Zusatzbeiträge steigen Das ändert sich 2016: Gesundheit und Pflege

16.12.2015, 19:09 Uhr

Der Zusatzbetrag für gesetzliche Krankenkassen steigt um 0,2 Prozent auf durchschnittlich 1,1 Prozent. Was sich 2016 sonst noch im Bereich Gesundheit und Pflege ändert, lesen Sie hier:

 Gesetzliche Krankenkassen: Auf Arbeitnehmer kommen 2016 höhere Kassenbeiträge zu. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer alleine schultern müssen, steigt um 0,2 Punkte auf durchschnittlich 1,1 Prozent. Damit erhöht sich der durchschnittliche Gesamtbeitrag auf 15,7 Prozent. Wie hoch der individuelle Zusatzbeitragssatz tatsächlich ausfällt, legt jede Krankenkasse bis Ende 2015 für ihre Mitglieder selbst fest. (Weiterlesen: TK erhöht Zusatzbeitrag um 0,2 Prozentpunkte) 

 Private Krankenversicherungen: Wer privat krankenversichert ist, soll laut Verbraucherzentralen bei seiner Versicherung künftig einfacher in einen anderen Tarif wechseln können. (Weiterlesen: Günstig privat versichert bleiben) 

 Krankenhäuser: Mit der Krankenhausstrukturreform soll es künftig für besonders gute Leistungen bei Operationen und Patientenversorgung Zuschläge geben. Schlechte Leistungen werden mit Abschlägen geahndet. Krankenhäuser, die durch anhaltend schlechte Qualität auffallen, laufen Gefahr, dass einzelne Abteilungen oder sogar das ganze Haus geschlossen werden. Damit sollen auch Überkapazitäten bei den rund 2000 Krankenhäusern in Deutschland abgebaut werden ohne Abstriche an der Versorgung in der Fläche. (Weiterlesen: Krankenhausreform: Das sind die zentralen Punkte) 

 Übergangspflege: Patienten, die nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten Behandlung vorübergehend weiter versorgt werden müssen, können eine Kurzzeitpflege als neue Leistung der Krankenkassen in Anspruch nehmen. Außerdem werden die Ansprüche auf häusliche Krankenpflege und Haushaltshilfe erweitert. (Weiterlesen: Nach Klinikaufenthalt Anspruch auf Haushaltshilfe und Nachsorge) 

 Pflege: Mit dem Pflegestärkungsgesetz bekommen Patienten mit Demenz, mit nachlassenden geistigen Fähigkeiten, den gleichen Zugang zu Pflegeleistungen wie körperlich Behinderte. Die bisherigen drei Pflegestufen sollen auf fünf Pflegegrade erweitert werden. Damit kann die Bewertung von Pflegebedürftigkeit individueller gestaltet werden. Da die Umstellungen einige Zeit in Anspruch nehmen, wird das neue Begutachtungsverfahren tatsächlich erst 2017 starten. Dann wird auch der Beitrag zur Pflegeversicherung von 2,35 Prozent auf 2,55 Prozent (2,8 Prozent für Kinderlose) erhöht. (Weiterlesen: Die Details der Pflegereform) 

 Palliativmedizin: Die Versorgung sterbenskranker Menschen wird verbessert. Das Gesetz sieht vor, dass in ländlichen Regionen die „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ ausgebaut wird. Die finanzielle Ausstattung stationärer Kinder- und Erwachsenenhospize wird verbessert. Bei den Zuschüssen für ambulante Hospizdienste werden neben den Personalkosten auch Sachkosten wie Fahrten ehrenamtlicher Mitarbeiter berücksichtigt. Kooperationen von Pflegeheimen mit Haus- und Fachärzten zur Versorgung Betroffener sind künftig nicht mehr nur freiwillig, sondern sollen von den Vertragspartnern abgeschlossen werden. (Weiterlesen: Das steht im neuen Hospiz- und Palliativgesetz) 

