Versteckt in Lebensmitteln Warum es schwer ist, weniger Zucker zu essen

Von Eva Voß | 20.09.2013, 16:30 Uhr

Zu viel Zucker ist ungesund – das wissen die meisten Verbraucher. Doch weniger Zucker zu essen ist gar nicht so leicht, denn wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet, versteckt sich Zucker in vielen verarbeiteten Lebensmitteln. Auch in Produkten, in denen man keinen Zucker erwarten würde, wie zum Beispiel Fertigpizzen.

Die Lebensmittelindustrie hat da verschiedene Methoden, dies zu vertuschen, so die Verbraucherschützer. Da wäre zum einen die Begriffsverwirrung. Auf der Zutatenliste der Lebensmittel stehe dann nicht mehr einfach „Zucker“, sondern Süßmolkenpulver, Dextrose, Glucosesirup, Laktose, Fruktose, Maltodextrin oder Molkenerzeugnis. Letztendlich seien diese Zutaten jedoch nichts anderes als Zucker, nur in verschiedenen Ausführungen.

Lebensmittelhersteller werben gerne mit der Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“. Laut Verbraucherzentrale ist das der nächste Trick. Denn die Aufschrift vermittle dem Kunden den Eindruck, dass das Produkt entweder keinen oder nur wenig Zucker enthalte. Das stimme jedoch nicht, denn das Lebensmittel könnte schon von Natur aus viel Zucker haben.

Die Zuckermenge pro Portion statt pro 100 Gramm anzugeben sei ein weiterer Trick, um die Zuckermenge klein aussehen zu lassen. Das Problem daran sei, dass häufig nicht festgelegt sei, wie groß die Portion genau ist.

Kinder lieben süße Sachen. Deshalb seien häufig Kinderprodukte stark gezuckert, so die Verbraucherschützer. Besonders tragisch sei das deshalb, weil Kinder sich schnell an die Extraportion Zucker gewöhnten, ihre Süßschwelle steige und sie so verlernten, wie gut natürlich süße Produkte schmecken könnten.

Ein weiterer Trick ist die Werbung mit Produkten, die weniger Zucker enthalten. Viele Verbraucher glaubten, dass das Produkt so automatisch gesünder ist, laut Verbraucherzentrale stimmt das jedoch nicht. Als Beispiel nennen sie einen Fruchtaufstrich, der mit 40 Prozent weniger Zucker warb. Letztendlich hätten aber andere Fruchtaufstriche einen ähnlichen oder sogar geringeren Zuckergehalt als dieses Produkt gehabt.

Die Verwendung von Süßstoff führt zwar zu weniger Kalorien, doch die strukturgebenden Eigenschaften des Zuckers wird laut Verbraucherschützern durch andere, Energie bringende Zusatzstoffe ersetzt und damit auch die Kalorien.

Was steckt hinter den verschiedenen Zucker- und Süßstoffarten?

Lactose: Ist ein in Milch und Milchprodukten enthaltener Zucker. Lactose gehört zur Gruppe der Disaccharide (Zweifachzucker).

Glukose: In älterer Literatur wird es auch als Dextrose bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Monosaccharid, also um einen Einfachzucker. Die meisten kennen Glukose unter dem Namen Traubenzucker.

Fructose: Wird auch Fruchtzucker genannt. Fructose gehört zu den Monosacchariden (Einfachzucker) und damit zu den Kohlenhydraten. In der Natur kommt es vor allem in Obst vor.

Glukosesirup: Eine eingedickte Lösung als Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fructose). Glukosesirup wird vorwiegend in der industriellen Lebensmittelproduktion zum Süßen von Speisen und Getränken verwendet.

Süßmolkenpulver: Bei dem Pulver handelt es sich um getrocknete Molke. Es besteht zu fast 70 Prozent aus Laktose, also Milchzucker. Molkepulver ist ein billiger Lieferant von tierischem Eiweiß und wird daher gerne zur industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt, auch zur Herstellung von scheinbar ’pflanzlichen‘ Nahrungsmitteln, wie Margarine. Darüber hinaus wird Molkepulver wegen der genannten Eigenschaften als Futter in der Schweinemast und als Bestandteil von Milchaustauschern in der Kälberaufzucht verwendet.

Maltodextrin: Ist ein wasserlösliches Kohlenhydratgemisch. Maltodextrin ist kaum süß und beinahe geschmacksneutral. Da es gerade noch wasserlöslich ist, wird es in der Diätetik eingesetzt, um Mahlzeiten mit Kohlenhydraten anzureichern. Maltodextrin wird sowohl als Energieträger als auch aufgrund seiner Sekundäreigenschaften wie beispielsweise Schaumstabilität als Stabilisator, Füllstoff, Konservierungsmittel sowie als Zutat in der Lebensmittelproduktion verwendet.

Aspartam: Ist ein kalorienarmer Süßstoff, der etwa 200-mal süßer als Zucker ist. Weil Aspartam aus Eiweißbausteinen besteht, ist es nicht völlig kalorienfrei, sondern enthält - wie jeder Eiweißstoff - vier Kalorien pro Gramm. Aber aufgrund seiner hohen Süßkraft fallen diese Kalorien nicht ins Gewicht. Während ein Liter mit Zucker gesüßtem Colagetränk beispielsweise mehr als 400 Kalorien enthält, hat das entsprechende Colagetränk mit Aspartam gesüßt nur zwei Kalorien.

Acesulfam: Dieser Süßstoff ist kalorienfrei und etwa 200mal süßer als Zucker. Seine Süße ist schnell wahrnehmbar. Dieser Süßstoff wird nicht verstoffwechselt, sondern unverändert ausgeschieden.

Cyclamat: Mit einer Süßkraft von 35 : 1 im Vergleich zu Zucker hat Cyclamat von den in der EU zugelassenen Süßstoffen die geringste Süßintensität. Cyclamat wird nicht verstoffwechselt und verläßt den Organismus der meisten Verbraucher unverändert über die Nieren.

Saccharin ist nicht nur der älteste Süßstoff auf dem Markt, sondern gehört auch zu den Süßstoffen mit der höchsten Süßkraft. Saccharin ist etwa 550 mal süßer als Zucker. Saccharin wird hauptsächlich als Natrium-Salz eingesetzt, da es eine bessere Löslichkeit aufweist, aber immer noch 450 fach süßer ist als Zucker. Saccharin wird nicht verstoff- wechselt und unverändert vom Körper ausgeschieden. Es ist einer der gängigsten Süßungsmittel.

Stevia: Die Stevia rebaudiana ist eine blattreiche, krautige, subtropische Pflanze, die ursprünglich aus dem Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay stammt. Sie wird aber auch zunehmend im asiatischen Raum angebaut. Die Blätter enthalten süßschmeckende Stoffe, die Steviolglycoside. Die Süßkraft der Steviolglycoside ist ca. 200 - 300 fach höher als die von Zucker.