Hochdachkombi von Mercedes im Fahrbericht Die T-Klasse: Laden mit Stern

Von Lothar Hausfeld | 20.01.2023, 07:00 Uhr

Hochdachkombis sind insbesondere bei Familien immer noch hoch im Kurs - trotz der zahllosen SUV-Modelle. Wir haben die Mercedes T-Klasse getestet.

Kann man sagen: Ein „richtiger“ Mercedes war die erste Generation des Hochdachkombis Mercedes Citan nicht, der Renault Kangoo schimmerte an jeder Ecke als Teilespender durch. Da der Verkaufserfolg sich in überschaubaren Grenzen hielt, haben die Schwaben bei der zweiten Generation – die jetzt T-Klasse heißt – darauf geachtet, dass mehr Mercedes-Benz-Feeling aufkommt. Die Daimler-Ingenieure waren deutlich mehr in die Fahrzeugentwicklung involviert, auch wenn der Renault Kangoo (und der Nissan Townstar als Dritter im Bunde) weiterhin ein enger Verwandet der T-Klasse ist. Im Test: Das T-Topmodell T180 mit Doppelkupplungsgetriebe und 131-PS-Benziner.

Kann man sehen: Beim Vorgänger war zum Zeitpunkt der Kooperationsvereinbarung der Kangoo so gut wie fertig entwickelt, sodass der Mercedes-Ableger kaum mehr als ein Renault mit Stern war. Das ist jetzt anders, die T-Klasse trägt unverkennbar Daimer-Design-Züge und damit auch verdientermaßen den Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill – wobei man natürlich sagen muss, dass beim Hochdachkombi weniger optische Emotionalität eine Rolle spielt als Zweckdienlichkeit.

Kann man machen: Der 131 PS starke Benziner ist der gleiche, der auch bei Renault und Nissan in den Geschwistermodellen zum Einsatz kommt. Er arbeitet akustisch angenehm zurückhaltend, agiert in den alltäglichen Anforderungen absolut angemessen. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe verrichtet unauffällig seinen Dienst, wählt stets die passende Fahrstufe. Wer meint, unbedingt das Gaspedal durchdrücken zu müssen, bringt den T relativ schnell zum Kochen, spätestens vor der nächsten engen Kurve sollte das Tempo aber wieder reduziert werden, da der hohe Aufbau sich nur bedingt mit zügigen Richtungswechseln verträgt. Vollgasambitionen, die heutzutage ja eh keine relevante Rolle mehr spielen sollten, erledigen sich hier von selbst – was bis auf Mineralölkonzerne jeden erfreuen sollte: der Alltagsmehrverbrauch von einem guten halben Liter im Vergleich zum WLTP-Testwert von 6,8 Litern ist jedenfalls absolut im Rahmen für ein Fahrzeug dieser Größe. Und diese Größe spielt die T-Klasse auch komplett aus; zum einen gibt’s Ablagen in zahllosen Dimensionen und Anordnungen, zum anderen gestaltet sich der Innenraum als absolut variabel und großzügig bemessen, egal ob Weihnachtsbaum oder Fahrrad, ob Wochenend-Großeinkauf oder Möbelhausbesuch, ob Urlaub oder Umzug – die T-Klasse nimmt dank bis zu 2127 Litern Stauraum jede Menge an Bord. Auf die hinteren Plätze kommt man dank der Schiebetüren entweder selbst bequem oder kann einfach dem Nachwuchs beim Anschnallen zur Hand gehen.

Mehr Informationen:

Motor: 1,3-l-Benziner (96 kW/131 PS), max. Drehmoment: 240 Nm, Verbrauch: 6,8 l, CO2: 154 g/km (Werk), 0-100 km/h: 11,6 Sek., Vmax: 184 km/h, 7-Gang-Doppelkupplung, Frontantrieb.

Maße: Länge: 4,50 m, Leergewicht: 1.607 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.118 kg, Kofferraumvolumen: 520-2127 l, Anhängelast (gebremst): 1.500 kg, Testverbrauch: 7,3 l.

Grundpreis: 34.510 Euro, gefahrene Version: 40.747 Euro. Versicherungstypklassen (KH/TK/VK): 17/21/23.

Kann man kaum glauben: Der größte Unterschied der T-Klasse zu seinen französisch-japanischen Verwandten: Er bietet ein Innenraumambiente und Technik wie ein Mercedes-Pkw. Die Standards setzende Infotainmentarchitektur namens MBUX ist an Bord, sodass eine annähernd perfekte Sprachsteuerung („Hey Mercedes“) ebenso verbaut ist wie ein logisch und umfangreich bestückter Touchscreen-Zentralbildschirm – natürlich hochauflösend. Die Bedienung der zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten über das aus der A-Klasse bekannte Multifunktionslenkrad mit Rädchen, Tasten und kleinen, berührungssensitiven Flächen hat man nach wenigen Minuten intus, Klavierlack an einigen Stellen hübscht die Hartplastiklandschaft auf.

Kann man sein lassen: Die Kofferraumabdeckung ist recht starr und auch scharf gehalten, der Versuch, sie in der Dunkelheit wieder an die zugedachte Stelle einzubauen, führte zu blutigen Fingern – wobei eine gewisse Portion Ungeschicktheit beim Einbauenden sicherlich zu berücksichtigen ist.

Kann man zahlen: Die günstigste T-Klasse (102 PS) kostet gut 31.000 Euro, mit 131-PS-Benziner startet die Preisliste bei gut 32.000 Euro. 34.510 Euro sind anzulegen, wenn das empfehlenswerte Doppelkupplungsgetriebe an Bord ist, mitsamt einiger Extras und einer dann ausgesprochen umfangreichen Ausstattung standen unterm Strich 40.747 Euro zu Buche.