgt beispielsweise bei der Bedienung für einen gewissen Tastenüberfluss und bei der Materialanmutung für eine stellenweise altmodische Designauslegung. Im positiven Sinne gilt das aber auch für die Sitze, die ihresgleichen suchen – wenn man denn die Ergonomiesitze mit dem Prüfsiegel der „Aktion Gesunder Rücken“ (ab 390 Euro) geordert hat.

Um das Kofferraumvolumen von 356 auf 1372 Liter zu vergrößern, lassen sich die hinteren Sitze im Verhältnis 2/3 zu 1/3 problemlos umlegen, die Sitzfläche der Sitze muss zuvor hochgeklappt werden – das ist vielleicht nicht mehr unbedingt zeitgemäß, aber keine große Einschränkung im Alltag. Die relativ hohe Ladekante könnte den einen oder anderen dagegen schon eher stören. Das Platzangebot im Innenraum weiß dagegen zu gefallen, auch Großgewachsene müssen sich nicht um ihren Kopf sorgen.

Fahren

Der 140 PS starke Turbo schiebt den Allrad-Mokka zuverlässig an, bleibt dabei weitestgehend in einem angenehm zurückhaltenden Geräuschpegel. Lediglich wenn die Gänge bis in den roten Bereich ausgereizt werden, regt sich akustischer Widerstand. Dass an der roten Ampel der Motor dank Start-Stopp-Automatik schweigt, geht so schon mal unter. Erst wenn er beim Tritt auf die Kupplung wieder anspringt, registriert man die vorherige Stille.

Mit 140 PS und 200 Newtonmetern Drehmoment verfügt das Mini-SUV über ausreichend Kraftreserven, zum spontanen Überholen ist allerdings ein Gangwechsel in niedrigere Fahrstufen ratsam, da in den höheren Gänge weniger Durchzug angesagt ist. Insgesamt erweist sich der Mokka als zuverlässiger Begleiter, der in der Stadt dank kompakter Abmessungen gut in der Handhabung ist, der aber auf Landstraße und Autobahn keinerlei Probleme bereitet. Und dank des Allradantriebs könnte er sogar in unwegsameres Gelände vordringen – wobei das mit einem Mokka mindestens so unwahrscheinlich ist wie mit jedem anderen SUV.

Bei regelmäßigen Fahrbahnunebenheiten – wie etwa Querfugen auf der Autobahn – spricht die Federung vernehmbar an, meldet sich ebenso regelmäßig mit deutlichen Signalen zurück. Ansonsten rollt der Mokka recht kommod ab, zeigt einen Fahrkomfort, der deutlich über dem eines herkömmlichen Kleinwagens liegt.

Staunen

Serienmäßig verfügt die 140-PS-Version über das Audiosystem „Intellilink“, das vorbildlich einfach mit dem Smartphone zu verbinden ist, dem Nutzer viele Freiheiten bei der individuellen Gestaltung lässt und sich über die Aufpreisliste mit Extras wie einem Navigationssystem (900 Euro) oder einer Rückfahrkamera (295 Euro) aufrüsten lässt – und alles in gestochen scharfer Art und Weise auf dem sieben Zoll großen Farbdisplay anzeigt.

Ärgern

6,4 Liter im Durchschnitt auf 100 Kilometern verheißen schon auf dem Prüfstand keine Wunderdinge; in der Praxis muss man einen weiteren Liter draufrechnen – das ist zu viel. Als Fronttriebler lässt sich rund ein halber Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer einsparen. Die Tatsache, dass man ohne Allradantrieb in der Anschaffung knapp 2000 Euro einspart, wird manche Kaufentscheidung sicherlich in diese Richtung beeinflussen.

Kaufen?

Annähernd 14000 Zulassungen hat Opel für den Mokka im ersten Halbjahr des Jahres in Deutschland generiert – damit liegt das Modell hinter Corsa und Astra bereits auf Platz drei der Opel-Hitliste. Keine Frage: Man kann die Leute verstehen, dass sie dieses kleine SUV so sehr ins Herz geschlossen haben.