Kompakt-SUV im Fahrbericht Honda CR-V: Raffinesse und Raum

Von Lothar Hausfeld | 10.06.2016, 09:12 Uhr

Der Honda CR-V ist das weltweit beliebteste SUV – hätten Sie‘s gedacht? Hierzulande tut sich der Japaner dagegen angesichts der großen deutschen und europäischen Konkurrenz schwer. Warum, das blieb während des Tests des 160 PS starken Allradmodells eine der wenigen ungeklärten Fragen.

Osnabrück. Im Vergleich zu Tiguan, Kuga und Konsorten muss sich der CR-V jedenfalls nicht verstecken. Optisch mit der Honda-typischen Science-Fiction-Raffinesse versehen, macht der Honda auf Boulevard wie Buckelpiste eine gute Figur; dank des hier serienmäßigen Allradantriebs muss man auch vor unwegsamen Strecken nicht umkehren.

Noch beeindruckender freilich ist der Raum, der Mensch und Gepäck zur Verfügung steht. Knapp 600 Liter fasst der Kofferraum im Normalzustand, wer mit spielerischer Leichtigkeit die Rücksitze umlegt, kann knapp 1700 Liter ins Gepäckabteil laden.

Und dann vorne kommod reisen: Federung und Sitze sind für die Langstrecke gemacht, die Neungang-Automatik (2100 Euro) ist für alldiejenigen gemacht, die weniger Wert auf sportliche Dynamik legen, sondern möglichst bequem von A nach B kommen wollen.

Das kostet beim Beschleunigen zwar ein gutes Stück an Spritzigkeit, doch insgesamt zeigt der CR-V, dass auch für ein SUV-Modell 160 PS vollkommen ausreichend sind. Darüber hinaus glänzt der Selbstzünder mit einer vorbildlichen Laufruhe. Lediglich wer auf der Autobahn meint, mit den Dienstwagen-Dränglern auf der linken Spur mithalten zu müssen, der muss recht frühzeitig die Segel streichen – es gibt wahrlich schlimmeres. Zumal der Verbrauch auf der linken Autobahnspur deutlich über den auf dem Prüfstand ermittelten 5,3 Litern liegt. Also: Probier‘s mal lieber mit Gemütlichkeit, das passt eher zum Charakter des CR-V.

In Sachen Verarbeitung gibt es im Innenraum gar nichts zu mäkeln, allein die Materialwahl ist ein wenig eintönig geraten und passt im Grunde genommen nicht so recht zum modernen Äußeren. Vieles ist im Einheits-Anthrazit-Ton gehalten, die großflächigen Kunststoffwüsten sind nicht direkt Premium. Das Honda Connect genannte Infotainmentsystem mit Touchscreen gehört in den höheren Ausstattungslinien zum Serienumfang, ist im Funktionsumfang und der Menüstruktur durchaus auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern, aber leider nicht bei der Bedienung. Der Touchscreen muss kräftig gedrückt werden, kleine Symbole, unlogisch erscheinende Druckpunkte oder winzige Knöpfe an der Seite erschweren die Bedienung.

Und wann lernen es die Hersteller endlich, dass es nur eine Art der vernünftigen Lautstärkeregelung gibt, nämlich die des schlichten Drehreglers? Auch im CR-V nerven die „+“ und „-“-Tasten, mit denen umständlich die Lautstärke angepasst werden muss.

Aber genug genörgelt, unterm Strich ist der Honda CR-V eine richtig gute Alternative für all diejenigen, denen es beim SUV weniger auf das „S“ für Sport denn auf das „U“ für Utility – also Nutzen – ankommt. Und beim Platzangebot ist der Honda ohnehin der Taktgeber in diesem Segment.