 Sterbehilfe: Geschäftsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung ist in Deutschland künftig strafbar. Mit der Neuregelung dürfen Vereine oder Einzelpersonen keine Sterbehilfe als Dienstleistung mehr anbieten. Wenn etwa einem unheilbar Krebskranken geschäftsmäßig ein tödliches Medikament zur Verfügung gestellt wird, drohen bis zu drei Jahre Haft. Die prinzipielle Straflosigkeit des Suizids wird nicht infrage gestellt. (Weiterlesen: Geschäftsmäßige Sterbehilfe in Deutschland künftig verboten) 

 Facharzttermin: Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sollen bei der Suche nach einem Facharzttermin helfen. Sie sollen den Versicherten innerhalb einer Woche einen Facharzttermin in zumutbarer Entfernung vorschlagen. Die Wartezeit auf den Termin darf 4 Wochen nicht überschreiten. Ein Anspruch auf einen bestimmten Arzt besteht nicht. (Weiterlesen: Kassenärzte: Wartezeiten nur selten ein Problem) 

 Zuzahlung bei Rezepten: Höhere Freibeträge schonen ab 1. Januar 2016 den Geldbeutel bei den üblichen Zuzahlungen zu Rezepten und therapeutischen Behandlungen. Von den jährlichen Bruttoeinnahmen können dann für den im gemeinsamen Haushalt lebenden Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner 5.229 Euro (bisher: 5.103 Euro) abgezogen werden. Der Kinderfreibetrag wird von bisher 7.152 Euro auf 7.248 Euro für jedes Kind angehoben. Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung müssen seit 2004 Zuzahlungen zu ärztlichen Verordnungen leisten (ausgenommen sind Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr). Dabei hat der Gesetzgeber allerdings eine Belastungsgrenze von 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen als Deckel festgelegt (bei chronisch Kranken: 1 Prozent). Wird dieses Limit überschritten, ist der Versicherte von weiteren Zuzahlungen befreit.

 Ärztliche Diagnose: Bei bestimmten, planbaren Eingriffen haben Patienten ab dem 1. Januar 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung. Das Recht soll vor allen Dingen Krankheitsbilder umfassen, bei denen die Gefahr einer unnötigen Operation besteht. Welche das genau sind, legt der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) bis zum Jahresende fest. Auch Krankenkassen können darüber hinaus in ihren Satzungen Angebote zur Zweitmeinung festlegen.

 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Bei Krankschreibungen wird es für gesetzlich Krankenversicherte ab 1. Januar 2016 nur noch ein Formular geben. Während Ärzte bislang für den Bezug von Krankengeld einen „Auszahlschein“ für die Krankenkasse und die gelbe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zur Vorlage beim Arbeitgeber ausgestellt haben, gibt es mit dem Jahreswechsel nur noch ein AU-Formular, das beide integriert. Neben dem Arzt, der Krankenkasse und dem Arbeitgeber erhält künftig auch der Patient eine Ausfertigung seiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Diesem Durchschlag kann der Patient Fristen und wichtige Informationen zum Krankengeld entnehmen.

 Elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge: Auch Flüchtlinge sollen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) erhalten – so sieht es das Asyl-Beschleunigungsgesetz vor. Allerdings müssen die medizinischen Leistungen, die über diese Karte zu erhalten sind, nicht in vollem Umfang denen des üblichen Gesundheitsausweises entsprechen. Außerdem bleibt es den Ländern überlassen, ob sie überhaupt eine Karte für Flüchtlinge einführen und welche Regelungen sie im Detail vorsehen.

 Gelbfieber-Impfung: Für die Einreise in viele Länder Mittel- und Südamerikas sowie in afrikanische Länder südlich der Sahara ist eine Impfung zum Schutz vor der lebensbedrohlichen Gelbfieberinfektion seit langem Pflicht. Nach der Auswertung von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) nun geändert. Während der Impfschutz gegen den Stich der Gelbfiebermücke bislang alle zehn Jahre aufgefrischt werden musste, reicht ab Juni 2016 eine einmalige Impfung für lebenslangen Schutz. Trotz der verbindlichen Vorgaben der WHO wird abzuwarten sein, ob diese tatsächlich an allen Grenzen zeitnah umgesetzt werden. So ist nicht ausgeschlossen, dass manche Länder weiterhin noch einen Nachweis verlangen, dass die Impfung nicht länger als zehn Jahre zurückliegt.

Quellen: dpa/Verbraucherzentrale NRW